MG Motor will Semi-Festkörperbatterie ab Jahresende in Europa einsetzen
Das neue Engineering Centre in Frankfurt soll die MG-Strategie „In Europe, for Europe“ unterstützen, wie das Unternehmen mitteilt. Eigentlich kennt man diesen Ansatz genau andersherum: Europäische Unternehmen betonen ihre „In China, for China“-Strategie, während chinesische Unternehmen versuchen, ihre in China entwickelten Kern-Technologien nach Europa zu bringen. Zwar haben mehrere chinesische Hersteller Entwicklungszentren in Europa (oft auch in Deutschland), dabei geht es aber meist um die Lokalisierung, Fahrwerksentwicklung oder die Zusammenarbeit mit europäischen Zulieferern – die wichtigen Komponenten wie Batterie und Antrieb werden aber meist in China entwickelt.
MG als ursprünglich britische Marke, die inzwischen zum chinesischen SAIC-Konzern gehört, hat bereits eine europäische Basis mit Engineering-Teams in Longbridge (UK) sowie dem Designzentrum in London. Der neue Standort in Deutschland soll „eine zentrale Rolle bei der Entwicklung zukünftiger Modelle spielen, die speziell auf die Anforderungen europäischer Kundinnen und Kunden zugeschnitten sind – von klimatischen Bedingungen über Straßenverhältnisse bis hin zu individuellen Mobilitätsbedürfnissen“, so das Unternehmen.
Rund um die Eröffnung des Frankfurter Entwicklungszentrums hat MG auch direkt eine Technologie vorgestellt, die „speziell für den europäischen Markt entwickelt“ wurde und dabei auch „regionale Anforderungen hinsichtlich Klima, Infrastruktur und regulatorischer Rahmenbedingungen“ berücksichtigen soll. Die Rede ist von der „SolidCore“-Batterie, einer neuen Batteriezellen mit halbfestem Elektrolyt.
„Bedeutender Technologiesprung“ bei Semi-Solid-Zellen
Die „SolidCore“ „nutzt“ Festkörper-Elektrolyte, die laut MG innerhalb der Zellen eine schützende Struktur bilden sollen. „Nutzt“ heißt hier, dass solche Festkörper-Elektrolyte für diese schützende Struktur beigemischt werden, aber weiterhin auch flüssige Elektrolyt-Bestandteile eingesetzt werden – es ist also keine „All-Solid-State“-Batterie, sondern MG spricht selbst von einer „Semi-Solid-State“-Technologie.
Die Anode ist laut einer Infografik konventionell aufgebaut, die Aktivmaterialen (vermutlich überwiegend Graphit) werden auf eine Trägerfolie aus Kupfer aufgetragen. Hinter der Separatorfolie wird es aber interessant: Auf die Kathoden-Trägerfolie aus Aluminium wird eine Mangan-basierte „Semi-Solid Cathode“ aufgebracht, die dann wiederum von dem „Semi-Solid Electrolyte Shield“ geschützt wird.
Mit diesem Aufbau will MG einen „bedeutenden Technologiesprung“ erreichen. Es soll sich nicht nur um die erste serienmäßig produzierte Semi-Festkörperbatterie weltweit handeln, sondern auch eine besonders sichere und haltbare Batterie – mit Zahlen unterfüttert werden diese Behauptungen aber nicht. Das gilt auch für die angeblich höhere Reichweite und die schnelleren Ladezeiten. Bei letztgenanntem Punkt hebt MG Motor aber die Leistungsfähigkeit bei niedrigen Temperaturen hervor: „Das Fahrzeug ist ohne Vorheizen sofort startbereit und bietet auch unter winterlichen Bedingungen eine stabile Performance“, teilt das Unternehmen mit.
In wiefern sich die jetzt vorgestellte, „speziell für den europäischen Markt entwickelte“ Halbfest-Batterie von jener Semi-Solid-State-Batterie unterscheidet, die der Autobauer bereits seit Dezember im neuen MG4 in China ausliefert, ist nicht genau bekannt. Dort kommen Zellen des Startups QingTao Energy zum Einsatz, in das MG-Mutter SAIC bereits vor Jahren investiert hatte. Die dortige Festkörperbatterie auf Manganbasis enthält fünf Prozent weniger flüssige Elektrolyte als herkömmliche Lithiumbatterien. Der Energiegehalt der Batterie liegt bei 53,95 kWh, mit einer 2C-Schnellladung kann der Akku in 21 Minuten von 30 auf 80 Prozent geladen werden.
Neben der Batterie-Entwicklung treibt MG übrigens auch seine Hybridtechnologie voran – für Vollhybride. Die „Hybrid+“-Technologie umfasst eine 1,83 kWh große Batterie, ein neuartiges Drei-Gang-Hybridgetriebe, eine voll integrierte „Hybrid Control Unit“ mit „Echtzeit-Terrain-Erkennung“ und eine intelligente Steuerung mit bis zu acht Fahrmodi.





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