06.03.2020 - 11:24

Volvo startet Batterie-Montage für Elektroautos in Gent

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Volvo Cars hat eine Batteriemontagelinie in seinem belgischen Produktionswerk in Gent eingeweiht. Noch im März werden dort die ersten Batterien für den XC40 Recharge P8 montiert. Im Herbst soll in Gent auch die Produktion des ersten Elektro-Volvo anlaufen.

In der neu eröffneten Batteriemontage fertigt Volvo die Batterie-Packs für den vollelektrischen XC40, die dann im selben Werk in die Fahrzeuge eingebaut werden sollen. Der XC40 mit Verbrennungsmotoren wird seit 2018 in Gent gefertigt, inzwischen auch die PHEV-Version. Die Fahrzeuge – auch das künftige BEV – werden alle auf einer Linie montiert, die sich der XC40 noch mit dem Kombi V60 teilt. Das ist bemerkenswert, da beide Modelle auf unterschiedlichen Baukästen basieren – der XC40 auf der kleineren CMA-Plattform, der V60 auf der SPA-Plattform.

Bei der angekündigten Elektrifizierung der Volvo-Modellpalette soll das belgische Werk eine Vorreiterrolle einnehmen. Voraussichtlich ab Herbst soll auch im Volvo-Werk im US-Bundesstaat South Carolina eine Batteriemontagelinie aufgebaut werden – amerikanischen Medienberichten zufolge soll dort ab 2022 eine Elektro-Version des großen SUV XC90 gebaut werden. „Aus Sicht des Werks wird die Batteriemontage in Charleston ähnlich zu jener in Gent sein“, sagt Geer Bruyneel, Leiter der weltweiten Produktion bei Volvo Cars, am Rande der Veranstaltung im Gespräch mit deutschen Journalisten. „Alles, was wir hier über die Prozesse lernen, wird natürlich auch Charleston beeinflussen.“ Unterschiede beim Produkt wollte er jedoch nicht kommentieren.

Auch die Produktionskapazität der Batteriemontage in Gent will Volvo nicht nennen – auch, weil sie sich in den kommenden Monaten noch deutlich ändern wird. Ziel der Schweden ist es, eine Überproduktion zu vermeiden. „Wir fahren auf Sicht“, sagt Stefan Fesser, Werksleiter in Gent. „Wir wollen die eingehende Kundennachfrage bedienen können, aber keine Überkapazitäten aufbauen.“

Bleibt eine einfache Hochrechnung: Laut den Plänen von Volvo sollen im Jahr 2025 bereits 50 Prozent der verkauften Neuwagen Batterie-elektrische Autos sein. Im vergangenen Jahr wurden in Gent 185.000 XC40 gebaut, was also in nicht allzu ferner Zukunft rund 90.000 vollelektrische XC40 bedeuten würde, für die Volvo auch 90.000 Batterien montieren muss. Dafür müsste die aktuelle Montagelinie, die von Thyssenkrupp aufgebaut wurde, wohl noch erweitert werden. In der rund 5.000 Quadratmetern großen Halle, die seit Herbst 2018 auf einem Teil des Mitarbeiter-Parkplatzes aufgebaut wurde, wäre zumindest noch etwas Platz. Aber nicht viel.

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Werksleiter Fesser gibt sich zuversichtlich, mit der Batterie-Montage für den Bau von Elektroautos gut gerüstet zu sein. „Für uns sind zwei Fragen wichtig: Wie entwickelt sich der Markt? Und wie können wir Schritt halten? Dafür haben wir jetzt die Voraussetzungen geschaffen“, so der deutsche Volvo-Manager.

Wenn die Batterie-Produktion es zulässt, kann auch noch die Fahrzeug-Kapazität innerhalb des Werks erhöht werden – aktuell werden in Gent rund 225.000 Autos pro Jahr gefertigt, möglich sind aber über 260.000. Alleine im vergangenen Jahr sei die Kapazität wegen der hohen Nachfrage bei dem XC40 drei Mal nach oben angepasst worden, so Fesser – von ursprünglich 90.000 auf 185.000 Exemplare pro Jahr.

