
E-Bus-Radar 2026: Deutschland zählt über 600 Wasserstoffbusse
Die Zahlen für neue E-Busse in Deutschland sind steil nach oben gesprungen. Das wissen wir, seit vor einigen Wochen die Jahresstatistik des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) herauskam. Je nach Zählart sind es 1.458 neu zugelassene E-Busse beim KBA bzw. 1.397 Einheiten in der Statistik von Pricewaterhouse Coopers (PwC). Gleich mehr zu den Details, warum sich die Zahlen unterscheiden. Klar ist: Zu 2024 bedeuten die Neuzulassungen grob eine Verdopplung bei den Elektro-Neuzulassungen. Das E-Bus-Radar von PwC liefert dazu ergänzend nun viele interessante Einblicke zur Verteilung von Batterie- und Brennstoffzellen-betriebenen Stadtbussen in den deutschen Bundesländern und Städten – flankiert von Detail-Statistiken zu Marken, Kosten und geplanten Anschaffungen.
Der Untertitel des inzwischen achten E-Bus-Radars von PwC lautet: „Der E-Bus setzt sich durch – trotz schwieriger Rahmenbedingungen“. Beim siebten Radar vor einem Jahr warnte die Beratungsfirma noch: “Der E-Bus-Markt am Scheideweg?“ Beim sechsten E-Bus-Radar vor drei Jahren proklamierte sie: „Das Jahrzehnt des E-Busses nimmt Fahrt auf!“. Dazwischen ist viel passiert.
Doch vor dem inhaltlichen Einstieg kurz zur Definition: Die aktuelle Analyse betrachtet Busse mit mehr als acht Fahrgastplätzen (Fahrzeugklasse M3), vollelektrischen Antrieben (BEV und FCEV) und externer Energiezufuhr, die im Sinne der „Clean Vehicles Directive“ der EU als „sauber“ oder „emissionsfrei“ gelten. Sprich: Es geht allein um elektrische Stadtbusse (M3, Klasse I). Erfasst worden sind zudem nur „der tatsächliche Betriebseinsatz im ÖPNV, nicht nur die alleinige Fahrzeugzulassung“. Damit ist die Definition enger gefasst als die des KBA, woraus sich die oben genannte Differenz bei den erfassten Neuzulassungen ergibt. Als Datenstand wird von PwC der 31. Dezember 2025 angegeben.
Gut 4.000 BEV-Busse im Bestand
So viel zur Vorrede, schauen wir uns die Inhalte an: PwC zufolge kamen 2025 genau 1.397 E-Stadtbusse gemäß obiger Definition hinzu. Das sind 79 Prozent mehr als 2024 und 2023 (780 bzw. 785 Einheiten) und erstmals mehr als 1.000 Stück. Inklusive dieser Neuzulassungen waren in Deutschland zum Jahreswechsel 4.752 Busse mit emissionsfreien Antrieben unterwegs, darunter mit 4.034 Einheiten zum Großteil BEV-Busse (Batterie-elektrisch), zu 13 Prozent aber auch Brennstoffzellenbusse (628 Stück) und zu knapp zwei Prozent Oberleitungsbusse (90 Stück). Letztere 90 Einheiten führte PwC schon in der letztjährigen Statistik auf. Weitere O-Busse sind binnen der vergangenen zwölf Monate also nicht hinzugekommen.





Bei den anderen beiden Antriebsarten gab es aber durchaus Bewegung: BEV-Busse legten im Bestand von 2.946 auf 4.034 Einheiten zu – das sind +37 Prozent. Brennstoffzellen-Busse (FCEVs) sprangen von 339 auf 628 Einheiten: +85 Prozent. Damit verzeichneten FCEVs den prozentual stärksten Zuwachs
unter den emissionsfreien Antrieben. „Ein Großteil der neu in Betrieb genommenen Fahrzeuge geht dabei auf Investitionsentscheidungen zurück, die bereits vor ein bis zwei Jahren getroffen wurden“, kommentieren die Analysten.
