08.10.2020 - 12:47

Hyundai ruft in Südkorea wohl 25.000 Kona Electric zurück

Hyundai wird in Südkorea nach Informationen des dortigen Verkehrsministeriums über 25.000 rein elektrische Kona-Modelle wegen eines möglichen Fehlers in den Batteriezellen von LG Chem zurückrufen. Offen ist, ob auch Modelle in anderen Ländern zurückgerufen werden.

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Hintergrund des Rückrufs ist, dass eine Reihe von Fahrzeugen dieses Modells in Brand geraten waren. Laut einem „Reuters“-Bericht handelt es sich aber um einen freiwilligen Rückruf des Autobauers, keine vom Ministerium angeordnete Rückruf-Aktion. Ab dem 16. Oktober sollen 25.564 Kona Elektro zurückgerufen werden.

Offen ist aber, welche Fahrzeuge genau betroffen sind: Laut Reuters handelt es sich um Exemplare, die zwischen September 2017 und März 2020 gebaut wurden. Wie der „Korea Herald“ schreibt, soll es sich aber nur um den Zeitraum vom 29. September 2019 bis zum 13. März 2020 handeln.

Zudem ist auch der genaue Umfang des Rückrufs unklar. Wie der „Korea Herald“ weiter berichtet, wird Hyundai bei dem Rückruf „batterie-bezogene Software“ updaten und das gesamte Batteriesystem ersetzen. Laut „Korea JoongAng Daily“ werde Hyundai nach dem Update des Batteriemanagements „alle Anomalien in den Batterien untersuchen und diese sofort ersetzen, wenn Anzeichen von Schäden vorliegen, einschließlich wesentlicher Änderungen der Batterietemperatur“.

Es wäre eine wichtige Unterscheidung, ob die Batterien generell getauscht werden oder nur, falls das geupdatete BMS einen Verdacht auf einen Schaden erfasst – das würde die Kosten des Rückrufs massiv beeinflussen.

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Ebenfalls noch unklar ist, ob auch Fahrzeuge in Deutschland betroffen sind. Bis zum Produktionsstart des Kona Elektro im europäischen Werk in Tschechien wurden alle Exemplare aus Ulsan importiert. Bei der 100-kW-Version des Kona Elektro ist das heute noch der Fall, da in Nosovice nur der 150-kW-Kona für Europa gebaut wird. Sobald Hyundai Motor Deutschland auf eine Anfrage von electrive.net reagiert, werden wir die Antwort an dieser Stelle nachreichen.

Insgesamt seien laut dem südkoreanischen Verkehrsministeriums 13 Brandfälle bei dem Kona Electric dokumentiert, darunter jeweils ein Fall in Kanada und Österreich. Hyundai bezeichnete den Rückruf als „proaktive Reaktion auf den Verdacht einer fehlerhaften Produktion von Hochvoltbatterien in den Fahrzeugen, die möglicherweise zu den gemeldeten Bränden beigetragen haben“.

Die Batteriezellen im Kona Electric werden von LG Chem zugeliefert. Der Zulieferer weist aber die Verantwortung von sich: Eine gemeinsam mit Hyundai durchgeführte Nachstellung habe nicht zu einem Brand geführt. Damit könnten die Fahrzeugbrände laut LG Chem „nicht auf fehlerhafte Batteriezellen zurückgeführt werden“. Dennoch werde sich LG Chem weiterhin aktiv an zukünftigen Ermittlungen von Hyundai beteiligen, um die Ursache zu finden.

An der südkoreanischen Börse gaben die Aktien von Hyundai um 1,4 Prozent nach, da die Anleger offenbar die Kosten des Rückrufs fürchten. Sollten dabei die ganzen Batterien getauscht werden, könnte der freiwillige Rückruf sehr teuer werden. Im Gegensatz zu Hyundai legten die LG-Chem-Papiere um 1,8 Prozent zu.

Update 12.10.2020: Wie die südkoreanische „Yonhap News Agency“ (YNA) am Wochenende unter Berufung auf Industriekreise berichtet, hat sich Hyundai inzwischen für einen freiwilligen Rückruf auch der in Übersee verkauften Kona Electric entschieden. Bisher war lediglich von 25.564 Einheiten auf dem südkoreanischen Markt die Rede. Dem YNA-Bericht zufolge sind nun weltweit rund 77.000 Kona Electric betroffen, die zwischen September 2017 und März 2020 gebaut wurden.

