20.09.2020 - 11:06

CO2-Pool: Volkswagen tut sich mit SAIC und Ford zusammen

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Der chinesische Autokonzern SAIC ist mit seinen Marken MG Motor und SAIC Motors Europe dem CO2-Pool des Volkswagen-Konzerns in der EU beigetreten. Das geht aus einem offiziellen Dokument der Europäischen Kommission hervor.

++ Dieser Beitrag wurde aktualisiert. Sie finden die neuen Infos ganz unten. ++

Das sogenannte CO2-Pooling ist eine umstrittene Methode, um mit Blick auf den zunehmend strengen, von der EU vorgegebenen CO2-Flottenwert Strafzahlungen zu umgehen.

Wie das konkret funktioniert, haben Fiat Chrysler und Tesla vergangenes Jahr vorgemacht: Da FCA bei Weitem nicht genug CO2-arme Autos verkauft, sicherte sich der Konzern Kredite von Tesla, um die Differenz auszugleichen. Im Prinzip schließen Hersteller ihre Flotten in einem CO2-Pool zusammen, der dann als Ganzes unter dem Grenzwert liegt. Dafür fließen große Summen zwischen den Herstellern, die aber freilich die drohenden Strafzahlungen unterschreiten. Im Fall des FCA-Tesla-Deals sind es 1,8 Milliarden Euro.

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Der Volkswagen Konzern geht solch einen CO2-Pool nun offenbar mit den SAIC-Marken MG Motor und SAIC Motors Europe ein. Auch Ford will sich in Sachen CO2-Pooling mit Volkswagen zusammenschließen, wie ein Konzernsprecher gegenüber Bloomberg erklärte. Hier geht es um den Bereich der leichten Nutzfahrzeuge. Der Schritt könnte darauf hindeuten, dass Volkswagen Hilfe bei der Einhaltung der Grenzwerte braucht. Eigentlich galten die Wolfsburger als ausreichend gut gewappnet, um die Schwelle von 95 Gramm CO2 pro Kilometer im durchschnittlichen Flottenverbrauch in diesem Jahr im Alleingang zu unterschreiten.

Ob und wie viel Geld zwischen Volkswagen und dem chinesischen respektive amerikanischen Konzern fließt, ist nicht publik. Sämtliche europäischen CO2-Pools müssen übrigens bis Ende des Jahres deklariert werden. Es ist also gut möglich, dass uns in den kommenden Wochen und Monaten noch weitere Meldungen zu ähnlichen Zusammenschlüssen erreichen.

Und zum Schluss noch ein Hinweis auf die bevorstehende Veräußerung einer Volkswagen-Tochter. Die Wolfsburger wollen offenbar ihre Marke Bugatti an die kroatische Elektrofahrzeug-Schmiede Rimac verkaufen, wie Brancheninsider Georg Kacher berichtet. Porsche wolle im Gegenzug seinen Rimac-Anteil von 15,5 Prozent auf 49 Prozent erhöhen. Bugatti gehört seit 1998 zum VW-Konzern und hat seinen Sitz im Elsass.

Update 19.10.2020: Die neue CO2-Bande zwischen dem Volkswagen-Konzern und dem chinesischen Partner SAIC wird enger und erstreckt sich künftig auch auf die leichten Nutzfahrzeuge. Wie aus einem neuen Dokument der EU-Kommission hervorgeht, wurde auch hier ein entsprechender CO2-Pool gebildet. Die genaue Zusammensetzung der Marken bzw. Unternehmen überrascht jedoch etwas. Neben dem „Pool Manager“ MAN Truck & Bus SE und den SAIC-Unternehmen SAIC Europe S.A.R.L., SAIC Motor Europe B.V. und MG Motor UK Ltd. sind auch die Audi AG, die Audi Sport GmbH, Audi Hungaria ZRT., Seat S.A. und Skoda Auto A.S. Teil des CO2-Pools.

