03.01.2020 - 11:00

Microlino/Karo: Micro Mobility und Artega einigen sich außergerichtlich

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Der Streit zwischen Micro Mobility Systems und Artega um den Microlino-Klon Karo wurde außergerichtlich beigelegt. Micro Mobility will den Microlino nun 2021 in Serie bringen – mit einem neuen Produktions- und Entwicklungspartner.

Laut der außergerichtlichen Vereinbarung, die offenbar bereits Ende November 2019 erzielt und nun von beiden Firmen bekannt gegeben wurde, erlaubt Micro Artega, den auf dem Microlino basierenden E-Kabinenroller Karo auf den Markt zu bringen. Im Gegenzug wird Micro gemeinsam mit dem italienischen Unternehmen CECOMP seinen Microlino zur Serienreife entwickeln.

„Wir sind froh, dieses Kapitel endlich hinter uns bringen zu können und uns nun voll und ganz auf unsere Vision dieser neuen Fahrzeugkategorie zwischen Motorrad und Auto fokussieren zu können“, sagt Firmengründer und Kickboard-Pionier Wim Ouboter. Sein Sohn Oliver Ouboter ergänzt, dass sich beide Seiten geeinigt hätten, keine weiteren Details zur Auflösung zu veröffentlichen. „Der Markt ist groß genug für zwei Anbieter und wir arbeiten daran, unser Stadtfahrzeug mit der Artega-DNA auf den Markt zu bringen, das sich eng an dem historischen Vorbild der Isetta orientiert“, sagt Klaus Frers, Geschäftsführer der Artega GmbH.

Ursprünglich hatte Micro Mobility Systems die Rechte für Entwicklung und Produktion des Microlino an den italienischen Hersteller Tazzari vergeben. Im Dezember 2018 übernahm der deutsche Sportwagen-Hersteller Artega alle Rechte für die Produktion des Schweizer E-Stadtflitzers von Tazzari – damals hieß es, der Microlino solle künftig in der NRW-Stadt Delbrück gefertigt werden. Im Mai 2019 wurde dann das Zerwürfnis zwischen Micro Mobility und Artega öffentlich, als dessen Geschäftsführer Klaus Frers mit dem Karolino ein direktes Konkurrenzprodukt zum Microlino ankündigte. Laut Frers handelte es sich dabei um ein Schwestermodell, dass in mehr als 150 Punkten verbessert worden sei.

Mirco Mobility Systems sah in dem Modell eine „Kopie des Microlino“, was so „unter Partnern natürlich nicht geht“. Noch bevor der Karolino auf der IAA im September seine Premiere feiern sollte, erwirkte die Schweizer Firma ein Werbeverbot für den Artega Karolino. Das deutsche Unternehmen stellte den Wagen dennoch aus – unter dem neuen Namen Karo.

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Nun also wurde der Konflikt beigelegt, wodurch beide Unternehmen ihre eigenen Modelle weiter vorantreiben dürfen. Artega hat dann auch gleich Nägel mit Köpfen gemacht: Nur wenige Stunden, nachdem die Einigung per Pressemitteilung verkündet wurde, schickte Artega eine weitere Mitteilung hinterher – mit weiteren Daten und Preisen zum Karo.

Darin bezeichnet das Unternehmen den Wagen als KARO-Isetta. Diesen Beinamen soll das Modell nun tragen, da die Erben des ISO-Isetta-Erfinders Ermenegildo Preti ihr Okay gegeben hätten. Die KARO-Isetta soll bis zu 90 km/h schnell sein und auf eine Reichweite von bis zu 200 Kilometer kommen. Bestellungen werden ab sofort angenommen, die ersten Fahrzeuge sollen im April 2020 ausgeliefert werden. Parallel zum Direktvertrieb über Artega will das Unternehmen nach eigenen Angaben ein „weltweites Vertriebs- und Servicenetz“ aufbauen.

