02.02.2021 - 14:47

Grünen-Politiker Özdemir: „Beim Pkw hat sich die Batterie-betriebene Mobilität durchgesetzt“

Cem Özdemir ist Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag. Bei seinem Auftritt bei der Online-Konferenz electrive.net LIVE forderte der Grünen-Politiker einen klaren Fokus auf die Batterie-elektrische Mobilität – und erteilte Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen im Auto eine Abfuhr.

„Die Beschlüsse des Pariser Klimaschutzgipfels sind auch für die Bundesrepublik Deutschland bindend“, sagte Özdemir im Interview mit electrive.net-Chefredakteur Peter Schwierz. „Das heißt, dass auch der Verkehr seinen Beitrag leisten muss, um aus dem CO2 herauszukommen. Das geht nach der Lage der Dinge nur mit einem Abschied aus dem fossilen Verbrenner.“

Man müsse die Wende „kraftvoll“ einleiten, da viele Länder – auch wichtige Absatzmärkte für die deutsche Automobilindustrie – bereits ein konkretes Datum für den Ausstieg gesetzt hätten. „Wir müssen raus aus dem fossilen Verbrenner und rein in eine Technologie, die bereits verfügbar ist und in der deutsche Hersteller bereits Fahrzeuge anbieten: die Elektromobilität“, so der Verkehrspolitiker.

Dass er nichts davon hält, eine Debatte darüber zu führen, ob und wie man den Wandel zur Elektromobilität schaffen könne, machte Özdemir deutlich. „Da verlieren wir wertvolle Zeit, denn die Konkurrenz schläft nicht“, sagte Özdemir. „Die Politik muss jetzt einen Rahmen für den Wandel setzen. Wir können nicht alt und neu gleichzeitig fördern: Acht Milliarden Euro pro Jahr Diesel-Privileg sind eine klare Subvention für eine Technologie, die keine Zukunft hat.“

Klare Worte fand Özdemir in dem Interview auch bei der immer wieder geforderten Technologieoffenheit. „Ich rate dringend dazu, die Wahrheit offen auszusprechen: Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe sind sehr spannend. Wegen der Dramatik des Klimawandels werden wir auch alles brauchen, aber nicht alles überall“, so der Grünen-Politiker. „Wir müssen unser Geld gut anlegen und dürfen die Physik nicht ignorieren: Beim Pkw hat sich die Batterie-betriebene Mobilität durchgesetzt.“

Was der Grünen-Politiker über SUV und Plug-in-Hybride denkt, wie er die deutsche Zulieferindustrie auf dem Weg in die Elektromobilität begleiten will und was er an seinem ersten Tag als Verkehrsminister alles angehen würde, erfahren Sie in dem vollständigen Video-Interview.

Das Interview mit Cem Özdemir war nur ein Teil der Konferenz electrive.net LIVE am 27. Januar 2021 mit dem Thema „Quo vadis Elektromobilität 2021“. Im Rahmen der Konferenz forderte unter anderem Martin Roemheld, Head of Charging bei Volkswagen, eine engere Zusammenarbeit von Autoindustrie, Energiebranche und Politik beim bidirektionalen Laden. In einem zweiten Panel diskutierten Johannes Pallasch (Leiter Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur), Timo Sillober (Vertriebschef EnBW) und Christoph Steinkamp (hySolutions GmbH) über den Ausbau der Schnellladeinfrastruktur in Deutschland.

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22 Kommentare zu “Grünen-Politiker Özdemir: „Beim Pkw hat sich die Batterie-betriebene Mobilität durchgesetzt“

  1. Udo Oelmann

    Es ist bedauerlich, dass sich immer wieder Menschen ohne jedweden technischen Sachverstand zur Technik äußern und Dinge propagieren, von denen sie absolut nichts verstehen – und es ist umso schlimmer, wenn das ein Politiker im Verkehrsausschuss tut. Und es ist noch erstaunlicher, wohin sich diese grüne Partei entwickelt hat, deren Pressestelle mir 2019 noch Stellungnahmen zugesendet hat, die deutlich erkennen lassen, dass man bei den Grünen offenbar noch nichts von der Existenz der Brennstoffzelle wusste.

    Würde man zu dem Energiebedarf von ca. 500 TWh (Terrawattstunden) an Strom auch noch derzeit die derzeit ca. 2000 an Brennstoffen, die heute fossile erzeugt werden, müsste man die Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien verzwölffachen und das Leitungsnetz verfünffachen – einmal davon abgesehen, dass wir gar nicht wüssten woher diese Energie kommen sollte.

