BMW Vision Neue Klasse X: Ausblick auf BMWs neues Elektro-SUV

BMW hat mit der SUV-Studie Vision Neue Klasse X einen Ausblick auf das erste Elektromodell auf Basis der Fahrzeugarchitektur Neue Klasse gegeben. Dabei handelt es sich um jenes Modell, dessen Serienproduktion in der zweiten Jahreshälfte 2025 im ungarischen Werk Debrecen anlaufen soll.

bmw vision neue klasse x 2024 10 min
Bild: BMW

Kurz vorweg: Auch wenn wir von SUV sprechen, ist die Studie in der BMW-Interpretation ein SAV, also ein „Sports Activity Vehicle“. Damit geben die Münchner schon die Richtung vor, dass es beim Karosseriedesign eher um Lifestyle als um Nutzwert geht. Da außerhalb der Firmenzentrale im Petuelring 130 SAV aber keine geläufige Bezeichnung ist, bleiben wir hier beim SUV.

Wie bei derartigen Studien üblich, gibt es auch beim Vision Neue Klasse X keine konkreten technischen Daten, BMW geht aber dennoch bei einem wichtigen Punkt der Antriebe etwas mehr ins Detail. Um die „im BMW-Markenkern verankerte Fahrfreude“ in die Neue Klasse zu übertragen, wurde eine eigene Antriebs- und Fahrwerksregelung für die eDrive-Antriebe der sechsten Generation entwickelt.

Sie basiert auf einem neuen, von der BMW Group in Eigenregie entwickelten Softwarestack und soll den Fahrzeugen der Neuen Klasse „zu einem jederzeit stimmigen Fahrverhalten“ verhelfen, wie es in der Mitteilung ausgedrückt wird. Im Zentrum stehen dabei zwei der vier Hochleistungsrechner (von BMW als „Superhirne“ bezeichnet), die für diese Funktionen verantwortlich sind. 

„Im BMW der Zukunft arbeiten vier völlig neue Superhirne: Hochleistungsrechner, die smart bündeln, was bisher getrennt voneinander lief. Das erste Superhirn haben wir zu 100 Prozent selbst entwickelt“, sagt BMW-Entwicklungsvorstand Frank Weber. „Es integriert die komplette Antriebs- und Fahrdynamik mit bis zu zehnmal höherer Rechenleistung. Das zweite Superhirn macht den nächsten Weitsprung beim automatisierten Fahren möglich.“ Laut dem Vorstand soll das Ergebnis klar sein: „Mehr Dynamik, mehr Präzision, mehr Effizienz und noch mehr Fahrfreude.“

Auf die Batterie der Studie geht BMW in der Mitteilung nicht näher ein. Klar ist aber, dass die Neue Klasse von prismatischen Zellen der aktuellen BMW-Modelle zu großvolumigen Rundzellen im Cell-to-Pack-Konzept wechselt. Bei den flachen Modellen (also etwa der im Herbst vorgestellten Studie Vision Neue Klasse) handelt es sich um 4695-Zellen mit 46 Millimetern Durchmesser und 95 Millimetern Höhe. Die „hohen“ Modelle der Neuen Klasse nutzen jedoch 46120-Zellen, die bei gleichem Durchmesser 120 Millimeter hoch sind – wie in der Vision Neuen Klasse X. Mit dem 800-Volt-System dürften Ladeleistungen von deutlich über 200 kW möglich sein. Innerhalb von zehn Minuten kann eine Reichweite von 300 Kilometern nachgeladen werden. 

BMW bringt bidirektionales Laden in die Neue Klasse

Mit der Vision Neue Klasse X kündigt BMW aber noch ein Feature an, das die ganze Architektur erhalten wird: bidirektionales Laden. BMW wird hier die volle Funktionspalette bieten, also vom Laden externer Geräte wie E-Bikes (Vehicle-to-Load) über den Betrieb des Hauses mit Strom aus dem E-Auto-Akku (Vehicle-to-Home) bis hin zur Netzeinspeisung (Vehicle-to-Grid) – letzteres zumindest künftig.

In der ersten Phase wird Vehicle-to-Home angeboten, hierfür ist aber die spezielle DC-Wallbox „BMW DC Wallbox Professional“ nötig. Damit kann der im Fahrzeug gespeicherte Strom – idealerweise eigener PV-Strom – bei Bedarf auch wieder ins Hausnetz gespeist werden. So kann etwa der Eigenverbrauch des PV-Stroms erhöht werden, indem er bis zum Verbrauch in den Abendstunden zwischengespeichert wird. Das senkt auch die Energiekosten.