Weitere technische Daten nennt Artega in der Mitteilung nicht. Aber einige Details zur Produktion: Das Stahl-Chassis wird von Artega selbst hergestellt, weitere Komponenten und die Batterie kommen von dem Autozulieferer Paragon bzw. dessen Tochter Voltabox. Das überrascht kaum, denn auch bei diesen beiden Unternehmen ist Artega-Chef Frers beteiligt. Anfangs wird der Wagen in zwei Ausstattungen angeboten, „Intro“-Serie als limitierte Auflage und die „Edition“-Ausführung. Auf technische Unterschiede geht Artega nicht ein, die „Intro“-Serie soll jedoch eine Signatur und individuelle Nummerierung tragen. Die limitierte „Intro“ kostet 18.500 Euro zzgl. MwSt. (21.995 Euro brutto in Deutschland), die „Edition“ wird ab 15.122 Euro zzgl. MwSt. (17.995 Euro brutto in Deutschland) erhältlich sein.

Während Artega in Eigenregie gearbeitet hat, hat sich Micro Mobility mit der italienischen Firma CECOMP zusammengetan. CECOMP wurde 1978 gegründet und ist seitdem im Modell- und Prototypenbau aktiv – früher unter anderem beim Lancia Delta Integrale und Golf I, später entwickelte und produzierte CECOMP den E-Kleinwagen Bluecar, der in dem Pariser E-Carsharing Autolib eingesetzt wurde. CECOMP, inzwischen von den beiden Söhnen des Gründers geleitet, verfügt über fünf Produktionsstätten in Europa.

Mit dem Bluecar ist die Elektro-Erfahrung bei dem neuen Partner also vorhanden. Helfen soll Micro Mobility bei der Entwicklung auch Peter Müller, der im September als CTO verpflichtet wurde. Müller war unter anderem Vorstand bei BMW, Porsche und anderen Unternehmen aus der Automobil- und Motorradindustrie – zum Beispiel dem Streitpartner Artega, aber auch dem chinesischen Autobauer Chery.

Den jetzt für 2021 angesetzten Produktionsstart erklärt Wim Ouboter mit Nachholbedarf in der Entwicklung – hier hat es wegen des Rechtsstreits einige Verzögerungen gegeben. „Das intensive Testen unserer 22 Vorserienfahrzeuge hat gezeigt, dass der aktuelle Entwicklungsstand noch nicht unsere Ansprüche hinsichtlich des Fahrverhaltens, Qualität und der Sicherheit erfüllt und wir technisch Einiges abändern müssen“, so Ouboter.

Dem Unternehmen liegen nach eigenen Angaben über 16.000 Reservierungen für den Microlino vor. Das künftige Serienmodell, laut Merlin Ouboter intern „Microlino 2.0“ genannt, soll ein „um Welten besseres Fahrverhalten, bessere Ergonomie, bessere Reparierbarkeit“ vorweisen und auch „in hohen Stückzahlen produzierbar“ sein. Wir sind gespannt, wie das Duell der beiden E-Kleinstwagen weiter geht.
Quelle: Info per E-Mail, artega.de (Einigung), artega.de (KARO-Isetta)

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2 Kommentare zu “Microlino/Karo: Micro Mobility und Artega einigen sich außergerichtlich

  1. Jörg

    Ich glaube nicht, dass der Markt groß genug ist. Siehe Twike, Twizy, e.go etc.,, alles eher Nischenprodukte, die aus dem Teufelskreis “teuer weil Kleinserie, Kleinserie weil niemand teure Kleinwagen kauft” nicht herauskommen.

    • Ralf

      Ich sehe das ähnlich.
      Die Auswahl an E Fahrzeugen steigt, der Preis ist jetzt schon nahe am E up.
      Auffälliger ist aber der Microlino.
      Bei dem Freres werde ich nie was kaufen, da ich ihn für unseriös und unehrlich halte.

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03.01.2020 11:05