Parallel dazu sei an einzelnen Standorten ein Strategiewechsel zu beobachten: „Geplante Wasserstoffprojekte werden überprüft, angepasst oder zugunsten Batterie-elektrischer Lösungen neu ausgerichtet. Der wirtschaftliche Einsatz von Brennstoffzellenbussen bleibt insgesamt stark von lokalen Rahmenbedingungen abhängig – insbesondere von der gesicherten Verfügbarkeit ausreichender Wasserstoffmengen zu wettbewerbsfähigen Preisen sowie von langfristig vertraglich fixierten Lieferstrukturen oder einer wirtschaftlich tragfähigen Eigenerzeugung vor Ort.“
Doch zurück zur Statistik: Ausgehend von jährlichen Stadtbus-Neubeschaffungen in der Bundesrepublik von etwa 2.900 Bussen aller Antriebsarten, fährt laut dem PwC-Radar inzwischen fast jeder zweite neu zugelassene Stadtbus elektrisch. Und diese Entwicklung hat Einfluss auf den Bestand: Die deutsche Stadtbusflotte wird auf rund 35.000 Busse geschätzt. Die inzwischen 4.752 Stadtbusse mit elektrischen Antrieben machen gegenwärtig also etwa 14 Prozent der Gesamtflotte aus. Vor einem Jahre waren es noch 10 Prozent. Nach Phasen des exponentiellen und später linearen Wachstum zog die Dynamik also zuletzt wieder deutlich an.
„Die Elektrifizierung gewinnt spürbar an Tempo und ist längst keine Ausnahmeentscheidung einzelner Vorreiter mehr“, halten die Studienmacher fest. „Die Verkehrsunternehmen treiben die Transformation mit hoher Investitionsbereitschaft voran – mit dem Batterieantrieb als klar dominierender Technologie, aber auch einer wachsenden Zahl von Brennstoffzellenbussen.“
NRW, Hamburg und Bayern weiter führend
Das Bundesländer-Ranking des PwC-Reports zeigt, dass fast die Hälfte aller E-Busse in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Bayern unterwegs ist – wie schon vor einem Jahr. Nordrhein-Westfalen knackt dabei aber erstmals die 1.000er-Marke. Insgesamt kommen acht Bundesländer auf je mehr als 200 E-Busse.
NRW führt das Feld mit 1.113 E-Bussen an und hat ergo binnen zwölf Monaten um starke 415 E-Busse aufgestockt. Es folgen Hamburg (709 Fahrzeuge), Bayern (598), Baden-Württemberg (412), Hessen (409), Niedersachsen (358), Schleswig-Holstein (253) und Berlin (277). In den restlichen Bundesländern sind zusammen weitere 623 E-Busse im Einsatz. Damit ist den PwC-Daten zufolge weiterhin ein deutliches Ost-West-Gefälle feststellbar: Von den sechs Ländern im Osten der Bundesrepublik fahren bisher nur in Berlin mehr als 200 E-Busse. Diese Tendenz hatte sich bereit in den vorherigen Radaren abgezeichnet. Immerhin sind im vergangenen Jahr aber auch jenseits der genannten Top-8-Bundesländer mehr E-Busse integriert worden: Die 623 strombetriebenen Fahrzeuge in den „restlichen“ Bundesländern sind ein großer Sprung von den 340 Einheiten im Jahr 2024.
