07.07.2021 - 13:34

Tesla gewinnt Ladetarif-Vergleich

Tesla ist Testsieger des Fachmagazins „connect“ bei Ladetarifen der Autohersteller. Der Elektrofahrzeughersteller überzeugt in allen Kategorien „Wenig“-, „Normal“- und „Viellader“; bei den E-Mobilitäts-Anbietern sind die Stadtwerke München mit dreifach „sehr gut“ für alle Ladetypen auf dem ersten Platz.

Zunächst zur Einordung: Für die Analyse der Tarife, die Modellierung der Nutzertypen und die Verbrauchsberechnungen hat „connect“ wie in der Vergangenheit mit Umlaut kooperiert. Definiert wurden der „Weniglader“ (etwa Fahrer eines E-Kleinwagens mit eigener Wallbox und nur zehn Prozent öffentlichem Laden), der „Normallader“ (Mittelklasse, 25 Prozent öffentliches Laden, gelegentlich auch an Autobahnen) und der „Viellader“ (Premium-Langstreckenauto, 50:50 privates und öffentliches Laden, viel HPC).

Gibt es bei Tarifen Einmalgebühren, wurden diese auf eine Nutzungsdauer von drei Jahren umgerechnet. Unterscheidet ein Ladeanbieter bei den Preisen zwischen unterschiedlichen Ladepunktbetreibern, wurden die Preise der zehn größten Anbieter berücksichtigt und gemäß der Marktanteile gewichtet. Beim Verbrauch wurde eine „durchschnittliche“ Fahrweise angenommen. Trotz dieser (für den Vergleich notwendigen) Vereinfachungen erhofft sich „connect“ eine bessere Vergleichbarkeit.

Dass das auch zu Verzerrungen führen kann, zeigt das Beispiel Ionity. „Einige der Autohersteller hinter dem Ionity-Netzwerk bieten Tarife mit gezielt reduzierten Preisen für Ladevorgänge an diesen Ladesäulen an, um speziell das Laden über Ionity attraktiver zu machen“, so die Zeitschrift. „Um einen Vergleich über alle relevanten Ladesäulenbetreiber zu ermöglichen, haben wir auch solche Tarife jedoch mit den standardisierten Nutzungsprofilen bewertet.“ Mit anderen Worten: Für einen Kunden, der anfangs 0,29/kWh bei Ionity zahlt und diese Ladestationen deshalb womöglich einer EnBW- oder Fastned-Station bevorzugt, kann in der Praxis auf abweichende Kosten kommen.

ZF

Nun aber zu den Ergebnissen selbst: In allen drei Ladeprofilen gewinnt Tesla und erhält als einziger Autohersteller die Bewertung „sehr gut“ – jeweils mit 898, 883 oder 865 von 1.000 möglichen Punkten. Auf Platz zwei folgt in allen Kategorien der BMW-Ladedienst im „Active“-Tarif mit „gut“. Gerade aber bei den „Wenigladern“ ist der Kostenunterschied groß: Bei Tesla würden in dem modellierten Szenario nur 45,79 Euro pro Jahr anfallen, bei BMW bereits 104,87 Euro. In den anderen Tarifen sinkt der prozentuale Unterschied zwar deutlich, Tesla bleibt aber mit 237,60 Euro („Normallader“) und 1.178,44 Euro bei den „Vielladern“ immer am günstigsten.

Insgesamt vier Mal vergibt „connect“ nur ein „mangelhaft“. Konkret ist das bei den „Wenigladern“ für die Tarife BMW Ionity Plus, Audi Transit und den Porsche Charging Service der Fall. Hier liegen die jährlichen Kosten laut „connect“ zwischen 260 und 272 Euro. Bei den „Normalladern“ erhält der Porsche-Dienst wieder ein „mangelhaft“ (mit 606,71 Euro pro Jahr), bei den „Vielladern“ ein „ausreichend“ mit 1.799,87 Euro. Der „City“-Tarif von Audi erhält in allen drei Kategorien ein „befriedigend“.