    Und wenn wir nur den Blick auf den PKW richten, dann kann man doch mit Fug und Recht nicht behaupten, dass sich die bessere Technologie durchgesetzt hat, sondern der Verbraucher ist gezwungen das Angebot der Hersteller zu akzeptieren, welches (mit großer Anschubfinanzierung) seinen Weg in den Markt gefunden hat – mit allen Widrigkeiten des „Betankens“, des Gewichts und der Entsorgung von Batterien.

    Warum gibt es keine mutigen Politiker die das Wasserstoffauto ebenso fördern wie das Batterie-elektrische Auto. Und warum gibt es keine mutigen Hersteller, welche die heute am Markt befindliche innovative Technologie für Brennstoffzellen serientauglich machen und durch Mengendegressionseffekte Fahrzeuge anbieten können, die in Kosten, Gewicht und Leistung der Batterie deutlich überlegen sind?

    Bevor hier Missverständnisse aufkommen: als Diplom-Ingenieur Elektrotechnik weiß ich sehr genau, wovon ich rede.

    • Uwe

      Mit Verlaub, an dieser Stelle fehlt Ihnen offenbar der technische Sachverstand, auch wenn Sie Dipl.-Ing. sind (ich übrigens auch). An der Physik kommt niemand vorbei, und die besagt nun mal, dass der Energieaufwand für das Zurücklegen einer bestimmten Strecke bei der Nutzung von Wasserstoff nach Stand der Technik dreimal so hoch ist wie bei Lithium-Ionen-Batterien. Außerdem hat die direkte Nutzung der Elektroenergie klare infrastrukturelle Vorteile. Eine Steckdose findet sich, salopp gesprochen, überall, aber wie wollen Sie Ihr Brennstoffzellenfahrzeug zu Hause betanken?
      Die Brennstoffzelle ist unbestritten eine feine Technologie. Aber ihr Platz ist ganz klar in LKWs, Schiffen und ggf. auch Flugzeugen, aber nicht im PKW.

      • T.Voigt

        Ja Uwe, korrekt. Deshalb muß Technlogieoffenheit gegeben sein, je nach Anwendungs-/Nutzungsfall passend.

        • Kona64

          Beim Aufbau einer Infrastruktur darf man sich aber nicht verzetteln und öffentliches Geld verschwenden. Jeder der rechnen kann und will erkennt, dass H2 für PKWs im Massenmarkt noch für die nächsten Dekaden eine schlechte Entscheidung ist.

      • Jx

        1. ich bin auch Ingenieur in leitender Funktion in der Automobilindustrie und besitze zu dem auch eine betriebswirtschaftliche Ausbildung. Daher stört mich an der ganzen Diskussion, dass immer die Energieeffizienz als wichtigster Punkt genannt wird. Nur auf die Energiebilanz zu schauen ist doch ein bisschen realitätsfern und eher was für Freaks. Tatsache ist doch entscheidend sind Nachfrage/Akzeptanz und Wirtschaftlichkeit. Natürlich hat die Energieeffizienz auch Einfluss auf den Preis, aber da gibt es noch andere Variablen. Solange die Technik CO2 neutral ist sollte doch eigentlich jeder Mensch selbst entscheiden was er möchte bzw. sich leisten kann.

        2. Die Aussage von Herrn Özdemir ist doch etwas übertrieben. Ja E-Mobilität ist die zurzeit am stärksten wachsende Alternative Antriebsart. Aber bei dem jetzigen Absatzzahlen kann man das nun wirklich (noch) nicht sagen. Das jetzige Wachstum ist aber auch vorallem von der Politik gepusht.

        • Kona64

          Sie haben Recht. Solange die Technologie CO2 neutral ist wäre es egal. Das wird für lange Zeit für Wasserstoff nicht der Fall sein. 99% des in Deutschland verbrauchten H2 sind grauer H2. Aus Gas, Kohle oder chemisch gewonnen. Es gilt zunächst den Bedarf durch grünen H2 zu ersetzen, dann muss man die Stahl- und Zementindustrie dekarbonisieren. Öffentliche Gelder müssen wir da investieren wo sie für die Dekarbonisierung am schnellsten etwas bringen. Die Brennstoffzelle im PKW wäre da die falsche Wahl. Auch teuer für den Kunden.

