SAP lässt Tesla als Dienstwagen-Lieferant abblitzen

Tesla verliert zunehmend Großkunden. Nach den Autovermietern Hertz und Sixt kündigt mit SAP nun der nächste Konzern an, bei der eigenen Flotten-Elektrifizierung ohne Teslas auskommen zu wollen. Hertz pausiert obendrein die Beschaffung von Polestar-Stromern. Wir beleuchten, warum Großunternehmen anders ticken als der Gesamtmarkt.

tesla model y 2024 03 min
Bild: Tesla

Tesla hat mit dem Model Y das weltweit meisterverkaufte Auto des Jahres 2023 im Sortiment. Doch der in Walldorf bei Mannheim ansässige Software-Konzern SAP streicht Tesla von seiner Liste der Dienstwagen-Lieferanten. Das berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Steffen Krautwasser, den globalen Flottenchef von SAP. Krautwasser war erst kürzlich bei unserer Online-Konferenz electrive LIVE zu Gast, um die Elektrifizierungs-Roadmap seines Hauses zu skizzieren. Schon heute hat SAP viele Elektroautos in der Flotte. Ab 2025 werden Krautwasser und sein Team auf Anweisung des SAP-Executive Board aber nur noch emissionsfreie Fahrzeuge bestellen. Teslas werden nach den neuen Informationen des „Handelsblatt“ aber nicht darunter sein.

Der Grund: „Die Listenpreise schwanken bei Tesla stärker als bei anderen Herstellern, das erschwert die Planung und ist ein höheres Risiko für uns“, so Krautwasser gegenüber dem Wirtschaftsblatt. Probleme bereiteten auch die Lieferbedingungen: Die Fahrzeuge werden laut dem SAP-Flottenchef oft früher geliefert als vereinbart, was bei Lagerung und Logistik Schwierigkeiten bereite.

Zuletzt hatten schon die Autovermietungen Hertz und Sixt angekündigt, Tesla aus dem Programm zu nehmen. Auch sie beklagten unter anderem die mit den E-Fahrzeugen des US-Unternehmens zusammenhängende Restwert-Problematik. Denn: Während Autovermieter ihre Fahrzeuge normalerweise über eine „Buy Back“-Vereinbarung an den Hersteller zurück verkaufen können und damit kein Restwert-Risiko tragen, bietet Tesla solche Vereinbarungen nach Medieninformationen nicht an. Hinzukommen die von Krautwasser angeführten schwankenden Preise, die jede Restwertprognose erschwert. Nach einem Zickzack-Kurs in 2022 drückte Tesla die Listenpreis in den vergangenen zwölf Monaten ständig runter, was den Wiederverkaufswert von Tesla-Gebrauchtfahrzeugen natürlich mindert. Hertz und Sixt zogen beide noch 2023 die Reißleine.

Verfrühte Auslieferungen schaffen Probleme

Die von Krautwasser angesprochene verfrühte Auslieferung dürfte damit zusammenhängen, dass Tesla vergleichsweite wenige Ausstattungsvarianten bietet und daher häufig vorproduzierte Neuwagen in der passenden Konfiguration kurzfristig parat hat. Privatkunden sind oft erfreut, wenn ihr bestelltes Auto schon binnen Tagen verfügbar ist. Flottenbetreiber mit ihrer monatelangen Planung können solche verfrühten Auslieferungen aber in die Bredouille bringen. Bei SAP ist das der Fall.

Krautwassers Abteilung verantwortet rund 28.000 Fahrzeuge, darunter etwa 18.000 in Deutschland. Zurzeit sind in der SAP-Konzernflotte rund 3.100 reine Elektroautos und 4.500 Plug-in-Hybride integriert, die an circa 1.200 Ladepunkten an Unternehmensstandorten und etwa 2.000 Wallboxen bei den Mitarbeitern zu Hause geladen werden können. Die Bestellungen von BEV lagen 2020 noch bei sieben und 2023 bereits bei 32 Prozent. Bisher alles auf freiwilliger Basis. Ab kommenden Jahr greift dann die oben erwähnte Regel, wonach nur noch emissionsfreie Fahrzeuge bestellt werden können. Gemäß der üblichen Verweildauer in der Flotte rechnet Krautwasser damit, dass ab 2030 die letzten Verbrenner und PHEV ausgemustert sind.

In unserer Online-Konferenz berichtete der SAP-Fuhrparkchef kürzlich, wie der Software-Konzern vor zehn Jahren anfing, mit E-Autos zu experimentieren. Plug-in-Hybride bezeichnet er als sinnvolle Übergangstechnologie, die etliche Mitarbeiter an die E-Mobilität herangeführt habe. „Wir haben uns intern viel mit Modellen und Ladeinfrastruktur beschäftigt, inzwischen glaube ich, dass Change Communication das größte Thema ist.“ Es gebe im Unternehmen viele Neustarter in Sachen E-Mobilität, „die wollen sich nicht mir Ladekurven beschäftigen, sondern nur von A nach B kommen“. Um die Leute mitzunehmen sei viel Kommunikation gefragt.