Die Volkswagen AG selbst ist wie oben angedeutet Teil eines anderen Pools – und zwar mit Ford. Die Ford-Werke GmbH als „Pool Manager“ haben neben der Volkswagen AG noch die Ford Motor Company, Ford Motor Company Australia und die CNG Technik GmbH, eine Ford-Tochter. Bei den N1-Nutzfahrzeugen bringt VW seine Modelle Caddy und Crafter also in einem Pool mit Ford Transit, Tourneo und Co. ein.

Zudem wurde noch ein dritter Pool bei den leichten Nutzfahrzeugen angemeldet. Aktuell besteht er aber nur aus Renault – die Franzosen haben damit ihre Bereitschaft signalisiert, andere Interessenten in den Pool aufzunehmen. Die Frist hierfür ist bei Renault der 18. November 2020.
schmidtmatthias.de, circabc.europa.eu (PDF), automobilwoche.de (Ford), news.bloombergenvironment.com (Bezahlschranke), sueddeutsche.de (Bugatti), circabc.europa.eu (Update, PDF mit N1-Pools)

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10 Kommentare zu “CO2-Pool: Volkswagen tut sich mit SAIC und Ford zusammen

  1. Egon Meier

    Wow !!!
    Eine sehr gute Nachricht.
    Damit kann VW BEV rauskloppen wie es will und kann.
    Es wird keine Übererfüllung der c02-Ziele geben und damit kein Strafabsenkung der c02-Ziele in 2025

    Ich hatte eher auf MB und BMW als Pool-Member getippt aber Ford ist auch nicht übel.

    • Tommy

      Verstehe das WOW jetzt nicht so ganz. Das ist jetzt nicht böse gemeint. Ich will damit nur sagen: Vielleicht haben ich etwas falsch verstanden…!

      Für mich bedeutetet das folgendes:
      VW erkauft sich damit wieder einen Aufschub statt gezwungen zu werden endlich konsequent alle Ressourcen auf Elektro zu stellen. In der Liste ist doch schön zu sehen was alles zum VAG Konzern gehört und nun kann man auch sehen das diese Menge an Firmen seit Jahren nicht in der Lage sind Grenzwerte einzuhalten und im Grunde auch bestätigen das Sie absehbar auch kein Konzept haben. Ich sehe auch nicht das “VW” BEV’s “rauskloppt”. Was ich sehe ist, das Sie theoretisch könnten aber praktisch nicht. Es sind einfach zu geringe Batteriekapazitäten verfügbar. Wenn Sie es wirklich sollten, das würden Sie z.B. ein Fahrzeug wie den Enyaq nicht so in der Verfügbarkeit beschneiden. Nichts anderes sind diese Kontingente! Entweder VW machte wieder einen auf “Der Enyaq wird den ID.4 räubern” oder “Der Skoda bekommt einfach nicht so viele Batterien wie sie bräuchten”. Beides ist dumm und zeigt nicht das VW es ernst meint. VW kann es doch egal sein welche Marke nun die meisten Elektro Autos verkauft, Hauptsachen die ist im VAG Konzern.

      Das der Käufer es noch nicht wahr haben möchte, das das Ende des Verbrenners kommt und schnell kommen muss, ist mir schon klar. Ich kann auch absolut verstehen das so ein E-Auto nicht bei allen passt! Aber ein Weltkonzern wie VW sollte das erkannt haben und hoffentlich nicht erst heute.

      • Egon Meier

        Sie scheine da wirklich irgendwas nicht verstanden zu haben aber aus ihrem Text geht nicht hervor, was oder wie sie es verstanden haben könnten.
        Außerdem weiß ich nicht, was sie da in die ÜBersicht reininterpretieren.

        Auf jeden Fall – auch ohne Pooling – werden die C02-Flottenverbräuche konzernweit ermittelt.
        VW hat Null Probleme mit den Akkus – es sind ausreichend viele disponiert/bestellt und werden geliefert.
        Irgendwelche Foren- und Pressenotizen zu diesem Thema haben null Relevanz.

        Für 2020 hat der Konzern für sich Null Probleme, den Flottenausstoß von 95 gramm (passt nicht ganz genau der Wert) zu erreichen.
        Das Problem war 2021, denn die BEV-Fertigungskapazitäten sind zu hoch und wenn sie voll ausgelastet worden wären wäre man viel ‘zu tief’ beim Flottenverbrauch gelandet und das hätte für die Absenkung des Grenzwertes ab 2025 massive Nachteile gebracht.