Legt man den Fokus auf die Städte, ergibt sich folgendes Bild: Die meisten rein elektrisch betriebenen Busse kommen im Großraum Hamburg (706 Fahrzeuge), in Berlin (277), Köln (129), Nürnberg (123) und Wiesbaden (121) vor. Spitzenreiter bei den mit Wasserstoff betriebenen Bussen ist mit weitem Abstand die Region Köln: Dort sind 127 Brennstoffzellenbusse im Einsatz. Auf den Plätzen zwei und drei folgen bei den H2-Bussen Rostock (71) und Wuppertal (52). Von den 90 Oberleitungsbussen in Deutschland sind allein 66 in Solingen zu finden. Als Tendenz arbeitet PwC heraus, dass emissionsfreie Busse inzwischen immer häufiger auch in kleineren Städten und ländlichen Regionen im alltäglichen Betrieb eingesetzt werden: „Im Jahr 2025 sind emissionsfreie Busse in 222 Städten und Regionen im Einsatz – nach 180 im Jahr 2024 und 90 im Jahr 2020. Innerhalb weniger Jahre hat sich ihre räumliche Verbreitung in der Bundesrepublik damit deutlich ausgeweitet.“
90% aller E-Busse stammen von sechs Herstellern
Filtern lässt sich in der PwC-Studie auch nach Herstellern. Demnach stammen die derzeit in Deutschland im Bestand betriebenen E-Busse zu rund 90 Prozent von sechs Herstellern – nämlich von Daimler Buses (1.853 Fahrzeuge), Solaris (735), MAN (723), VDL (405), Ebusco (312) und BYD (247). Die Reihenfolge ist dabei gegenüber 2024 konstant geblieben. Die aktuellen Absätze liegen aber bei allen Herstellern über dem Vorjahreswert.
Und preislich? Ein 12-Meter-Solobus mit Batterie-elektrischem Antrieb kostet laut PwC im Vergleich zu einem konventionellen Dieselbus aktuell noch erheblich mehr. Bei Gelenkbussen ist die Diskrepanz ähnlich. Konkret nennen die Analysten 580.000 bzw. 780.000 Euro für die Anschaffung von BEV-Solo- bzw. -Gelenkbussen und 310.000 bzw. 410.000 Euro für vergleichbare Diesel-Exemplare. Was auffällt: Die Preisschilder der BEV-Busse ist gegenüber dem letztjährigen Radar gleichgeblieben, jene der Diesel aber je um 50.000 Euro gestiegen. Heißt: Die Preisdifferenz schrumpft. Aber nicht, weil BEVs erschwinglicher werden, sondern weil Dieselfahrzeuge teurer werden. Jedoch nehmen die PwC-Autoren an, dass Bushersteller „mit zunehmender Verbreitung emissionsfreier Busse und steigenden Stückzahlen perspektivisch Skaleneffekte“ erreichen. Entscheidend ist aber, ob diese auch in Form niedrigerer Preise an die Verbraucher weitergegeben werden.
Festzuhalten bleibt: Der E-Bus-Preisaufschlag blieb substanziell. Denn: „Beim E-Bus-Betrieb kommen erhebliche Investitionen in Ladeinfrastruktur, Netzanschlüsse und die Ertüchtigung von Betriebshöfen hinzu“, heißt es in dem Bericht. „Für die E-Bus-Infrastruktur sind deshalb in vielen Fällen auch mehr Flächen nötig. Gerade in urbanen Räumen ist dies eine zusätzliche wirtschaftliche Hürde.“ Daraus folgt den Autoren nach, dass zur Transformation des ÖPNV Förderprogramme wichtig bleiben. Insofern kommt die für das Frühjahr 2026 angekündigte Anschlussförderung des Bundes zur richtigen Zeit.
Blicken wir noch nach vorne: Wie das E-Bus-Radar aufführt, sehen die aktuell bekannten Planungen der Flottenbetreiber vor, bis 2030 rund 6.400 weitere emissionsfreie Busse zu beschaffen. Ausgehend vom heutigen Bestand könnte die Zahl der E-Busse damit auf mehr als 11.000 ansteigen. Und: „Insgesamt summieren sich die derzeit bekannten Beschaffungsplanungen über alle Antriebsarten hinweg auf rund 9.660 zusätzliche Fahrzeuge. Das Ziel der Bundesregierung – bis 2030 soll die Hälfte aller Stadtbusse in Deutschland elektrisch fahren – ist damit erreichbar“, so die Studienmacher.




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