Reale Ladekosten können je nach Verhalten abweichen

Die schlechte Bewertung des Porsche Charging Service hängt vor allem mit den hohen Minuten-Zuschlägen zusammen, die der Autobauer zusätzlich zu den Kilowattstunden-Preisen erhebt. Für den Strom werden jeweils 0,39€/kWh berechnet, an AC-Ladern kommen noch 5 ct./min hinzu, an langsameren DC-Ladern 25 ct./min. Bei HPC unterscheidet Porsche noch zwischen „bis 150 kW“ mit 35 ct./min Aufschlag und „bis 350 kW“ mit 45 Cent pro Minute. Aber: Bei Ionity werden nur 0,33€/kWh ohne Zeit-Aufschlag berechnet. Wenn ein Taycan-Vielfahrer also ausschließlich Ionity-Ladepunkte nutzt, kann er in den ersten drei Jahren (ohne Grundgebühr, danach 14,92 Euro pro Monat) seinen Strom sogar günstiger beziehen als Testsieger Tesla mit 0,37€/kWh. Aber: Achtet der Taycan-Fahrer nicht auf den Betreiber, kann die Rechnung ungleich höher ausfallen.

Für andere Ladevorgänge kann auch der Taycan-Fahrer günstigere Ladedienste nutzen, etwa des lokalen Stadtwerks. Selbiges gilt für Tesla, da die angenehm einfache Tarifstruktur von 0,37€/kWh für alles nur im Tesla-Ladenetzwerk gilt.

Die Ladedienste von VW und Mercedes sowie der „Flex“-Tarif von BMW Charging wurden in dem Test aus „logistischen Gründen“ nicht berücksichtigt. Bei diesen Tarifen gelten je nach Ladepunktbetreiber unterschiedliche Preise. Die tatsächlichen Kosten lassen sich bei diesen Diensten in der App oder auf der Website erst einsehen, wenn dort ein entsprechendes Fahrzeug registriert und der Tarif gebucht ist. Ohne entsprechendes Fahrzeug konnten die Tester die Kosten für die drei Nutzerprofile nicht ermitteln.

Stadtwerke München günstiger als Tesla

Bei den Hersteller-unabhängigen Tarifen haben wie eingangs erwähnt die Stadtwerke München alle drei Kategorien gewonnen. Bei den „Wenigladern“ gab es insgesamt vier Mal „sehr gut“. Neben den SWM erhielten dieses das Maingau EinfachStromLaden, die EWE Go Mobility Card und der Standardtarif von EnBW – bei Maingau und EnBW sind die jüngsten Preiserhöhungen bereits eingerechnet, so „connect“. Die Kosten liegen hier zwischen 43,46 Euro pro Jahr bei den SWM und 66,56 Euro bei EnBW. Der teuerste untersuchte Tarif ist hier der Vielllader-Tarif von EnBW mit 126,96 Euro, der sich für die „Weniglader“ nicht lohnt.

Bei den „Normalladern“ – zugrunde gelegt wurden hier Fahrzeuge wie ein Hyundai Kona, Kia e-Niro oder Skoda Enyaq – mit höherer jährlicher Fahrleistung und anderem Lade-Verhalten liegen wieder die SWM vorne. Mit 236,79 Euro erhalten dieses Mal aber nur die Münchner ein „sehr gut“. Für Maingau, EWE Go und EnBW Standard gibt es hier ein „gut“. Schlusslicht ist in dieser Kategorie der neue Tarif von Plugsurfing – mit 364,87 Euro pro Jahr.

Die „Viellader“, die über 25.000 Kilometer pro Jahr mit einem Audi e-tron, BMW iX3, Mercedes EQC oder Porsche Taycan unterwegs sind, laden wiederum mit den Stadtwerken München am günstigsten: 1.070,42 Euro pro Jahr und damit sogar günstiger als im reinen Tesla-Tarif. Es folgen wiederum EWE Go, Maingau und EnBW mit einem „gut“ – im Falle von EnBW aber dieses Mal mit dem Vielllader-Tarif, nicht dem Standard-Tarif. Während der Viellader-Tarif 1.498,82 Euro pro Jahr kostet, sind es im Standard-Tarif ohne monatliche Grundgebühr, aber mit höheren kWh-Preisen 1.609,53 Euro. Schlusslichter sind hier NewMotion/Shell Recharge und Plugsurfing mit über 1.800 Euro.