        Jetzt hat man sich mit Ford jemand ins Boot geholt, der es für sich nicht schaffen würde, die Werte für 20 und 21 zu schaffen. Ford wird wahrscheinlich dafür fett zahlen bzw das ist eine Mitgift für die Übernahme der MB-Plattform.

      • BEV

        Absolut, nur das mit Ford kann nich noch nicht ganz nachvollziehen. Inwieweit Ford in Europa in absehbarer Zeit für VW nützlich sein könnte. So viele BEVs seh ich da nicht und man braut zudem auch MEB Fords. Vielleicht auch einfach deswegen der Deal. Ob der eine oder der andere dann mehr verkauft ist dann erst mal egal. VW profitiert sowieso davon.
        Zum Enyaq und Co., man beschneidet die Verfügbarkeit ob man nicht mehr rausbringt oder nicht will sei mal dahingestellt. Aber wenn der so schnell ausverkauft ist, dann kann es nicht an der Nachfrage scheitern. Man könnte mehr verkaufen. Aber vielleicht braucht man einfach 2021 noch nicht so viel und spart sich das für 2022 und später auf, wenn die CO2 Vorgaben immer schärfer werden. Solange kann man noch mit den Verbrennern gut Geld verdienen.

    • BEV

      das ist die Frage, Ford wollte doch auch MEB Fahrzeuge unter eigener Marke verkaufen und wozu dann SAIC?

      • Egon Meier

        Saic ist Partner von VW …. da hilft man sich gegenseitig etwas.

      • Simon Saag

        Wenn es so kommt, wie es im Text steht (Aussage des Ford-Sprechers) soll es bei dem Pooling nur um die LCV gehen, also die leichten Nutzfahrzeuge à la Transit und Tourneo (und auch der Pickup Ranger, weiß ich nicht). Die Ford-MEB als Pkw wären davon nicht betroffen.

        Und da SAIC mit MG und Maxus nur BEV nach Europa bringt, haben die im Pooling denselben Effekt wie Tesla bei FCA. Zugegeben, in anderen Stückzahlen. Deshalb stimme ich da Egon Meier nicht zu. Ich denke eher, VW kauft sich für seine Verbrenner etwas Zeit, indem diese über SAIC ausgeglichen werden, nicht andersrum

  2. Peter W

    Ist es so, wie Egon Meier sagt?
    Oder wird hier einfach nur der Gesetzgeber ausgetrickst damit jeder so weitermachen kann wie er will?
    Ganz besonders der Deal von Fiat mit Tesla zeigt doch, dass hier nur Gesetzeslücken, oder auch absichtlich eingefügte Möglichkeiten genutzt werden, um die Produktion von Stinkern hoch halten zu können.
    Das einzig Positive ist daran, dass E-Auto Hersteller davon profitieren, ihre Produktion erweitern können, und Verbrenner teurer werden. Insgesamt wäre es aber besser, wenn jeder Hersteller seine eigenen BEV herstellen müsste. So würde man das Ziel schneller erreichen.

    • jedermann

      Das ist alles keine Gesetzeslücke sondern ganz so wie es die Gesetzgeber gewollt haben.
      Verschiedene Hersteller können sich zu einem Pool zusammenschließen und gemeinsam die c02-Grenze einhalten.
      Der eine baut zuviele BEV – der andere ein paar wenige.
      Die Summe muss stimmten.

      Sonst könnte FCA dieses Jahr schon dicht machen.
      Wahrscheinlich ist die Pooling-Regelung dem Wirken der italienischen Regierung zu verdanke. Ebenso wie die Nicht-Reaktion auf Beweise Diesel-Abschaltvorrichtungen in FIAT-chrysler-Pkw.

      • bev

        unterm strich ist es aber trotzdem legale Schummelei um noch so lang wie möglich möglichst viele Verbrenner verkaufen zu können

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2020/09/20/co2-pool-volkswagen-tut-sich-mit-saic-und-ford-zusammen/
20.09.2020 11:16