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Bild: Wiener Linien/Simon Wöhrer

Erste H2-Busse: Wiener Linien geben ihr Wasserstoff-Debüt

Die Wiener Linien fahren mehrgleisig: Neben Batterie-betriebenen Bussen haben sie Elektrobusse mit Wasserstoff-Range-Extender und jetzt auch zehn reine Brennstoffzellen-Fahrzeuge integriert. Wir fassen zusammen, warum der österreichische Betreiber im Wasserstoff eine sinnvolle Ergänzung sieht.

Diese Wochen haben die Wiener Linien die erste Buslinie komplett auf Wasserstoff-Betrieb umgestellt. Seit dem 1. Dezember sind zehn neue H2-Solobusse des portugiesischen Herstellers CaetanoBus auf der Linie 39A im Einsatz. Die Route verläuft vom Bahnhof Heiligenstadt nach Sievering und zurück. Angesichts ihrer vielen Steigungen, kurzen Haltestellen-Abständen und hohem Fahrgast-Aufkommen ist die Strecke eine der anspruchsvollsten der Stadt. Mit Batterie-elektrischen Bussen wäre sie nur schwer zu elektrifizieren. Durch den Einsatz der Wasserstoffbusse avanciere die 39A nun zur zwölften Linie in und um Wien, auf der ausschließlich lokal emissionsfreie Fahrzeuge verkehren, frohlockt der Betreiber.

Bei den zwölf Meter langen H2-Bussen des Typs H2.City Gold von CaetanoBus handelt es sich um die ersten rein mit Wasserstoff betriebenen Fahrzeuge im Fuhrpark der Wiener Linien. Zwar fahren seit diesem Sommer auch zehn Batterie-elektrische Busse mit Wasserstoff-Range-Extender vom italienischen Hersteller Rampini in der Innenstadt, doch ihre Energie beziehen diese acht Meter kurzen Midibusse vorwiegend aus der Batterie. Ihr Einsatzort sind die Zentrums-Linien 2A und 3A, geladen bzw. betankt werden sie in Simmering. Mit rein Batterie-betriebenen Bussen – allen voran dem Mercedes eCitaro – werden in Wien darüber hinaus die Linien 17A, 61A, 61B, 64A, 64B, 70A, 71A, 71B und 73B bedient. Außerdem bald auch die 57A. Sprich: der Großteil der E-Linien.

Kurzer Rückblick: Die Wiener Linien betrachten sich als Vorreiter in Sachen E-Mobilität. Schon 2017 bestellten sie bei Rampini die ersten sieben E-Busse (die diesen Sommer ausgemustert und durch die neuen Rampinis mit Wasserstoff-Range-Extender ersetzt wurden). Heute sind rund 70 E-Busse im Betrieb, die allesamt mit Ökostrom oder grünem Wasserstoff betrieben werden. Und bis Ende des Jahres soll bereits rund ein Fünftel der gesamten Busflotte von etwa 400 Bussen emissionsfrei fahren. Als Tochter der Wiener Stadtwerke GmbH betreiben die Wiener Linien das gesamte Netz von U-Bahn, Autobus und Straßenbahn in der österreichischen Hauptstadt. Täglich werde dieses ÖPNV-Netz von rund 2,4 Millionen Fahrgästen genutzt, heißt es. Die insgesamt 135 Buslinien kommen dabei auf eine Linienlänge von rund 892 Kilometern und 4.469 Haltestellen.

Die Entscheidung, bei der Dekarbonisierung des Busnetzes zweigleisig zu fahren und auch die Wasserstoff-Technologie einzubeziehen, ist bei den Wiener Linien schon vor vier, fünf Jahren gefallen. Nach umfangreichen Tests orderte das Unternehmen 2022 zehn Einheiten – zunächst bei Solaris. Das Ziel: Die H2-Flotte Ende 2024 zu integrieren und an einer Stadtwerke-eigenen Wasserstoff-Tankstelle am Betriebshof Leopoldau zu betanken. Letzteres hat Bestand, doch 2023 platzte der Deal mit Solaris. Laut Medienberichten, weil ein geleaster Demobus bei den durchgeführten Testfahrten offenbar nicht zufriedenstellend performte. Der Auftrag ging anschließend an CaetanoBus, der Zeitplan war allerdings nicht mehr zu halten, sodass die Wasserstoffbusse nun im Endeffekt ein Jahr später starten als ursprünglich geplant. Immerhin: Der Kauf der Wasserstoffbusse wurde aus EU-Mitteln über das EBIN-Programm des österreichischen Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur gefördert. Das half, um die Gesamtprojektkosten von rund 10,4 Millionen Euro abzufedern.