Außerdem rückte Krautwasser bei electrive LIVE die Kosten in den Fokus, schließlich werde verlangt, dass man profitabel agiere: „Da wir früh begonnen haben, können wir Vergleichswerte heranziehen. Daher können wir sagen: Elektroautos sind nicht nur ein Nachhaltigkeits- sondern ein Business-Case.“ Die höheren Anschaffungskosten werden durch niedrigere Betriebskosten aufgefangen. Allerdings bleibt die Kalkulation dynamisch: „Die Förderung ist weggefallen. Steuervorteile werden früher oder später wegfallen. Und wie sich die Kosten bei Unfällen entwickeln, müssen wir noch abwarten.“

Dem „Handelsblatt“ gegenüber äußerte Krautwasser nun, dass die Mitarbeitenden immer noch großes Interesse an Tesla-Dienstwagen haben – aber mit abnehmender Tendenz. Beliebt sei etwa auch Polestar, die schwedisch-chinesische Marke des chinesischen Geely-Konzerns.

Hertz tritt bei Polestar-Beschaffung auf die Bremse

Ein anderer Konzern mit Großflotte hat Polestar dagegen gerade ausgebremst: Hertz pausiert die Beschaffung bei dem Hersteller. Laut einem aktuellen Bericht der Financial Times hat Polestar in den Jahren 2022 und 2023 rund 20.000 der 65.000 bestellten E-Autos an Hertz ausgeliefert und jetzt zugestimmt, auf die Verpflichtung von Hertz zur Abnahme der für 2024 geplanten Autos zu verzichten. Im Gegenzug erklärt sich der US-amerikanische Autovermieter bereit, seine aktuellen Polestar-Fahrzeuge nicht vorzeitig oder zu billig zu verkaufen. Eine Begründung für den Schritt liefert Hertz nicht.

Die Entwicklungen zeigen aber: Großkunden gehen eher TCO-gesteuert vor. Tesla kommt aber viel über die emotionale Ansprache. Im Privatkundenmarkt verfängt das. Auch kleinere Unternehmen sprechen darauf an. Nicht aber die großen Player, denen beispielsweise durchaus wehtut, dass Tesla im Gegensatz zu anderen Herstellern grundsätzlich keine Rabatte für Großbestellungen gewährt. Laut Statistiken des Branchendienstes Dataforce kam Tesla 2023 mit 3.450 Fahrzeugen auf nur etwa ein Prozent Marktanteil bei deutschen Großkunden. Bei Selbstständigen und Firmen mit kleinem Fuhrpark waren es dagegen fast vier Prozent.

handelsblatt.com (Tesla), ft.com (Paywall) via twitter.com (Polestar)

6 Kommentare

zu „SAP lässt Tesla als Dienstwagen-Lieferant abblitzen“
Emobilitätsberatung-berlin K.D.Schmitz
06.02.2024 um 17:28
Autovermieter haben es schwer mit der Tesla Preispolitik. Das SAP nicht einsteigt kann ich aber nicht nachvollziehen.
Firmenfahrer
07.02.2024 um 07:26
Es geht im wesentlichen um Rabatte. Keine 30% Grosskundenrabatt im Einkauf wie bei BMW. Keine 20% Werkstatt-Rabatte von Opel. Keine Kickbacks vom lokalen Autohaus, das über einen solchen Firmenkunden wachsen will.
C. Brinker
07.02.2024 um 10:00
Es geht zwar auch um Rabatte, aber nicht ausschließlich. Die nicht vorhandene Zuverlässigkeit im Rahmen von Anschlusslieferungen führen jede Planung ad absurdum. Da immer mehr Konkurrenzprodukte auf den Markt kommen, wird sich zeigen, ob sich das Tesla auf Dauer leisten kann und will…
Teslafan
08.02.2024 um 08:00
Jetzt kauft man keine Tesla mehr weil der Preis zu niedrig ist. Na dann viel Spaß mit den weniger effizienten Modellen anderer Hersteller. Man sollte sich eher fragen wo sich der Rest Wert von zb. Elektro VWs hinentwickelt wenn diese deutlich schlechter im Preis-Leistung Verhältnis sind als Tesla.
Daniel
08.02.2024 um 08:57
Kann man machen. Ist dann aber halt schlecht für die Mitarbeitermotivation und das Unternehmen. Ich musste unternehmensbedingt kürzlich auch von einem Tesla Model Y auf einen VW ID4 wechseln und fühle mich jetzt in der elektromobilen Steinzeit: - 40% höherer Verbrauch - doppelte Ladedauer - schreckliche Software mit winzigem und hakeligen Mäusekino - nicht nutzbare App - keine brauchbare Routen-/Ladeplanung - Soundsystem aus den 90ern - physischer Schlüssel, den man rumschleppen muss - Start-Stopp-Knopf (den man offensichtlich ignorieren kann?) - Fahrgefühl eines alten Automatik-Verbrenners (Creep-Modus, kaum Rekuperation, kein One-Pedal-Driving, extrem schwammige Lenkung) Und für 60.000€ hat mein ID4 nicht mal einen Regensensor, dafür aber Stahlräder ;-) Das ist dann E-Mobilität zum abgewöhnen.
Gregor
08.02.2024 um 11:20
bin hier beim Carsharing die MEB Modelle von VW gefahren. Und ja, die Software UI ist der aller letzte Dreck. Selbst einen Tag später habe ich die Batterieinfos nicht mehr gefunden. Keine Ahnung was die sich dabei gedacht habe. Gegenüber dem M Y hat VW im Fahrgefühl keine Vorteile mehr. Das M3 ist etwas sportlich gefedert, da bevorzuge ich MEB. Aber die Klavierlack Oberflächen bei VW, die finde ich ganz ganz ganz toll. Die schmierig, fettigen Handabdrücke der Vormieter sind toll zu sehen.

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