15.10.2019 - 11:04

CAM: USA stagnieren, China verliert an Momentum

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In den beiden wichtigsten Märkten für die Elektromobilität hat der Neuwagenabsatz einen Dämpfer erhalten, wie das CAM in seiner neuesten Branchenstudie „Electromobility Report 2019“ feststellt. Deutschland entwickelt sich aber weiter positiv.

Für die Studie hat das Team des Center of Automotive Management (CAM) um dessen Leiter Stefan Bratzel die Neuzulassungszahlen der wichtigsten Automärkte für E-Autos und Plug-in-Hybride in den ersten drei Quartalen 2019 zusammengetragen. Betrachtet werden China, die USA, Norwegen, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und die Niederlande.

China bleibt zwar die unangefochtene Nummer eins unter den Elektroauto-Märkten, im dritten Quartal hat der Leitmarkt aber deutlich an Momentum verloren, wie es das CAM in der Mitteilung ausdrückt. Zwischen Anfang Juli und Ende September wurden in China 243.000 E-Fahrzeuge (das CAM fasst darunter Batterie-elektische Autos und Plug-in-Hybride) neu zugelassen, was im Vergleich zum Q3 2018 einem Einbruch um 21 Prozent entspricht.

„Der starke Rückgang ist einerseits auf die Reduzierung der Kaufanreize für Elektroautos und andererseits auf den wirtschaftlichen Abschwung im Zuge der Handelsstreitigkeiten mit den USA zurückzuführen“, heißt es in der Studie. Dank der hohen Zugewinne aus den ersten beiden Quartalen liegt der E-Auto-Absatz jedoch mit 871.000 Einheiten seit Beginn des Jahres 2019 noch mit 21 Prozent im Plus. Aber: Nach dem zweiten Quartal lag der Zuwachs noch bei 52 Prozent gegenüber 2018. Per Ende September lag der Marktanteil für BEV und PHEV bei 4,7 Prozent, nachdem er zwischenzeitlich bereits die Fünf-Prozent-Hürde überschritten hatte.

Auch in den USA hat sich das Wachstum deutlich abgekühlt: Zum Halbjahr gab es noch ein Zulassungsplus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, nach dem dritten Quartal ist nur noch ein mageres Plus von 0,5 Prozent übrig – 2018 waren es bis Ende September 235.000 Einheiten, jetzt weißt das CAM 236.000 Einheiten aus.

Dabei haben die Forscher in den USA eine deutliche Verschiebung des Verhältnisses zwischen den rein elektrischen Autos und den Plug-in-Hybriden festgestellt. Während die BEV um 16 Prozent zulegen konnten, wurden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 27 Prozent weniger PHEV zugelassen. Marktführer ist weiterhin Tesla, dessen Fahrzeuge allein im dritten Quartal mit rund 52.000 Pkw-Neuzulassungen für rund 59 Prozent des E-Autoabsatzes in den USA verantwortlich waren.

In Europa ist die Lage anders, hier weist die Studie weiterhin hohe Zuwächse aus. Nachdem Deutschland in der Auswertung zum zweiten Quartal Norwegen bei den absoluten Neuzulassungen von BEV und PHEV überholt hatte, ist der Vorsprung im dritten Quartal deutlich gewachsen – in der Statistik stehen 74.000 Einheiten in Deutschland (+48 Prozent) und 62.000 Einheiten in Norwegen (+18 Prozent).

Der Vergleich der absoluten Zahlen hinkt natürlich angesichts der unterschiedlichen Größe der Fahrzeugmärkte. Norwegen ist hier mit 55,6 Prozent E-Marktanteil weiterhin weltweit einsame Spitze – auch wenn der Marktanteil im Vergleich zur Q2-Auswertung minimal gesunken ist. In Deutschland steigt der Marktanteil von 2,6 auf 2,7 Prozent.

Die wohl erfreulichste Entwicklung bei den Marktanteilen war in den Niederlanden zu beobachten. Im dritten Quartal hat unser Nachbarland erstmals die Zehn-Prozent-Marke überschritten. Im laufenden Jahr wurden in den Niederlanden 34.000 Einheiten zugelassen, was im Vergleich zu den 15.000 Fahrzeugen aus 2018 einem Zuwachs von 126 Prozent entspricht – obwohl der Gesamtmarkt im selben Zeitraum um 7,6 Prozent geschrumpft ist. Damit sind die Niederlande der am schnellsten wachsende E-Auto-Markt weltweit, gefolgt von Deutschland mit den erwähnten 48 Prozent.

Weniger gute Nachrichten für Deutschland gibt es allerdings beim CO2-Ausstoß: Obwohl sich auch hierzulande die Gewichtung von PHEV (stagnierend) zu BEV (Absatz verdoppelt) verschiebt, ist laut dem CAM der durchschnittliche CO2-Ausstoß der neuzugelassenen Fahrzeuge 2019 mit 157,5 g/km (YTD) noch genauso hoch wie ein halbes Jahr zuvor. Zum Vergleich: Norwegen kommt auf einen CO2-Flottenausstoß von 59 Gramm und erfüllt damit bereits die EU-Ziele für 2030.

Beim Blick auf die Fahrzeugmodelle zeigt sich, dass das Kaufverhalten der deutschen Elektro-Kunden sich von den anderen europäischen Märkten unterscheidet. In den Niederlanden entfallen rund 42 Prozent der E-Neuzulassungen auf das Tesla Model 3, auch in Großbritannien hat das Eintreffen der Rechtslenker-Modelle im dritten Quartal für eine hohe Dynamik gesorgt. In Deutschland verteilen sich die Neuzulassungen über mehrere Modelle, zu den Spitzenreitern gehören der Renault Zoe (7.872), das Tesla Model 3 (7.678) und der BMW i3 (7.089).

Wie sich der Markt mit den Premieren des überarbeiteten Zoe mit größerer Batterie und CCS-Anschluss, des VW ID.3 (und im Vorfeld auf den Verkaufsstart die starken Rabatte auf den e-Golf), des Opel Corsa-e und der zahlreichen auf der IAA vorgestellten Plug-in-Hybride entwickelt, wird 2020 spannend zu beobachten.

„Die E-Mobilität steht angesichts serienreifer neuer Modelle wichtiger Automobilhersteller und dem regulativen Druck in verschiedenen Ländern vor einem breiten Marktdurchbruch in 2020 und 2021“, sagt Studienleiter Stefan Bratzel. „Allerdings könnte ein wirtschaftlicher Abschwung der Weltwirtschaft in verschiedenen Regionen bremsend wirken. Gleichzeitig wird der zunehmende Wettbewerb auch zu einer Konsolidierung in der Automobilindustrie, allen voran in China, führen.“
Quelle: Info per E-Mail

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15.10.2019 11:49