Von außen sind die H2-Busse ihren Diesel-Pendants sehr ähnlich. Unter dem Blech beherbergen die in Portugal hergestellten H2.City Gold jedoch einen 180 kW starken Elektromotor von Siemens in Kombination mit einer Toyota-Brennstoffzelle mit 70 kW Leistung. Ebenfalls an Bord: Fünf Tanks auf dem Dach mit je 7,5 kg Kapazität (Gesamtkapazität: 37,5 kg), die die Brennstoffzelle mit Wasserstoff versorgen. Die Reichweite wird mit „mindestens 400 Kilometern“ angegeben. Auch in Deutschland setzen ÖPNV-Betreiber vereinzelt auf dieses Modell, etwa in Hamm oder Rendsburg-Eckernförde. Dass die Busse dabei allesamt ein Toyota-Logo tragen, hängt übrigens mit einer Co-Branding-Vereinbarung zwischen CaetanoBus und dem japanischen OEM zusammen.

Im Fall von Wien sind die Fahrzeuge des portugiesischen Herstellers mit drei Doppelflügeltüren, 33 Sitz- und 45 Stehplätzen ausgestattet. Hinzu kommt ein Rollstuhl- bzw. Kinderwagenplatz. Laut den Wiener Linien sind die CaetanoBus-Fahrzeuge „viel leichter als gleich große Elektrobusse und damit für hügeliges Gelände bestens geeignet“. Mit ihrer Reichweite von 400 Kilometern könnten sie den ganzen Tag lang ohne Nachtanken unterwegs sein und anschließend sogar noch im Nachtbetrieb eingesetzt werden.

Der Wasserstoff für die Busse der Wiener Linien wird unterdessen ebenfalls von einer Stadtwerke-Tochter hergestellt: Wien Energie produziert den Kraftstoff am Smart Campus der Wiener Netze in Simmering. Die dortige Elektrolyseanlage wurde im Frühjahr 2024 in Betrieb genommen und erzeugt mit einer Leistung von drei Megawatt täglich bis zu 1.300 Kilogramm grünen Wasserstoff aus Ökostrom. Diese Menge soll ausreichen, um täglich etwa 60 Busse oder Lkw zu betanken. Die Investition in die Anlage beziffern die Initiatoren auf rund 10 Millionen Euro. Der in Simmering hergestellte Wasserstoff wird dann an einer Tankstelle direkt am Smart Campus oder an einer zweiten Tankstelle am Betriebshof Leopoldau (21. Bezirk) vertankt. Beide bieten sowohl 350 als auch 700 bar.

„Nach den Batterie-Wasserstoffbussen in der Innenstadt starten jetzt im Dezember die ‚großen Brüder‘ auf der Linie 39A“, freut sich Gudrun Senk,
Technische Geschäftsführerin der Wiener Linien. „Damit beweisen die Wiener Linien erneut ihre Vorreiterrolle beim Klimaschutz. Dank der innovativen Wasserstoff-Technologie können wir rund um die Uhr unterwegs sein. Unsere Lenker*innen haben in den vergangenen Wochen die Busse bereits unter realen Bedingungen intensiv getestet.“

Apropos Tests: Die Wiener Linien sind weiter offen für neue Hersteller von H2-Bussen. Bereits im Frühjahr dieses Jahres flotteten sie einen Wasserstoff-Niederflurbus mit 700-bar-Technik von Hyundai ein. Das 12,2 Meter lange Fahrzeug wurde in enger Kooperation mit dem slowenischem Bushersteller TAM entwickelt und steht den Wiener Linien „exklusiv für drei Jahre als Testbus zur Verfügung“, wie der Betreiber schreibt.

An Bord hat der Hyundai-Bus eine Brennstoffzelle mit 90 kW und einen E-Zentralantrieb mit 180 kW. Das Tankvolumen des Fahrzeugs beläuft sich auf 35,15 Kilogramm. Betankt wird das Fahrzeug ebenfalls in der Busgarage Leopoldau. „Die 700-bar-Wasserstofftechnologie des Busses ist einzigartig in Europa“, betonen die Wiener Linien. „Alle anderen Bus-Hersteller setzen auf 350-bar-Wasserstoffantriebe. Durch die 700-bar-Betankung wird mehr Wasserstoff bei höherem Druck gespeichert. Das ermöglicht eine höhere Reichweite, die sogar jene von Dieselbussen übertrifft.“ Während des dreijährigen Testbetriebs ist die Mitfahrt für die bis zu 79 Fahrgäste (27 Sitzplätze, 52 Stehplätze, 1 Rollstuhlplatz) kostenlos. Der neue Testbus sei ein wichtiger Bestandteil der eigenen Strategie, weitere Erfahrung bei der Umstellung zur Wasserstofftechnologie zu sammeln.

