Volkswagen steht internes Tauziehen um die künftige Konzernstruktur bevor

Bei Volkswagen positionieren sich Aufsichtsrat und Betriebsrat zum Vorstoß von Konzernchef Oliver Blume, die Bilanzen des Autobauers mit einem noch weitaus strengeren Sparkurs zu stabilisieren. Widerstand aus beiden Gremien war erwartet worden. Nun droht Volkswagen laut Medien "ein monatelanger Kampf um Stellen und Kosten".

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Bild: Volkswagen

Volkswagen-Chef Blume ist überzeugt, dass das Unternehmen nur bestehen kann, wenn es sich komplett neu strukturiert. Wie er das vorhat, ist bereits vor zwei Wochen durchgesickert: Das Manager Magazin berichtete Ende Juni, dass der Vorstand um Blume einen weitaus radikaleren Sanierungskurs verfolge als bisher bekannt – und berief sich dabei auf eine Vorstands-Präsentation mit dem Titel „Group Target Picture“ für 2030. In dieser ist als Ziel unter anderem das Aus für vier deutsche Werke fixiert. Und die Belegschaft soll weltweit um 100.000 Stellen schrumpfen. Der Spiegel recherchierte kurz darauf, dass Blume die Produktion in den Werken Zwickau und Emden offenbar 2031 auslaufen lassen will. Die Fabrik in Hannover soll 2032 folgen, das Audi-Werk in Neckarsulm 2034.

Noch handelt es sich bei dem Dokument nur um ein internes Papier und bei den Details um Insider-Angaben. Doch vergangene Woche soll das „Group Target Picture“ laut Medienberichten dem Aufsichtsrat vorgestellt worden sein. Das „Handelsblatt“ schreibt nun von einem „Rückschlag im Aufsichtsrat“. Blume sei bei einer ersten Abstimmung zu seinem Zukunftsplan gescheitert. Eine Mehrheit sei nicht zusammengekommen – nun drohe ein monatelanges Tauziehen. Der Vorstandschef soll aber nach Informationen aus Konzernkreisen fest entschlossen sein, seinen Umbauplan weiter voranzutreiben, so das Handelsblatt weiter. Er wolle die Strategie „jetzt in Etappen durchsetzen – notfalls auch gegen den Widerstand von Arbeitnehmern und dem Land Niedersachsen“.

Der Betriebsrat von Volkswagen zählt VW-Chef Oliver Blume unterdessen öffentlich an und will ihn laut dem „Manager Magazin“ im Rahmen von Betriebsversammlungen dazu bringen, mit der Belegschaft über seine Sparpläne zu sprechen. Ein für Freitag gestelltes Ultimatum, gegenüber den Beschäftigten Stellung zu beziehen, hatte Blume zuvor verstreichen lassen.

Wichtig: Der „Bild am Sonntag“ gegenüber sagte der CEO dieser Tage, dass er in seinem Zukunftsplan durchaus Alternativen zu Fabrikschließungen sieht. „Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen“, wird Blume in dem Bericht zitiert. Er sagte, dass das bisher schon verfolgte Sparprogramm an den deutschen Produktionsstandorten bereits Wirkung zeige: „Unsere Fabrikkosten in Deutschland konnten wir allein im vergangenen Jahr um durchschnittlich 20 Prozent verbessern. Ein starker Fortschritt“. Weiter ins Detail ging Blume nicht. Denkbar ist aber, dass sich Volkswagen beispielsweise Partner in die Werke holt, sie sie anderweitig umwidmet.

Zu den gefährdeten Werken: Angezählt sind die deutschen VW-Fabriken in Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. Zu Problemfällen erklärt wurde dieses Fabrik-Quartett bereits im April in einer Aufsichtsratssitzung – „wegen hoher Kosten“, wie das Manager Magazin jüngst schrieb. Der Vorstand soll dafür sein, die Produktion in allen vier Werken auslaufen zu lassen und dort in Zuge dessen jeweils nur noch die aktuelle Modellgeneration bauen zu lassen. Insgesamt arbeiten in den vier Stätten gut 40.000 Männer und Frauen. Zusammen kommen sie auf eine jährliche Kapazität von rund 750.000 Autos.

Bei Zwickau und Emden handelt es sich um reine Elektroauto-Produktionsstandorte. Die Belegschaft in Zwickau produziert den VW ID.3, VW ID.4 und VW ID.5 sowie den Cupra Born und den Audi Q4 e-tron. Im Werk Emden laufen der VW ID.4, VW ID.7 und der VW ID.7 Tourer vom Band. In beiden Städten reduzierte Volkswagen bereits von je zwei auf eine Linie (mit je zwei Schichten), um Überkapazitäten abzubauen. 

Das Volkswagen-Werk Hannover ist Hauptsitz von VW Nutzfahrzeuge und bringt die vollelektrische Baureihe ID. Buzz bzw. ID. Buzz Cargo sowie die Modelle der T-Baureihe (Multivan) hervor. Vor Ort gibt es zudem eine Batteriemontage. Und im Audi-Werk in Neckarsulm werden zurzeit vor allem Verbrenner- und Hybridmodelle von Audi gefertigt. In den Böllinger Höfen läuft mit dem Audi e-tron GT aber auch ein vollelektrischer Sportwagen vom Band. Wir erinnern uns: Im Februar 2025 wurde bereits das Audi-Werk in Brüssel geschlossen.

handelsblatt.com, manager-magazin.de, heise.de

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