    • Herwig

      Womit sollen denn die Brennstoffzellen-Fahrzeuge betrieben werden? Ach ja, Wasserstoff! Und den bringen Sie mit gutem Zureden dazu, sich aus dem Wasser abzuspalten? Oder brauchen Sie doch Strom? Hoffentlich grünen Strom! Und für diesen Umweg über Wasserstoff verbrauchen Sie leider dreimal soviel Strom wie bei Speicherung in der Batterie! Wie wird der (sinnlose) Zusatzverbrauch dann gedeckt??
      Übrigens, Herr Diplomingenieur Elektrotechnik: Es heißt Terawatt (ein “r”), hat nämlich nix mit Erde (Terra) zu tun!!

    • ET

      Wasserstoffautos werden doch ebenso gefördert wie Batterie-elektrische Autos?
      Können Sie bitte Ihre Rechnung zum Strombedarf genauer belegen, ich kann diese nicht nachvollziehen.
      Schöne Grüße, ein Elektrotechnik-Ingenieur

    • Alexander

      “Es ist bedauerlich, dass sich immer wieder Menschen ohne jedweden technischen Sachverstand zur Technik äußern…”
      Sie gehören aber scheinbar ebenso zu diesen Menschen.
      Im Jahr 2019 wurde in Deutschland alleine im PKW-Bereich ca. 430 TWh aus Benzin und Diesel verbraucht. Bei vollständiger Umsetzung von Verbrennern auf batterieelektrische Fahrzeuge bräuchte man ca. 140 TWh zusätzlichen Strom (was definitiv nicht wenig ist aber auch nicht als unmöglich erscheint). Was glauben Sie wie grüner Wasserstoff hergestellt wird? Genau aus Wasser und Strom, sehr viel Strom. Wenn wir also alles auf Brennstoffzelle umstellen benötigen wir alleine für den PKW Bereich ca. 400 TWh Strom. Woher soll dieser bitte kommen wenn Sie schon 140 TWh als problematisch ansehen.
      Genauso sieht es mit Heizungen aus. Natürlich kann man mit Wasserstoff auch heizen. Aber dann bekommen sie im besten Fall 0,6 kWh Wärmeenergie aus 1 kWh Strom. Mit einer Wärmepumpe erhalten Sie aus 1kWh Strom ca. 4 kWh Wärmeenergie. Also bitte erst informieren und dann über andere urteilen.
      Und mit den Kosten verhält es sich genauso, es sei denn der Wasserstoff wird wieder subventioniert.

    • Kurt Werner

      Hallo Udo Oelmann, zu Ihrer Beruhigung: die von Ihnen genannten 2000 TWh der anderen Sektoren müssen nur zum Teil durch Strom ersetzt werden. Im übrigen sind es nicht ausschließlich fossile Energieträger sondern auch -biogene. Bei Ersatz durch Strom muss auch der Vorteil beim Wirkungsgrad bedacht werden. Für das Elektroauto gibt es keinen Kaufzwang. Wer einen Verbrenner möchte, kann diesen nach wie vor kaufen. Wo liegt das Problem?

    • Benjamin

      Ich verstehe nicht, dass es immer wieder heißt, “die Politiker” dürften sich nicht zu technischen Dingen äußern, weil sie keine technische Ahnung hätten.
      Das selbe wird über Bildungspolitiker gesagt (keine Ahnung von Lehre/Forschung) über Landwirtschaftsminister (keine Ahnung von Bauern/Natur) und über Verteidigungsminister, die vielleicht vorher Familienminister waren.
      Wer Demokrat ist, wünscht sich keine “Fachregierung”, sondern ein demokratisches Parlament, indem Menschen aus der Gesellschaft sitzen, die dann entscheiden, was das beste für die Gesellschaft ist. Wer von sogenannten “Fachleuten” oder “Technokraten” regiert werden möchte, hat nichts von Demokratie verstanden. Die demokratisch legitimierten Politiker sollen sich einmischen und im Notfall entscheiden, was der beste Weg für die Gesellschaft in die Zukunft ist und nicht alles alleine dem Markt oder den Firmenbossen überlassen, die, mit Verlaub, genauso wenig Ahnung von Technik haben.

    • Gerd

      Ihren ersten Halbsatz können Sie ganz beruhigt in den Spiegel sprechen.
      Die Begründung haben ja schon andere geliefert.