Weitere Details sowie die genauen Definitionen der Ladeprofile finden Sie bei „connect“.
connect.de

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7 Kommentare zu “Tesla gewinnt Ladetarif-Vergleich

  1. notting

    Hab den Eindruck, dass die Grundgebühr für das Tesla-SC-Netzwerk nicht mit eingerechnet wurde, die man bei jedem Tesla mitbezahlt. Das war eine Zeit lang als 4stelliger Aufpreis im Konfigurator drin.
    Desweiteren kann man den Tesla-Tarif eben nur an recht wenigen Ladesäulen verwenden im Vergleich zu NewMotion, EnBW, Maingau & Co. Jmd. der wenig öffentl. lädt, wird gerade wenn es z. B. um den Fall geht, dass er temporär daheim aus irgendeinem Grund nicht laden kann, mit eher geringerer Wahrscheinlichkeit einen SC auf dem Weg haben.

    notting

    • Sebastian Schaal

      Laut deren Tabelle hat connect bei Tesla keine Grundgebühren berechnet, das ist korrekt.

      Viele Grüße
      Sebastian Schaal

    • naaa

      Für das das Supercharger Ladenetz verlangt Tesla keine Gebühr! Es steht auch ohne Premium-Konnektivität, jedem Tesla zur Verfügung!

      Auch ohne Premium-Konnektivität kann man navigieren.

      Mit Premium-Konnektivität für 9,90 pro Monat, bekommt man zusätzlich:
      – Live-Verkehrsvisualisierung
      – Karten mit Satellitenansicht
      – Videostreaming
      – Karaoke
      – Musik-Streaming
      – Internet-Browser

  2. naaa

    Das Ladenetz von Tesla ist aber auch im Gesamtpacket unschlagbar, nicht nur der Preis!
    Gerade die unfassbar einfache Möglichkeit zu laden, Stecker rein und das wars, die Verfügbarkeit und die im hohe Ladeleistung entpuppen sich immer mehr zu einem riesigen Vorteil, die für Tesla spricht.

  3. John

    Die Wahrscheinlichkeit dass ein Tesla SC funktioniert ist auch immer 100% wobei man sich auf EnBV, Maingau, Shell, Ionity gar nicht verlassen kann wenn man unterwegs ist. Auch müsste man berechnen dass destination charging bei Tesla umsonst ist. Die anzahl der Ladestationen ist auch mindestens gleich groß wie die der allen anderen Anbieter zusammen.

    • Bernhard

      Bitte auf dem Teppich bleiben und keine Schönfärberei betreiben.

      Zum einen habe ich persönlich noch nie erlebt, das ein HPC-Lader nach drei Jahren und 40.000 km Erfahrung nicht funktioniert.

      Zum Anderen ist das Destination Charging nur umsonst, wenn man bei dem entsprechenden Hotel oder Restaurant auch konsumiert. Einfach hinfahren und Strom schnorren ist nicht vorgesehen. Also bezahlt man indirekt schon für diesen Service. Dazu können sich diesen Luxus nur hochpreisige Gastronomiebetriebe leisten, was auch wieder auf den persönlichen Geldbeutel schlägt.

  4. Gerhard

    Schönfärberei wäre es zu behaupten das HPC lader von ENBW oder Ionity oder Maingau etc. immer funktionieren, ich selbst fahre seit 2019 eine Kona und bin in der Zeit 49.000 km gefahren, auch langstrecke, (mindestens 3 mal im Jahr Berlin -Düsseldorf sowie Urlaub, und habe schon vor einigen HPC-Ladern die nicht funktionierten gestanden. Es ist besser geworden aber noch lange nicht so wie es sollte. Dazu kommt der deutlich höher aufwand mit Ladekarten und Ladestationen suchen.
    Diese Probleme kennt mein Arbeitskollege mit seinem Tesla garnicht!

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2021/07/07/tesla-gewinnt-ladetarif-vergleich/
07.07.2021 13:44