CATL und LG Chem sind Zell-Lieferanten

Doch um solche Stückzahlen zu erreichen, müssen auch genügend Batteriezellen angeliefert werden. Diese kauft Volvo in Modulen vormontiert von LG Chem (aus dem Werk in Polen) und von CATL ein. „Bei dem PHEV haben wir mit LG Chem nur einen Zell-Lieferanten, beim BEV mit LG und CATL jedoch zwei“, sagt Bruyneel. „Mit beiden haben wir langfristige Lieferverträge geschlossen.“ Angesprochen auf die Lieferprobleme bei Audi und Jaguar ergänzt er: „Wir werden die Batterien, die wir benötigen, auch bekommen.“

Was Bruyneel zuversichtlich machen dürfte: Während die Konkurrenz bereits jetzt größere Mengen an Batteriezellen für den Bau ihrer Serien-Elektroautos benötigt, fährt Volvo ab der kommenden Woche die Batteriemontage in Gent erst langsam hoch. In den Werksferien im Sommer werden die Produktionsanlagen im Fahrzeugwerk für die Fertigung des XC40 Recharge umgerüstet, ab Herbst sollen dann die ersten Elektroautos gebaut werden. Bis dahin stört eine vorübergehende Knappheit an Zellen weniger – und bis Herbst sollte LG Chem die Produktion in Breslau stabil am Laufen haben.

Volvo plant „sehr herausfordernde“ Ramp-up-Phase

Da der XC40 in Gent bereits gebaut wird (als PHEV bereits mit elektrifiziertem Antrieb), plant der Global Head of Production im Herbst einen schnellen Produktionshochlauf bei dem Elektro-Modell. „Das Werk ist darauf vorbereitet“, so Bruyneel. „In der Ramp-up-Phase, die wir sehr herausfordernd geplant haben, müssen wir eher auf die Kapazitäten in unserer Lieferkette schauen als auf unsere eigenen.“

Neben den Anlagen musste Volvo hierfür auch die Mitarbeiter vorbereiten. Für die Elektrifizierung seien im vergangenen Jahr 200 neue Leute eingestellt worden, so Fesser. Insgesamt arbeiten in Gent 6.500 Menschen für Volvo, was das Werk zum größten Industrie-Arbeitgeber in Flandern macht. Bei den Schulungen ging es aber nicht nur um die Mitarbeiter in der Batterie-Montage. „Da wir Verbrenner, PHEV und bald das BEV auf einer Linie fertigen, kommen in der ganzen Fertigung des Fahrzeugs sehr viele Mitarbeiter in Kontakt mit den elektrifizierten Modellen und müssen dafür natürlich trainiert werden“, so Fesser.

Doch noch bevor der erste XC40 Recharge im Serientrimm vom Band gelaufen ist, gibt es bereits Gerüchte um einen Ableger. Unter Berufung auf US-Händler berichtet „Automotive News“, dass Volvo mit dem C40 eine Coupé-ähnliche Version des rein elektrischen XC40 Recharge P8 plane. Diese soll Ende 2021 auf den Markt kommen.

Der Vorteil einer reinen Elektroauto-Produktion hält Bruyneel übrigens für überschaubar. „Der größte Unterschied wäre in der Karosserie-Produktion, weil sich der Unterboden des Autos stark unterscheiden würde und wir müssten natürlich einige Arbeitsschritte in der Endmontage anpassen“, sagt der Volvo-Produktionschef. „Das Konzept des Lean Manufacturing, des Werks-Layouts und des Aufbaus der einzelnen Arbeitsplätze würde nicht viel anders aussehen.“ Aber: „Das EV von heute wird sicher nicht das EV von morgen sein.“
volvocars.com, autonews.com

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