In den USA hat Hyundai Motor America wohl bereits einen Rückrufplan bei der zuständigen Behöres National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) eingereicht. Ein ähnlicher Schritt in Europa oder Deutschland ist noch nicht bekannt. Konkret soll es um 11.000 Fahrzeuge in Nordamerika und mehr als 37.000 Fahrzeuge in Europa gehen – sowie 3.000 Kona Electric in anderen Ländern. Zu den Umfängen der Rückrufaktion heißt es bei „YNA“ lediglich, dass Hyundai voraussichtlich „ähnliche Dienstleistungen“ in Übersee anbieten werden – also das in Südkorea angekündigte Software-Update des Batteriemanagementsystems sowie bei Anzeichen eines Schadens der Tausch der Batterie.

Unterdessen wehrt sich der Batteriezellen-Lieferant des Kona Electric, LG Chem, gegen die Darstellung des südkoreanischen Verkehrsministeriums. Das Ministerium hatte in den ursprünglichen Berichten die Fehler in den Batteriezellen als Ursache genannt. Laut LG Chem müsse die genaue Ursache der Brände noch ermittelt werden. Dabei dürfte es wohl um die Frage gehen, ob die Zelle selbst die Ursache ist oder die von Hyundai programmierte Steuerung.

Genau darauf zielt auch eine Aussage der „Auto, Motor und Sport“ ab: Im Hyundai Ioniq Elektro und im Renault Zoe kämen Batterien „mit ähnlichen oder gleichen Spezifikationen zum Einsatz“. „Diese beiden Modelle erlitten jedoch keine derart häufigen Brandunfälle. Dementsprechend sind Experten der Meinung, dass es notwendig ist, die Batteriezellen, den Kona Elektro und das BMS zu untersuchen“, so die AMS.

Diese Vermutung, dass das Batteriemanagement eine Rolle spielt, wird auch von einem Fall gestützt, zu dem electrive.net Informationen vorliegen. Nach einem plötzlichen Reichweitenverlust (nur noch ungefähr 300 Kilometer bei einem Kona mit 64-kWh-Batterie verfügbar) vermutete der Fahrer einen Defekt an der Batterie – eine Fehlermeldung gab es aber nicht. Per „EVnotify“ und „Torque“ konnte der Nutzer die einzelnen Zellen auslesen. Tatsächlich kam eine Zelle nur auf 3,08 Volt, während alle anderen Zellen in dem Batteriepack bei dem Ladestand bei 3,48 Volt lagen. Das BMS hat die einzelne Zelle aber nicht erkannt und abgeschaltet.

Nachdem die Hyundai-Werkstatt mit diesen Informationen die defekte Zelle ebenfalls gemessen hatte, wurde eine neue BMS-Software aufgespielt – womöglich jene Software, die nun bei dem Rückruf aufgespielt werden soll. Mit der verbesserten Software, das nun einzelne Zellen erfassen können soll, schaltete das BMS den betroffenen Kona Elektro sofort ab. Erst ein Austausch mehrerer Batteriemodule brachte hier Abhilfe. Es ist zwar zu keinem Brand gekommen, wohl aber zu einem Zusammenspiel aus einer defekten Zelle und einem BMS, welches die defekte Zelle nicht erkannt und abgeschaltet hat.
reuters.com, koreaherald.com, koreajoongangdaily.joins.com, yna.co.kr, auto-motor-und-sport.de (beide Update)

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2 Kommentare zu “Hyundai ruft in Südkorea wohl 25.000 Kona Electric zurück

  1. Andy_Be_Scheuer_t

    Jetzt gilt es für Hyundai & LG sich zu in der Krise zu beweisen.

    Technik kann nun mal Defekte mit sich bringen, auch bei einem BEV.

    Wenn sich alle Beteiligten nun um eine zeitnahe und für die betroffenen Kunden zufriedenstellende Lösung bemühen, wird das der eMobilität sogar dienlich sein können – hoffentlich.

    • Martin

      Wenn der Artikel richtig formuliert ist dann ist es kein Defekt sondern ein Softwareproblem. Wobei das im Ergebnis keinen Unterschied macht. Wenn der Update Brände verhindert dann ist das gut.

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https://www.electrive.net/2020/10/08/hyundai-ruft-in-suedkorea-wohl-25-000-kona-electric-zurueck/
08.10.2020 12:49