Bereits Anfang März 2025 hatten die Wiener Linien on top einen H2-Bus der Münchner Firma Arthur Bus über mehrere Wochen erprobt – allen voran auf der Linie 39A. In diesem zwölf Meter langen Bus erzeugt eine Brennstoffzelle mit 70kW Leistung die nötige elektrische Energie für den 250 kW Elektromotor. Von solchen Tests (auch mit neuen Batterie-Bussen) erhoffen sich die Wiener Linien einen wachsenden Erfahrungsschatz und eine breite Informationsbasis für zukünftigen Kaufentscheidungen. Ziel der Hauptstädter ist es, Vorreiter bei der Dekarbonisierung des öffentlichen Verkehrs zu bleiben: „Schon jetzt sind mehr als 80 Prozent unserer Fahrgäste klimafreundlich mit U-Bahn, Straßenbahn und 70 elektrisch angetriebenen Bussen unterwegs“, betonen die Verantwortlichen. Darauf wollen die Wiener Linien weiter aufbauen – ob eher mit neuen Batterie- oder Brennstoffzellen-Bussen werden die nächsten Bestellungen zeigen.

wienerlinien.at

17 Kommentare

zu „Erste H2-Busse: Wiener Linien geben ihr Wasserstoff-Debüt“
sig
04.12.2025 um 14:57
Warum wurden die ersten Busse schon ausgemustert?
Egon Kohler
04.12.2025 um 17:07
Nach 8 Jahren im Dauer-Linienbetrieb ist so ein Bus ziemlich am Ende seiner Lebensdauer. Der macht in dieser Zeit locker das fünf- bis zehnfache an Betriebsstunden was z.B. ein privat genutzter PkW machen würde.
Tobias
04.12.2025 um 21:25
Aber wenn die H2 Busse mit 400km über den ganzen Tag kommen, warum dann nicht gleich nen reinen Batteriebus? Ohne Förderung währe der H2 Bus doch nicht mal Ansatzweise wirtschaftlich.
Simon Schützer
05.12.2025 um 03:47
Wo H2-Lobbying die Debatte verzerrt, bleibt ökonomische Vernunft auf der Strecke. Ebenso die effiziente Verwendung von Steuergeld. Oder anders: Mehr Lobby, weniger Logik.
P.Albert
05.12.2025 um 05:07
Wenn, wie beschrieben, der Elekrlolyseur 1300kg Wasserstoff (entspricht 33x1,3 =42,9 MWh) produziert, braucht er, wenn ich das richtig deute, 72MWh elekrischer Energie. Das ist jetzt auch nicht so doll. Beim Betanken auf 700bar gehen auch nochmals 10% verlustig. Das ist kein Wirkungsgradwunder, wird aber wohl dank EI-Förderung gemacht.
Der Statistiker
05.12.2025 um 08:28
Nachdem es für PKW bereits seit langem klar ist, das die H2 Technologie keinen Sinn macht - aus vielen Gründen - wird es nun auch für den LKW Bereich immer klarer.Warum die Wiener hier immer noch glauben alles besser zu verstehen als andere Betreiber, kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Mittlerweile sollte es auch bis zu den letzten Winkeln vorgedrungen sein, dass der Batteriebus der TOC günstigste und auch effizienteste ist. Wie man auf der letzten Messe gesehen hat, gibt es bereits einige Reisebusse mit Batterietechnik. Diese max. 300-400km für einen Stadtbus pro Tag ist reichweitentechnisch gesehen für einen Bat-Bus ein Klax...
Peter S.
16.12.2025 um 17:09
Für mich ergeben H2-PKW absolut einen Sinn: Ich fahre durchaus 1200 km am Stück und würde bei Batterie-Fahrzeugen Stunden an Ladezeit verlieren. Da müsste ich ja noch irgendwo übernachten!
Stefan
16.12.2025 um 19:02
Welcher Wasserstoff-PKW schafft denn 1200 km ohne Nachtanken? Wie groß sind dann die H2-Tanks? Das klingt eher nach Werten eines Diesels. Damit ein Wasserstoff-PKW 1200 km schafft, braucht es deutlich größere Tanks als beim Diesel-PKW. Wenn man öfter 1200 km an einem Tag fährt, wählt man sinnvollerweise ein E-Auto, dass für die Strecke in Summe maximal 2 h Ladezeit hat, verteilt auf ca. 4-5 Ladestopps.
Jens Wilke
05.12.2025 um 09:19