      • Benjamin

        Dann stellen Sie sich mal die Frage, wer dann entscheiden soll, wenn nicht die demokratisch legitimierte Politik? Falls Sie hierbei an den (nicht demokratisch) legitimierten Markt denken, stellen sie sich mal die Frage wer “der Markt” ist…
        In solch wichtigen gesellschaftlichen und ökologischen Fragen möchte zumindest ich nicht, dass Millionäre und Unternehmen, die hauptsächlich den nächsten Quartalsergebnissen verpflichtet sind, (allein) entscheiden. Die haben nicht nur keine Legitimität, sondern denen geht es auch nicht um die “bessere” Technik oder die Ökologie, sondern einzig und allein um Gewinn. Das ist auch kein Vorwurf, sondern so sind halt Unternehmen in unserem Wirtschaftssystem gestrickt. Aber jetzt zu behaupten die Unternehmen wüssten besser welche Technik die beste ist, ist komplett naiv. Die beste Technik ist denen scheißegal.
        Äußerungen eines Bundestagsabgeordneten zu Fachthemen sind jederzeit legitim.
        Die Begründungen von anderen, auf die sie verweisen, sind mir bekannt. Ich halte sie für quatsch.

  2. Gjr

    Hui , der Herr Özdemir hat was für eine Expertise in Sachen E-Mobilität? Ach ja, in BaWü aufgewachsen. Das wars dann aber auch.

  3. Stefan Werner

    Also für einen Diplom Ingenieur Elektrotechnik schreiben Sie hier ziemlich wirres Zeug. Einerseits weisen Sie auf einen enormen Zusatzbedarf an elektrischer Energie für die Zukunft hin und propagieren zugleich die Brennstoffzelle im PKW mit ihrem enormen Mehrbedarf an elektrischer Energie im Vergleich zum batterieelektrischen Auto. Vielleicht würde es ihnen helfen nochmal kurz unter dem Punkt Wirkungsgrad in ihr Lehrbuch der Physik zu schauen. Zu ihrer Information, ich bin ein ganz normaler Elektriker, der zumindest die erforderlichen Grundrechenarten beherrscht.

  4. T. Voigt

    In Ergänzung zu H. Oelmann: Unglaublich, wie immer wieder Personen ohne Wissen zum einen auf solche Positionen kommen, zum anderen unwidersprochen solche Statements abgeben können / dürfen. Ein sachkundiger Interviewer müßte knallharte Fragen stellen, sonst bleibt es immer bei ..müßte … sollte… Annahmen ,… inhaltsleere Behauptungen,….Forderungen etc. , Nicht nur hier m.E. ein Totalversagen unsere angeblich kritischen Medien (bin auch Dipl.Ing.)

    • Simon Saag

      Finde es nur ich bedenklich, wenn gebildete Menschen, (angebliche Dipl.Ing.) sofort pauschal von einem „Totalversagen der Medien“ sprechen, wenn ihnen bei einem Interview die Fragen nicht passen? Da stellen sich mir die Nackenhaare auf.

      Ich gebe zu, Fragen wie „Was würden Sie an Ihrem ersten Tag als Verkehrsminister machen?“ sind sinnfrei, aber ansonsten fand ich das für ein Politiker-Interview fundierter und informativer als wenn da etwa Herr Scheuer gestanden hätte.

      Aber „unwidersprochen“ Statements abgeben und „inhaltsleere“ Behauptungen habe ich in dem Interview nicht gesehen.

      Ach ja, Hut ab an Electrive, dass der Kommentar von Herrn Voigt überhaupt freigeschaltet wurde!

  5. Tom 1

    Super sachlich geblieben, aber da sieht man wie die Bevölkerung hier tickt. Auch ohne Fachwissen wie bei Mir, aber sehr großem Interesse des Themas, kann Mann sich bilden und versteht, etwas die Materie.

  6. Markus Schlegelmilch

    Und wieder spricht die Politik hauptsächlich über ÖPNV und BEV = Stadtautos. Auf der anderen Seite fehlen die Ladestationen und Parkmöglichkeiten in den Städten. Ist das Potential für BEV auf dem Land nicht bei weitem besser? Einen Zweitwagen für das Pendeln ist hier sicherlich unumgänglich. Die Dichte an Garagen (= private Ladestationen) und klimaneutraler Stromerzeugung (= PV-Anlage) ist im ländlichen Bereich sicherlich höher und auf ÖPNV wird man hier noch Jahrzehnte warten müssen.
    Sollte man dort nicht mit einer Förderung beginnen?
    Einfach die Mehrwertsteuer auf PV und Heimspeicher mal aussetzen und schauen, was passiert. Danach das Gleiche auf BEV und FCEV. Und bitte ohne große Bürokratie.

