LG Energy Solution kauft Stellantis-Anteil an NextStar Energy
LG Energy Solution (LGES) sortiert seine Aktivitäten in Nordamerika neu. Dazu gehört nun auch die vollständige Übernahme von NextStar Energy. Stellantis zieht sich dagegen aus dem Batterie-Großprojekt zurück. Dieser Schritt hatte sich bereits angedeutet. So wurde im November publik, dass in der bis dato gemeinsamen Batteriefabrik im kanadischen Windsor zwar die Serienproduktion von Batteriezellen unmittelbar bevorsteht – zunächst aber nicht für Elektroautos, sondern für stationäre Speicher (ESS). Ein Feld, das Stellantis bekanntlich nicht bedient.
Warum die Transaktion zum jetzigen Zeitpunkt angestoßen wird, äußern die Partner nur indirekt. Die Rede ist davon, dass unter alleinigem Besitz von LGES ein breiterer Kundenstamm, einschließlich der Speichersystembranche, „besser bedient“ werden könne und dass man auch „flexibler auf Marktbedingungen und Nachfrage reagieren kann, um zukünftige Wachstumschancen zu nutzen“. Heißt im Umkehrschluss: Die ungünstigen Rahmenbedingungen für Elektroautos in den USA dürften mit Blick auf die ursprünglichen Pläne einer E-Auto-Batterieproduktion nicht mehr für einen wirtschaftlichen Betrieb des Werks sorgen.
Modulproduktion läuft schon länger
Blicken wir kurz zurück: NextStar Energy wurde 2022 als Joint Venture der beiden Unternehmen gegründet, um Kanadas erste Großserien-Batteriefabrik in Windsor in der Provinz Ontario zu errichten. Schon seit 2024 sind Teile der Anlage in Betrieb, um dort Batteriemodule mit zugelieferten Zellen herzustellen. Der Beginn der Zellproduktion war stets für 2025 angekündigt worden. Die wichtige Nutzungsgenehmigung für die Zellfabrik hatte das Joint Venture Ende September 2025 auch erhalten – das ist einer der letzten wichtigen Schritte vor der geplanten Inbetriebnahme.
Inzwischen soll die Zellproduktion angelaufen sein – wenn eben nicht für E-Auto-Batterien, sondern für stationäre Speicher. Dass es überhaupt noch zum Start der Zellproduktion in Windsor kommt, war unterdessen nicht immer klar. Wir erinnern uns: Ganz glatt lief der Bau der kanadischen Fabrik nicht ab. NextStar Energy unterbrach die Arbeiten an der Produktionsstätte Mitte Mai 2023. Hintergrund war, dass die kanadische Bundesregierung und die Provinzregierung von Ontario die doppelt so große VW-Batteriefabrik in St. Thomas mit bis zu 13,7 Milliarden CAD förderten.
Stellantis und sein Batteriepartner LGES hatten die Windsor-Fabrik jedoch im März 2022 angekündigt, also bevor der Inflation Reduction Act in den USA mit seinen Förderungen in Kraft trat. Das wollte das Duo nicht auf sich sitzen lassen – und verlangte Nachbesserungen bei der öffentlichen Förderung. Beide Seiten einigten sich in der Folge, sodass Stellantis und LG Energy Solution die zwischenzeitlich unterbrochenen Bauarbeiten Anfang Juli 2023 wieder aufnahmen.
2.500 Jobs sollen entstehen
Bis heute haben die Joint-Venture-Partner nach eigenen Angaben mehr als 5 Milliarden CAD (rund 3,1 Milliarden Euro) in die Anlage investiert. In dem Werk sind gegenwärtig über 1.300 Menschen beschäftigt und NextStar hat sich dazu verpflichtet, weitere 1.200 Mitarbeiter einzustellen, sobald die volle Produktionskapazität erreicht ist. Ausgelegt wird die Fabrik auf eine jährliche Produktionskapazität von 49,5 GWh. Ob und wann dieser Wert erreicht wird, ist angesichts der aktuellen Aufkaufpläne allerdings offen.
Wichtig zu betonen ist LGES und Stellantis, dass der Eigentümerwechsel „eine einvernehmliche, strategische Entscheidung der beiden Anteilseigner“ darstellt. Der Beschluss sei nach intensiven Gesprächen mit der Führungsriege von NextStar Energy gefallen, „die langfristigen Wachstums- und Investitionsaussichten des Unternehmens zu stärken“. Stellantis betont dabei, Kunde zu bleiben und weiterhin Batterieprodukte von NextStar Energy zu beziehen.
„LG Energy Solution sieht Wachstumschancen in Nordamerika“, bekräftigt David Kim, Chief Executive Officer von LG Energy Solution. „Durch die vollständige Übernahme von NextStar Energy können wir schnell auf die wachsende Nachfrage aus dem ESS-Markt reagieren und uns durch die Gewinnung weiterer Kunden in Nordamerika eine Schlüsselrolle in der kanadischen Elektrofahrzeugindustrie sichern.“
Filosa: „Langfristige Rentabilität stärken“
Stellantis-CEO Antonio Filosa kommentiert: „Indem wir LG Energy Solution in die Lage versetzen, die Kapazitäten des Werks in Windsor voll auszuschöpfen, stärken wir dessen langfristige Rentabilität und sichern gleichzeitig die Batterieversorgung für unsere Elektrofahrzeuge. Dies ist ein kluger, strategischer Schritt, der unsere Kunden, unsere kanadischen Aktivitäten und unsere globale Elektrifizierungsstrategie unterstützt.“
Auch Danies Lee, CEO von NextStar Energy, kommt zu Wort: „Diese neue Eigentümerstruktur stärkt Kanadas Position als führender Standort für die Batterieherstellung. Sie bietet langfristige Sicherheit für weitere Investitionen in unsere kanadischen Mitarbeiter und unsere Produktionskapazitäten und bringt gleichzeitig nachhaltige wirtschaftliche Vorteile für Kanada und Ontario.“
LGES will unabhängiger von Autoindustrie werden
Für LG Energy Solution wird das Werk in Windsor nach Abschluss der vollständigen Übernahme das vierte eigenständige Werk sein. Drei Fabriken betreibt der Konzern bekanntlich bereits in Holland, Lansing (beide Michigan) sowie in Queen Creek (Arizona). Hinzukommen vier Joint-Venture-Werke in der nordamerikanischen Region. Dass LGES im Gegensatz zu Stellantis weiter in die Batteriezellproduktion in Nordamerika investieren will, liegt vor allem an einem Strategieschwenk, den die Koreaner 2024 vollzogen haben. Damals kündigte LG Energy Solution an, sein Geschäft stärker zu diversifizieren und seine Abhängigkeit vom Automobilsektor insgesamt zu reduzieren. Dieses Ziel fixierte das Unternehmen damals in einer neuen Strategie namens „Empower Every Possibility“ – der ersten seit seiner Gründung Ende 2020. Ein Puzzleteil dürfte dabei auch der jüngste Verkauf eines US-Werksgebäudes an Honda gewesen sein.
All das macht deutlich, dass LGES seine Produktionskapazitäten zwischen Elektrofahrzeugen und Energiespeichersystemen neu sortiert, „um neue Investitionen zu minimieren und gleichzeitig die Auslastung der bestehenden Produktionslinien weltweit zu maximieren“, wie es heißt. Die weltweite ESS-Produktionskapazität soll in diesem Zuge 2026 auf über 60 GWh steigen, wobei mehr als 50 GWh dieser Kapazität auf Nordamerika konzentriert sein sollen.
news.lgensol.com, stellantis.com





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