Es wird einleitend diese Statement gesetzt: " Mit Batterie-elektrischen Bussen wäre sie nur schwer zu elektrifizieren." Dann wird aber nie wieder darauf eingegangen. Es wäre toll, wenn es hierzu eine Erläuterung geben wird. Ist es die Reichweite? (Vermutlich nein) Sind es die Kosten? (definitiv nicht) Ist es die Ladedauer? Sind es die Förderungen? Oder die bereits getätigten Investitionen in Elektrolyseur und H2-Tankstellen? Das wäre interessant, anstatt die Pressemeldung zusammen zu fassen.
Peter Hackl
08.12.2025 um 08:54
Als Wiener frage ich mich ja auch, was die Verantwortlichen reitet. Ich fürchte fast, eine vor vielen Jahren getroffene Entscheidung für H2 wird nicht weiter hinterfragt sondern man ist richtig stolz darauf, wie fortschrittlich man doch ist.Bei der einen Busslinie geht es darum, dass man am Berg rauffahren muss und das wäre elektrisch nicht gut möglich gewesen. Mag sein, dass das vor 5, 6 Jahren so war. Heute klingt dies richtig lächerlich, wenn man sich 40to-LKW ansieht, die über den Brenner fahren.Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis die H2-Busse stillschweigend wieder außer Betrieb genommen werden.
Alois Ganglberger
06.12.2025 um 17:38
Mit welcher Hochvoltspannung werden die neuen Elektrobusse, bzw. die neuen Busse mit Brennstofftechnologie betrieben?
Johannis
07.12.2025 um 05:29
Es muss eine alternative zu e geben.....e hat auf dauer keine Zukunft.
Christoph
07.12.2025 um 16:53
Allein der Uhrzeit wegen, kann es nur ein Troll sein ;)
FSM
07.12.2025 um 14:35
@Johannis: Welche Eigenschaft sollte eine Alternative zu "e" haben? Welche Ziele sollen mit dieser Alternative erfüllt werden?
Robert
08.12.2025 um 07:47
@FSM ich denke gar keine Hauptsache keines der verhassten "E-Schrott Fahrzeuge" nur meine persönliche Meinung P.S. ich fahre sehr gerne elektrisch und möchte nicht mehr in die Verbrenner Steinzeit zurück
Peter Kass
09.12.2025 um 22:09
Leider ist in dem Artikel keine schlüssige Erklärung zu finden, warum sich die Linie 39A nicht mit batterieelektrischen Bussen betreiben lässt. Nun gut, die angekündigten 700bar-Busse haben dann eine noch größere Reichweite als die derzeitige mit 400km, aber wenn die 400 km jetzt reichen, warum dann nicht mit einem BEV - Niederflurbus z.B. von BYD, die schaffen sogar 600 km. EIn schlüssiges Argument wäre vielleicht, dass der Bus rund um die Uhr fahren muss, und die Ladezeiten für BEVs zu lange sind (als für FCEV/H2). Davon steht aber leider nichts im Artikel. Meine Vorhersage: in spätestens 5-7 Jahren, wenn die jetzt angeschafften FCEV-Busse ausgedient haben, ist mit dem Wasserstoff-Projekt Schluss. Vielleicht schon früher. Mit der Ersparnis bei Anschaffung und Betriebskosten kann man sich locker 2 BEV-Busse statt eines FCEV-Busses leisten, und steht finanziell noch immer deutlich besser da. Strategien, die nur mit Dauer-Subventionen tragfähig sind, sind ein volkswirtschaftlicher Schuss ins Knie.
Der Statistiker
10.12.2025 um 08:23
Also erstens denke ich, dass es auch mit 400km Reichweite funktionieren würde. Aber was wir gar nicht machen dürfen ist, unsere eigene Wirtschaft systematisch in den Abgrund zu führen. Was ich damit meine? Na die vorgeschlagenen BYD Busse! Wenn wir nun beginnen sogar im öffentlichen Verkehr chinesische Ware einzusetzen, nur weil's a bissl billiger ist, dann produzieren wir damit nur Wertschöpfungsverlust und Abhängigkeit. Und das hat nichts mit China-bashing zu tun, sondern mit unfairen Wettbewerb und meiner Meinung nach auch mit schlechter Klimapolitik.

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