  7. Volker Blandow

    Herr Özdemir wählt zumindest einen logischen Ansatz wenn er synthetische Kraftstoffe und Wasserstoff im PKW nicht sehen will. So mancher OEM (jüngst Scania) nennt BEV und E-Fuel als komplementäre Lösung und lehnt Wasserstoff aus Effizienzgründen ab.

    Das macht absolut keinen Sinn! E-Fuels nutzen als Vorprodukt grünen Wasserstoff, dann aber geht es ins “Rabbit Hole”: Karbonisierung, Verflüssigung, Transport um am Ende ein im Teillast-Bereich gnadenlos unterlegener Verbrennungsmotor!

    Da macht die Kette grüner Wasserstoff im FCEV energetisch deutlich mehr Sinn, 20-40% mehr Sinn in Effizienz ausgedrückt. Einfach weil die Brennstoffzelle im Fahrzeug mit stabil 50% viel besser ist als ein Verbrenner es je sein könnte und weil es weniger vorgelagerte Prozessschritte gibt. EIne einfache Logik!

    Ein BEV bleibt ungeschlagen in der Effizienz, ein FCEV ist 2-3 Mal schlechter. Nur, so einfach ist es am Ende nicht. Wenn man HPC und MWC (Mega Watt Charging) nimmt, ist es mit der Effizienz nicht mehr ganz so rosig, auch nicht im PKW. Zwar immer noch besser als FCEV, aber man nähert sich an. Die besten verfügbaren Elektrolyseure erreichen heute >70% Effizienz, es könnten mal 80% werden. (Hochdruck/Hochtemperatur)

    Das sieht man in Korea, Japan und China ganz genauso und setzt darum auch auf Wasserstoff, auch im PKW! (Wo verkaufen Deutsche OEMs 40% ihrer Autos?)

    Herr Özdemir denkt hier nicht global!

    Wenn man sich dann noch auf das heftig diskutierte Gebiet der Vorketten begibt gibt es zumindest einige Aspekte die man als Grüner bedenken sollte: Ein FCEV verglichen mit einem gleichwertigen BEV ist je nach Modell zwischen 300 und 500 kg leichter! Das ist nicht nur Masse die nicht “herumfährt”, es ist auch Masse die nicht aus dem Boden gebuddelt werden muss!

    Die Brennstoffzelle ist relativ leicht rezyklierbar, sie kommt ohne giftige Chemikalien aus. Der Platin-Belag wir zukünftig der Menge entsprechen, die wir heute in einem 3.0 l Bluetec-Diesel im Katalysator haben.

    Die Entscheidung für ein super effizientes BEV oder ein weniger effizientes FCEV, das mir 850 km Reichweite bietet (Sommer wie Winter) und das nach drei Minuten Betankung wieder 850 anzeigt, mag so manchem als Alternative zum Diesel einleuchten.

    Wer Effizienz, Heimladung und vielleicht einmal Heimspeicher (V2G) will, findet im BEV die ideale Option! Das ist doch keine Frage!

    Aber bitte Herr Özdemir, das lassen wir doch bitte den Markt entscheiden und nicht die Politik! (Sofern Emissionsfreiheit lokal/global gegeben sind!) E-Fuels sind lokal nicht emissionsfrei, weder bei Lärm noch bei Schadstoffen! (Da sind wir uns einig!)

    Länder ohne grosse Ressourcen an erneuerbaren Energien werden grünen Wasserstoff importieren müssen, eine Verstromung um dann ein BEV zu laden macht energetisch wenig Sinn. Besser direkt ins FCEV! Gleiches gilt in D wenn ich nicht genügend direkten Grünstrom im Netz habe, den Strom erst einem saisonalen Speicher zu entnehmen, in der Gasturbine zu verstromen und dann ein BEV zu laden? Das erklärt sich von selbst.

