CV Charging Europe – Europäisches Ladenetz-JV von Daimler Truck, Traton und Volvo geht an den Start

Daimler Truck, die Traton Group und die Volvo Group haben den Startschuss für ihr angekündigtes Joint Venture zum Aufbau eines Hochleistungs-Ladenetzes für schwere Lkw und Reisebusse in Europa gegeben. Der letzte Schritt zur Gründung des Unterfangens ist vollzogen. Das Gemeinschaftsunternehmen wird wie vermutet von Anja van Niersen als CEO geleitet.

Einen entsprechenden Vertrag unterzeichneten die drei Partner bereits im Dezember 2021. Seitdem wurden die erforderlichen Genehmigungen der zuständigen Behörden eingeholt, heißt es nun in einer Mitteilung von Daimler Truck. „Dies ist ein langersehnter und wichtiger Schritt zum Aufbau der erforderlichen Ladeinfrastruktur. Ziel ist es, batterieelektrische Fernverkehrs-Lkw und Reisebusse erfolgreich auf dem Markt zu etablieren“, sagt Martin Lundstedt, Präsident und CEO der Volvo Group. „Wir schaffen damit, was für einen Akteur allein nicht möglich wäre – diese starke Partnerschaft ist ein Meilenstein und ein wichtiger Impuls auf dem Weg zum CO2-neutralen Transport in Europa bis 2050.“ Der Name des Gemeinschaftsunternehmens ist Arbeitsauftrag und Programm zugleich: Commercial Vehicle Charging Europe. In den sozialen Netzwerken wird aber die Kurzform CV Charging Europe verwendet, etwa auf Twitter und Linkedin. Manche sprechen dabei übrigens von einem Arbeitstitel. Möglich also, dass sich der Name noch ändert.

An den grundsätzlichen Zielen des Unternehmens hat sich nichts geändert: Innerhalb von fünf Jahren ab Gründung des Joint Ventures sollen mindestens 1.700 Hochleistungs-Ladepunkte für Ökostrom an und in der Nähe von Autobahnen sowie an Logistik-Hubs in Europa errichtet und betrieben werden. „Das Joint Venture will Stationen für schwere Lkw und Reisebusse als sogenannter ‚Charge Point Operator‘ (CPO) errichten und betreiben“, heißt es in der aktuellen Mitteilung weiter. Somit eifert CV Charging Europe seinem Vorbild aus der Pkw-Welt nach: Dort hatten sich die Hersteller mit IONITY ebenfalls einen Anbieter gezimmert, der ein Schnellladenetz für Elektroautos auf dem gesamten Kontinent hochgezogen hat – und es weiter ausbaut.

Zurückhaltende Kommunikation, günstiges Timing

Allerdings halten sich Daimler, Volvo und Traton noch immer mit technischen Details bedeckt. Ladestandard, Ladeleistung und auch die geplante Größe der Ladeparks bleiben unklar. „Die Hochleistungs-Ladestationen des Joint Ventures sollen sich durch Zuverlässigkeit und gute Erreichbarkeit auszeichnen“, heißt es von Daimler Truck lediglich. „Das Angebot des Joint Ventures soll den Kunden in den Fokus stellen und sich an alle Betreiber von batterieelektrischen schweren Nutzfahrzeugflotten richten.“ Dabei sind die Rahmenbedingungen eigentlich klar: Das Megawatt Charging System (MCS) wurde erst kürzlich demonstriert und wird bald der Branchenstandard sein. Auch das Stecker-Layout steht fest. Alle Details finden Sie hier.

Die Zurückhaltung in der Kommunikation hängt vielleicht damit zusammen, dass auch die Politik gerade erst die Grundlagen für das Laden von elektrischen Trucks legt. So sieht auch der Ende letzter Woche vorgelegte Masterplan Ladeinfrastruktur II ein initiales Ladenetz für E-Lkw vor. Anfang des kommenden Jahres wollen sich Verkehrs- und Wirtschaftsministerium auf Finanzierungs- und Fördermaßnahmen einigen sowie „Muster-Layouts“ für die Lkw-Ladeparks entwerfen. Bis Ende 2023 sollen die „Standardisierung Lkw-Laden“ und „Einheitliche Bezahlsysteme für E-Lkw“ stehen, damit im vierten Quartal 2023 die Ausschreibung für ein deutschlandweites E-Lkw-Ladenetz veröffentlicht werden kann. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass sich CV Charging Europe daran beteiligen wird. Das Timing ist günstig.

Daimler, Volvo und Traton sind übrigens zu gleichen Teilen an dem Joint Venture beteiligt. Zusammen legen sie 500 Millionen Euro in die Kasse. Es handele sich „nach Kenntnisstand der Unternehmen um die bisher bei Weitem größte Investition in Ladeinfrastruktur für schwere Lkw in Europa“. Angesiedelt wird CV Charging Europe übrigens in Amsterdam in den Niederlanden. An der Spitze steht mit Anja van Niersen als CEO eine Fachfrau, die reichlich Erfahrung aus der Pkw-Ladeinfrastruktur mitbringt. Dass die Co-Gründerin des Ladeinfrastruktur-Anbieters Allego die Position an der Spitze des Unternehmens einnehmen soll, ist seit spätestens April dieses Jahres bekannt. Van Niersen war von 2016 bis 2019 Chefin von Allego. „Mit Anja van Niersen hat dieses Joint Venture eine Geschäftsführerin mit viel Erfahrung im Aufbau von Ladenetzen“, sagt nun Christian Levin, CEO der Traton Group. „Anja und ihr Team werden diese wichtige Entwicklung unterstützen, um den nachhaltigen Verkehr weiter voranzubringen.“

Mit dem jüngsten Schritt verbinden die drei Unternehmen auch einen Aufruf zum Handeln an alle anderen Branchenakteure sowie auch an Regierungen und Gesetzgeber, die europäischen Klimaziele gemeinsam mit einem zügigen Ausbau des notwendigen Ladenetzes sowie Investitionen in erneuerbare Energien zu erreichen. Das passt ebenfalls zum deutschen Ansatz: Auch die Berliner Ministerien wollen sich in Europa eng abstimmen, schließlich ist Deutschland als Transitland keine Insel.

„Wir freuen uns sehr, dieses neue Joint Venture nun gemeinsam mit unseren Partnern zu starten“, sagt Martin Daum, CEO von Daimler Truck. „Entscheidend ist, dass jetzt die Initiative für den Aufbau des dringend benötigten Ladenetzes ergriffen wird. Daher rufen wir die gesamte Branche auf, sich ebenfalls in diesem Bereich zu engagieren. Damit der elektrische Fernverkehr für unsere Kunden zu einer überzeugenden Alternative wird, muss die Zahl der Ladepunkte so schnell wie möglich deutlich erhöht werden.“
media.daimlertruck.com, cvchargingeurope.com

Redaktionelle Mitarbeit: Peter Schwierz

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