Lotus verstärkt Hybrid-Fokus – zulasten von Elektroautos

Lotus gehörte zu den ambitionierten Marken, die 2021 für das Ende der Dekade eine vollständig elektrische Modellpalette bieten wollten. Daraus wird aber nichts: Die britische Geely-Marke strebt weniger als 40 Prozent BEVs an. Daneben soll es künftig Plug-in-Hybride und auch noch reine Verbrenner geben.

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Bild: Lotus

Vor fünf Jahren schwappte eine große Ankündigungswelle durch die Branche: Etliche Marken wollten sich zu reinen Elektroherstellern wandeln, darunter Volvo, Jaguar und auch Lotus. Die Geely-Tochter gab im April 2021 an, dass der Emira der letzte Lotus-Sportwagen mit einem Verbrennungsmotor werde und man ab 2028 nur noch Elektroautos verkaufen wolle. Wie sich die Sache weiterentwickelte, ist allgemein bekannt: Nach und nach kassierten die meisten Hersteller ihre ambitionierten Elektro-Pläne wieder ein. Denn die Nachfrage entwickelte sich weniger stark als angenommen.

Auch Lotus ruderte alsbald zurück: 2024 revidierte die Marke offiziell die Pläne, im Jahr 2028 zur reinen Elektro-Marke zu werden. Stattdessen sollte es bei künftigen Modellen auch Hybrid-Motoren geben. Passend dazu stellte die Marke auf der damaligen Guangzhou Auto Show ihre „Hyper Hybrid EV-Technologie“ vor. Eineinhalb Jahre später beantragte Lotus Ende 2025 in China die Zulassung seines ersten Plug-in-Hybrids mit dem Namen „For Me“, dessen Auslieferungen inzwischen auch begonnen haben. Dabei handelt es sich um eine PHEV-Variante des bisher rein elektrischen SUV-Modells Eletre.

So weit, so bekannt. In einem frisch vorgelegten Strategieplan präzisiert Lotus jetzt den angestrebten Antriebsmix für die kommenden Jahre. Die Roadmap „Focus 2030“ bildet dabei die Ziele bis zum Jahr 2030 ab und forciert explizit eine „Multi-Antriebsstrategie“. Innerhalb des elektrifizierten Angebots soll es demnach bis 2030 zu 40 Prozent Batterie-elektrische Autos (BEV) und zu 60 Prozent Plug-in-Hybride (PHEV) geben. Daneben sollen in nicht präzisiertem Umfang weiter Pkw mit Verbrennungsmotor gebaut werden.

Dazu Lotus: „Da sich die regulatorischen Rahmenbedingungen und die Kundenanforderungen weltweit weiterhin mit unterschiedlicher Geschwindigkeit wandeln, verfolgt Lotus einen agilen Ansatz, der Verbrennungsmotoren, Plug-in-Hybride und Batterie-elektrische Fahrzeuge gleichermaßen umfasst. Mittelfristig strebt das Unternehmen innerhalb seines elektrifizierten Portfolios eine Volumenverteilung von etwa 60:40 zugunsten der PHEVs an – als Teil eines vom Kunden gesteuerten Übergangs hin zur vollständigen Elektrifizierung.“

Der neue Strategieplan legt ergo einen Fokus auf die Hybrid-Technologie. Der in China schon erhältliche Eletre X mit Lotus‘ „X-Hybrid-Technologie“ soll ab dem vierten Quartal 2026 auch an erste Kunden in Europa gehen. „Die Resonanz auf das Fahrzeug ist durchweg positiv – allein im ersten Monat gingen mehr als 1.000 Bestellungen ein“, teilen die Verantwortlichen mit, die ihr Bekenntnis zur Hybridisierung zudem mit einem neue Aushängeschild aufpeppen wollen: Für 2028 kündigt das Management „die nächste Evolutionsstufe der hauseigenen Hybridtechnologie an“ – und zwar in Form des Supersportwagens Type 135 (auch bekannt als „Vision X“) mit V8-Hybridantrieb und einer Leistung von über 735 kW (Originalangabe: über 1.000 PS). Die Produktion des Boliden soll voraussichtlich in Europa erfolgen.

Ein neues BEV kündigt Lotus derweil nicht an. So dürfte es vorerst bei dem Trio aus dem SUV Eletre, dem GT Emeya und dem Hypercar Evija bleiben. Dennoch: „Das BEV-Portfolio bildet weiterhin eine zentrale Säule der Unternehmensstrategie“, betont das Management. „Diese Modelle haben der Marke neue Kundengruppen erschlossen und ihre wirtschaftliche Basis nachhaltig gestärkt. Mit seinen Elektro-SUV- und GT-Modellen gehörte Lotus zu den Pionieren bei der Einführung der 800-Volt-Architektur und bekennt sich auch weiterhin uneingeschränkt zu fortlaufenden Innovationen im Bereich der Batterie-elektrischen Mobilität.“

Bei allen elektrifizierten Technologien orientiert sich Lotus stark an Mutter Geely – künftig wohl noch mehr: „Die enge Zusammenarbeit […] bildet das Herzstück der Strategie ,Focus 2030′. Die beiden Unternehmen arbeiten gemeinsam an der Technologieentwicklung, der Wettbewerbsfähigkeit ihrer Lieferketten sowie der Effizienzsteigerung in der Fertigung, um die Markteinführungsgeschwindigkeit, die globale Skalierung und die Margenstabilität zu erhöhen“, teilt Lotus mit.

Der Geely-Konzern (u.a. Polestar, Volvo, Zeekr) hat seinen eigenen Strategieplan bis zum Jahr 2030 ebenfalls kürzlich vorgestellt. Das Unternehmen plant demnach für das Ende der Dekade mit einem Absatz von mehr als 6,5 Millionen Fahrzeugen, das wären 58 Prozent mehr als 2025. Der Anteil an New Energy Vehicles (NEV, also BEV und PHEV) soll bis dahin auf 75 Prozent klettern.

reuters.com, ir.group-lotus.com

1 Kommentar

zu „Lotus verstärkt Hybrid-Fokus – zulasten von Elektroautos“
Horst Feuser
13.05.2026 um 06:50
Selbst(oder grade) Entwicklungsländer gehen in Richtung "Batterie only", ich würde kein Geld mehr in Verbrenner Technologie versenken.

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