    Batteriespeicher sind keine saisonalen Speicher, sie sind Leistungsspeicher im Sekundenbetrieb, vielleicht Stundenbetrieb. Wasserstoff ist ein Lamgzeitspeicher und ein Importvektor. Trotzdem wird man an Autobahnen “Batterie lädt Batterie” haben, anders lassen sich Lastspitzen kaum abfedern. Hier kann man viel rechnen, es ist nicht trivial aber die Effizienz sinkt!

    Als Ingenieur gibt es noch eine andere Sicht: Den Energiewandler und den Energiespeicher physisch voneinander zu trennen gibt intrinsisch mehr Sicherheit. Bei einem Unfall trennen sich Tank und Brennstoffzelle und die Tanks sind wirklich sehr sicher!

    Auch die Batteriesicherheit steigt immer weiter, neue Kandidaten wie “Solid” oder “Semi-Solid” versprechen noch einmal mehr Sicherheit. Es bleibt aber Fakt, das die Energie in der Batterie gespeichert ist und in der Nachbehandlung (nach Unfall) irgendwie raus muss!

    Da wir keine Insel sind und unsere Produkte auch international erfolgreich sein müssen ist es dringend geboten hier auf Augenhöhe mit Korea, Japan und China zu kommen! Die USA entdecken auch gerade die Brennstoffzelle wieder!

    Herr Özdemir, bei aller Sympathie für Ihren Gesamtansatz, hier brauchen wir Technologieoffenheit!

    Jede Technologie die es ermöglicht Klimaschutzziele zu erreichen ist sinnvoll. Im LKW/Bus kommt es ohnehin. China rüstet gerade hunderte Batterie-Busse auf FC um, weil der Winterbetrieb nicht funktioniert hat und die Benzinheizungen nicht gewünscht sind! (die hatte man temporär eingebaut)

    Und noch ein letztes Argument: Die Auslastung der Infrastruktur für die Betankung von LKW und Lieferfahrzeugen lässt sich durch den PKW ganz prima erhöhen. Das senkt die Gesamtkosten und macht es privaten Investoren einfacher ohne Fördergelder Tankstellen zu bauen!

    Herzlichst, Volker Blandow

    • John

      Vielen Dank Volker für die umfassende Erläuterung.
      Als Politiker muss man einfache Botschaften transportieren. Für die Botschaft von dir hätten wohl nur wenige Wähler das Konzentrationsvermögen zur Aufnahme.
      Aber Herr Özdemir hätte sich technologieneutral äußern können wenn er den Sachverhalt kennen würde.
      Genau, lasst den Markt entscheiden!
      Denn neben der Sektorenkopplung gibt es noch eine weitere Veränderung mit Einflusspotential.
      Mit zunehmendem Automatisierungsgrad (L4 und L5) steigt auch der Energiebedarf im PKW. Ferner nimmt die Notwendigkeit ein eigenes Auto zu haben ab, da man Mobilitätsdienstleitungen flexibler komsumieren kann. Auch werden die Fahrzeuge teurer und es wird unwirtschaftlicher sie als “Parkzeuge” einzusetzen.
      In diesem Zusammenhang (und unter Berücksichtigung der o.g. Gründe) könnte sich auch die Einschätzung zum Thema H2/BZ im PKW noch einmal ändern.
      Außerdem “die Wahrheit liegt meistens in der Mitte”. Es ist nich Klever zu früh eine eindeutige Position zu beziehen.

  8. Thomas Leitlein

    Guten Tag
    Die Argumente basieren auf der alten fossilen Flotte, diese sollte auch leichtert werden. Das geht aber nicht mit den 2 Tonnen Masse-Schleudern und 200 km Spitzengeschwindigkeit. Moblilität muss umfassend neu gedacht werden. Es wird weiterhin Nischen für Vergrennungsmotoren geben, vielleicht nicht im Verkehrsbereich, aber mit biogenen Kraftstoffen als Backupsystem für Energiewerke. Wenn der Strom weiterhin fossil produziert wird, stellt sich die Klimafrage von ganz alleine. Jeder Politiker hat Zugang zu den besten Experten und ist bestens vernetzt, da von mangeldem Verständnis zu schreiben halte ich für eine Überheblichkeit, welche dem Ansehen der Person und Sache schaden. In letzter Konsequenz hätten wir eine Experntenregierung, welche für jedes Problem anders aussehen würde. Ich halte einen Systemwettbewerb unter den Bedinungen der Nachhaltigkeitskriterien für durchaus sinnvoll.

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02.02.2021 14:35