Erst in einer zweiten Stufe sollen die BMW-Kunden „einen Teil ihrer Batteriekapazität extern zur Verfügung stellen“ können. „Diese Energie kann dann zu geeigneten Zeiten zum Einspeisen in das Stromnetz verwendet werden. Der Zugang zum Energiemarkt erfolgt durch den BMW Kooperationspartner E.ON. E.ON übernimmt mit seinem dynamischen Stromtarif zusammen mit dem BMW Backend die Steuerung des Ladevorgangs, um damit Erlöse durch den Energiehandel zu generieren“, beschreibt BMW den Vorgang. Ab wann diese Funktion in den verschiedenen Märkten nutzbar sein wird, hängt von der Verabschiedung der dafür erforderlichen regulatorischen Bestimmungen sowie lokalen Gegebenheiten ab.

Vision Neue Klasse X trägt neues BMW-Markengesicht

Mit Vehicle-to-Load kann die im Fahrzeug gespeicherte Energie für externe elektrische Geräte nutzbar gemacht werden. „Damit fungiert die Neue Klasse praktisch wie eine mobile Power-Bank, um z. B. ein E-Bike zu laden oder elektrische Geräte beim Campen mit Energie zu versorgen“, so BMW. Hierbei wird es sich aber um Wechselstrom handeln. Ob dieser Wechselstrom über eine Steckdose im Fahrzeug oder auch wie bei Hyundai und Kia per Adapter aus dem Ladeport bezogen werden kann, gibt BMW noch nicht an.

Bei der SUV-Studie geht es vor allem um das Design. Grundsätzlich greift das SUV die Optik der bekannten Limousinen-Studie auf und auch BMW spricht bereits von dem „neuen Markengesicht für BMW X-Modelle“. Sprich: Was BMW am Rande seiner Jahrespressekonferenz 2024 gezeigt hat, dürfte dem späteren Serienmodell bereits recht nahekommen. Dass man in München Serienautos durchaus nahe an den Studien hält, hat einst der i3 gezeigt – auch wenn in der Folge mit dem Multi-Energy-Ansatz etwas der Mut gefehlt hat. Mit der Neuen Klasse wird BMW seine neuen Modelle jedoch wohl wieder deutlich stärker von den Kern-Baureihen abheben.

Die bei vielen Modellen zuletzt enorm breit gewordene BMW-Niere fällt hier wieder betont schmal aus und prägt mit ihrem vertikalen Design die Frontpartie. Zugleich ist sie als „dreidimensionale Skulptur“ mit hinterleuchteten Konturen ausgelegt, was gemeinsam mit den Scheinwerfern (die ihrerseits an die Limousinen-Studie erinnern) die Lichtinszenierung ergeben soll. Die L-förmigen Rückleuchten sind zum Teil im 3D-Druck gefertigt.

Innen gibt es ein neu gestaltetes Lenkrad mit Multifunktionstasten, das Central Display mit intuitiver Touchfunktion und das „BMW Panoramic Vision“, das die wichtigsten Informationen über die gesamte Breite der Windschutzscheibe projiziert – also eine Art Mega-Head-up-Display.

In puncto Aerodynamik weist der Vision Neue Klasse X laut BMW einen neuen Topwert auf: Der Luftwiderstand habe sich im Vergleich zu einem vergleichbaren Modell des aktuellen Portfolios um 20 Prozent reduziert. Neue Reifenkonstruktionen sowie ein spezifisches Bremssystem für vollelektrische Fahrzeuge sollen helfen, die Gesamteffizienz des Fahrzeugs um bis zu 25 Prozent zu steigern. Aktuell laufen bereits die Erprobungsfahrten der ersten Einheiten unter Extrembedingungen.

„Zusammen mit dem BMW Vision Neue Klasse steht der BMW Vision Neue Klasse X für das breite Spektrum unseres künftigen BMW Modellportfolios. Ob sportliche Limousine mit all ihren Derivaten oder moderne SAV-Familie: Die Neue Klasse kann die Vielfalt all der Modelle abbilden, die unsere Kunden heute und in Zukunft begeistern“, sagt Oliver Zipse, Vorsitzender des Vorstands der BMW AG. „Damit unterstreichen wir: Die Neue Klasse ist viel mehr als nur ein Fahrzeug oder ein bestimmtes Konzept, sie ist die Neudefinition der Marke BMW – und zugleich mehr BMW als je zuvor.“

bmwgroup.com (Studie), bmwgroup.com (bidirektionales Laden)

4 Kommentare

zu „BMW Vision Neue Klasse X: Ausblick auf BMWs neues Elektro-SUV“
Peter
21.03.2024 um 13:37
Wow! Geiles Design... I like
H. Ebel
22.03.2024 um 07:51
Stimme ich dir zu, ausser die hässliche Niere. Die verdirbt die ganze vordere Front. Und eher auf "Lifestile"ausgelegt? Na ja, wer's braucht und das Geld so arg drückt...
Moritz
21.03.2024 um 14:52
Ich glaube hier ist ein Fehler unterlaufen. Das Zellformat sollte vermutlich 4695 und 46120 sein und nicht 48XX.
Josef
25.03.2024 um 08:12
Damit ist der brandneue i5 schon bei der Bestellung technologisches Alteisen...in einem Jahr gibt es dann Autos mit der neuen 800v Technik und der Restwert der 5er stürzt sicher komplett ab.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert