Schwenkt Nio auf Rundzellen um?

Bild: Nio

Nio plant laut einem Agenturbericht den Bau einer ersten Batteriefabrik zur Herstellung großer Rundzellen. Diese soll auf eine jährliche Kapazität von 40 Gigawattstunden ausgelegt werden und neben dem Hauptproduktionszentrum von Nio in der Stadt Hefei in der ostchinesischen Provinz Anhui gebaut werden.

Das will Reuters von Insidern erfahren haben. Hintergrund der Überlegungen sei, mit der Produktion eigener Zellen die Abhängigkeit von seinem Haupt-Zell-Lieferanten CATL zu verringern. Die 75- und 100-kWh-Packs von Nio (also die beiden einzigen derzeit verfügbaren Batterie-Optionen) nutzen CATL-Zellen. Die Semi-Solid-State-Zellen für das geplante Pack mit 150 kWh will Nio von WeLion beziehen, doch derzeit ist diese Option noch nicht verfügbar.

Details zu den Zellen, die Nio offenbar selbst fertigen will, sind noch nicht bekannt. Laut Reuters soll es um „große zylindrische Zellen“ gehen, „die denen von Tesla ähnlich sind“. Bei den „großen“ Rundzellen von Tesla handelt es sich bekanntlich um das Format 4680, also Zellen mit 46 Millimetern Durchmesser und 80 Millimetern Länge.

Nio hatte im vergangenen Jahr angekündigt, 2024 mit der Produktion eigener 800-Volt-Batteriepacks zu beginnen und langfristig auch selbst in die Zellfertigung einsteigen zu wollen. Chinesischen Medien zufolge arbeitet Nio an Batteriezellen des Formats 4680 sowie kostengünstigeren Lithium-Mangan-Eisenphosphat-Zellen (LMFP) und plant, diese für E-Autos der Marke Nio sowie für die neue Marke mit dem Codenamen ALPS in Serie zu fertigen.

Wie kürzlich durchsickerte, sollen auch die ALPS-Stromer in Hefei gefertigt werden. Zusätzlich plant Nio ein weiteres Fahrzeugwerk für die neue Submarke mit dem Codenamen Firefly im benachbarten Chuzhou. Ob auch die Firefly-Stromer, die wohl vor allem nach Europa exportiert werden sollen, diese Nio-eigenen Rundzellen nutzen sollen, ist nicht bekannt.

Offen ist, welche Anteile des eigenen Batteriebedarfs Nio über die hauseigene Zellproduktion und die Lieferungen von WeLion abdecken kann – und womöglich abdecken will. Denn Nio gehört laut Medienberichten zu einer kleinen Gruppe von chinesischen Autobauern, denen CATL einen Rabatt bei den Materialkosten angeboten hat. Diesen Nachlass soll es aber nur unter der Bedingung geben, dass der Autobauer mindestens 80 Prozent seiner Batteriezellen von CATL bezieht.

Nio wäre der nächste Elektroautobauer, der auf große Rundzellen umsteigt. Als erster Hersteller setzte bekanntlich Tesla auf solche Zellen und kündigte Ende Januar eine Produktionsstätte hierfür mit einer Kapazität von 100 Gigawattstunden pro Jahr in Nevada an – es handelt sich um einen Ausbau der bekannten Gigafactory 1, inzwischen Giga Nevada genannt. Auch BMW hat für die E-Autos der Neuen Klasse den Umstieg auf große Rundzellen bestätigt, ebenfalls mit 46 Millimetern Durchmesser, aber anderen Höhen als Tesla. Und angeblich will auch General Motors in künftigen Elektromodellen von Pouch- auf Rundzellen wechseln.
reuters.com

1 Kommentar

zu „Schwenkt Nio auf Rundzellen um?“
Sebastian Krebs
24.02.2023 um 19:57
Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass Tesla die Fertigung der 4680er Rundzellen in folgenden Fabriken und mit den folgenden jährlichen Produktionskapazitäten aufgebaut bzw. angekündigt hat:Pilotfertigung Fremont, CA 10 GWh (2020 angekündigt, seit 2021 im Produktionshochlauf)Serienfertigung GF5, Austin, TX, 50 GWh (2021 angekündigt, seit 2022 im Produktionshochlauf)Serienfertigung GF4, Grünheide, Brandenburg, 50 GWh (2021 angekündigt, Produktionshochlauf der Elektrodenfertigung > werden in die USA verschifftSerienfertigung GF1, Sparks, NV, 100 GWh (2023 angekündigt, Produktionshochlauf ab Ende 2024 erwartet)Insgesamt plant Tesla ab Mitte der Dekade jährlich mindestens 160 GWh 4680er Rundzellen selbst zu fertigen, dass ist mehr als jeder anderer Fahrzeughersteller bisher.

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