Hongqi erwägt Europa-Produktion bei Stellantis
Über die angeblichen Gespräche zwischen der FAW-Marke und Stellantis hat die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen berichtet. Der Ausgang dieser Gespräche ist wohl noch offen. Die Tatsache, dass sie stattgefunden haben bzw. noch laufen, ist jedoch recht wahrscheinlich: Reuters will das von gleich fünf Informanten erfahren haben.
In die Gespräche soll auch der chinesische Elektroautobauer Leapmotor eingebunden sein, wohl aber eher als eine Art Vermittler – sowohl Stellantis als neuerdings auch FAW sind wichtige Anteilseigner von Leapmotor, Stellantis ist jedoch der größte Einzelaktionär. Aber auch im späteren Verlauf einer möglichen Kooperation könnte Leapmotor eine Rolle spielen: Leapmotor baut gerade selbst eine Lieferkette in Spanien auf, um eigene Modelle im Stellantis-Werk Saragossa bauen zu lassen. Auf diese Lieferkette könnte unter Umständen Hongqi dann aufbauen.
Während derartige Details noch Spekulation sind, zeichnet sich immer deutlicher ab, dass Stellantis nach weiteren Partnern in China sucht, um seine europäischen Werke besser auszulasten. Neben der naheliegenden und bestätigten Partnerschaft mit Leapmotor soll es laut früheren Berichten auch schon Gespräche mit Xpeng, Xiaomi und Dongfeng gegeben haben. Jetzt werden erstmals auch FAW und Hongqi mit Stellantis in Verbindung gebracht.
Stellantis lehnt Kommentar dieses Mal ab
Hongqi, FAW und Leapmotor haben auf Anfragen von Reuters mit Bitte um Stellungnahme zu den Insider-Informationen nicht reagiert, Stellantis hat einen Kommentar dazu abgelehnt. Bei den Gerüchten über die Verhandlungen mit Dongfeng Mitte April und mit Xiaomi und Xpeng im März hatte Stellantis jeweils noch offener geantwortet und angegeben, dass man „im Rahmen seiner üblichen Geschäftstätigkeit Gespräche mit verschiedenen Branchenakteuren weltweit zu diversen Themen“ führe. Konkreter wurde der Mehr-Marken-Konzern aber auch damals nicht.
Die Möglichkeit, in einem weniger gut ausgelasteten Stellantis-Werk in Europa zu produzieren, wo es bereits etablierte Zulieferer-Strukturen und Logistikkonzepte gibt, stellt theoretisch für chinesische Unternehmen eine attraktive Option dar, schneller eine eigene Produktion in Europa zu etablieren und so die EU-Sonderzölle auf importierte E-Autos aus China zu vermeiden. Xpeng lässt aus diesem Grund seine Fahrzeuge für Europa beim Auftragsfertiger Magna in Graz bauen. BYD ist hingegen den teureren Weg gegangen und zieht eigene Europa-Werke hoch.
Die FAW-Premiummarke Hongqi strebt an, bis 2028 mehr als ein Dutzend Elektro- und Hybridmodelle in Europa auf den Markt zu bringen. Diese Pläne könnten mit einer eigenen Europa-Fertigung bei Stellantis stark beschleunigt werden. Und laut den Informanten könnte es dem Unternehmen auch dabei helfen, „Ausgaben in Höhe von Hunderten Millionen Dollar für ein neues Werk zu vermeiden“.
Hongqi ist einst als Hersteller der chinesischen Staatslimousinen bekannt geworden, der Name bedeutet übersetzt „rote Flagge“. Mit zunehmend günstigeren Modellen zieht es Hongqi inzwischen auch vom Luxus- in das Premiumsegment. Bis 2030 soll der Absatz auf eine Million Fahrzeuge steigen, davon sollen zehn Prozent – also 100.000 Einheiten – außerhalb von China verkauft werden. In Deutschland hatte sich Hongqi zum April vom bisherigen Import-Partner Hedin getrennt und will den Vertrieb künftig selbst in die Hand nehmen.
Neben der Möglichkeit, direkt in Europa bei Stellantis zu fertigen, prüft Hongqi laut einer Reuters-Quelle aber noch eine andere Option: ein Werk in Hongkong. Dort würden im Vergleich zu in Festland-China hergestellten Fahrzeugen geringere Zölle auf Exporte anfallen, auch nach Europa.





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