Lateinamerikas Flotte wächst auf 10.000 Elektrobusse
Das International Council on Clean Transportation (ICCT) hat in seiner Publikationsreihe „Market Spotlight“ frische Daten zum E-Busmarkt in Lateinamerika und der Karibik analysiert. Zum Jahreswechsel verzeichnete der Kontinent 9.115 Elektrofahrzeuge – ein Anstieg um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr und eine Verzehnfachung seit 2017. Dieses Wachstum geht maßgeblich auf Batterie-elektrische Busse (BEVs) zurück, die in der Region laut den Autoren „zunehmend die Oberhand über Oberleitungsbusse als dominierenden Elektrobustyp gewonnen haben“.
Stand Februar ist der Bestand bereits auf 9.909 Elektrobusse gestiegen – dies ist der zurzeit aktuellste Datensatz zum Markt in Südamerika. Und wenn sich die Dynamik in den vergangenen drei Monaten nur ansatzweise fortgesetzt hat, dürfte der 10.000. E-Bus inzwischen eingeflottet sein. Das lässt sich aus Daten des E-Bus-Radars schlussfolgern, die auch die Grundlage für den ICCT-Report bilden. Dieser trägt den offiziellen Titel „Electric bus market in Latin America, 2025“ und definiert E-Busse als BEVs oder als Oberleitungsbusse (mit oder ohne eigene Batteriepacks an Bord). Analysiert wurden insgesamt 33 Länder, darunter die zwölf Nationen Südamerikas, die sieben Nationen Zentralamerikas und die 14 Karibik-Staaten.
Als Datenbasis griff die ICCT-Organisation wie erwähnt auf die Statistiken der Plattform E-Bus Radar zurück, die wiederum von der Initiative „Zero Emission Bus Rapid-deployment Accelerator“ (ZEBRA) betreut wird. Die ZEBRA-Initiatoren (zu denen auch das ICCT selbst gehört) wollen allen voran den Rollout von Elektrobussen in der Region anschieben, aber auch den Fortschritt dokumentieren. Gegründet wurde die Allianz 2019 zunächst mit Fokus auf Großstädte wie Medellin, Mexico City, São Paulo und Santiago de Chile, in denen kumuliert rund 50.000 Busse verkehren.
E-Busse fahren vor allem in Chile, Kolumbien und Brasilien
So viel zur Vorrede: Der ICCT-Report verzeichnet inzwischen E-Busse in zwölf der 33 begutachteten Länder – konkret in 77 Städten und Metropolregionen Lateinamerikas. „Der Markt bleibt dabei stark konzentriert“, betonen die Autoren. „Chile, Kolumbien und Brasilien stellen den Großteil der Flotte, wobei sich der Einsatz der Fahrzeuge auf wenige Großstädte konzentriert.“ Die drei genannten Länder vereinen rund 80 Prozent der E-Busse des Kontinents auf sich.
12 bis 15 Meter lange Fahrzeuge sind dabei der vorherrschende Elektrobustyp und machen die überwiegende Mehrheit der in Betrieb befindlichen Fahrzeuge aus. Und: Die führenden Hersteller von Elektrobussen in der Region sind allesamt chinesische Busbauer – namentlich BYD, Foton und Yutong.
Doch der Reihe nach: Die Einführung von Elektrobussen in Lateinamerika und der Karibik konzentriert sich klar auf eine begrenzte Anzahl von Ländern. Ende 2025 entfielen konkret 47 Prozent der regionalen Elektrobus-Bestandsflotte auf Chile, gefolgt von Kolumbien (17 %) und Brasilien (16 %). In Mexiko fuhren noch zwölf Prozent aller E-Busse des Kontinents, während alle übrigen Länder zusammen rund acht Prozent auf sich vereinigten.
Gut 4.000 Elektrobusse allein in Santiago
Zoomt man auf die genauen Einsatzorte, fällt die weiterhin bestehende Konzentration auf wenige Großstädte auf. Dabei sticht die chilenische Hauptstadt Santiago hervor: Mit 4.222 Elektrobussen (Stand Februar) fahren rund vier von zehn E-Bussen in Lateinamerika in dieser Metropole. Die Flotte der Stadt ist nicht nur mit Abstand die größte der Region, sie wächst auch überproportional schnell (um 55 % von 2024 auf 2025).
Auch São Paulo verzeichnete ein beachtliches Wachstum und steigerte seinen Bestand laut ICCT-Bericht von 460 auf 1.095 Fahrzeuge (Stand Februar sind es sogar 1.271 Einheiten), während die Flottengröße in Bogotá nur leicht angewachsen ist: von 1.486 auf 1.554 Fahrzeuge. Mexiko-Stadt (804) und Quito (145) verfügten über ebenfalls erwähnenswerte Flotten, wobei in ihren Systemen der Oberleitungsbusverkehr eine weiterhin herausragende Rolle spielt.



Chinesische Hersteller haben den Markt im Griff
Dabei wird der Markt nach wie vor von wenigen Herstellern dominiert – und Chinas Busbauer sind die bedeutendsten Player. BYD führt den Markt laut den Studienmachern mit 2.961 zwischen 2017 und 2025 verkauften Fahrzeugen an (32 % der regionalen Flotte), gefolgt von Foton (1.492), Yutong (1.417) und Zhongtong (946). Auf den brasilianischen Hersteller Eletra entfallen 894 Fahrzeuge – größtenteils sind diese auf dem heimischen Markt zu finden. Eletra ist der erste nicht-chinesische Hersteller in den Top-5. Auf diese Top-5 entfallen wiederum 85 Prozent der regionalen Bestandsflotte. Andere Hersteller wie King Long (318), Scania (225), Mercedes-Benz (159), Higer (147) und Sunwin (96) spielen auf dem Kontinent mit ihren E-Bussen aktuell nur Nebenrollen.
Der beliebteste Bustyp sind dem Report zufolge 12- bis 15-Meter-Fahrzeuge, die mit 68 Prozent den Großteil der regionalen E-Bus-Flotte ausmachen. Kleineren E-Bussen mit 8 bis 11 Metern Länge kommt vor allem in Kolumbien (49 %) eine große Bedeutung zu, auch in Chile sind sie präsent (12 %), in den anderen Ländern bleiben sie eher ein seltenes Phänomen. Gelenkbusse (> 18 m) sind laut den Autoren des ICCT-Berichts nach wie vor nur begrenzt vertreten. Und: Was die technische Basis angeht, ist der (tendenziell eher lange) Oberleitungsbus auf dem Rückzug. Allerdings spielt er vor allem in Mexiko (55 %) und Brasilien (23 %) weiterhin eine tragende Rolle.
Die Bestandsanalyse ergänzen die ICCT-Fachleute in ihrem Report zudem um eine Schätzung der durch die E-Busse eingesparten THG-Emissionen in den jeweiligen Ländern. Grundsätzlich sind die Autoren überzeugt, dass „BEVs im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor eine signifikante Reduzierung der Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus ermöglichen“. Die geschätzten Einsparungen reichen dabei von 65 Prozent in Mexiko bis zu 85 Prozent in Brasilien. Die Unterschiede sind dabei auf die CO2-Intensität der nationalen Stromnetze zurückzuführen. Zur Methodik verweist das ICCT auf einen eigenentwickelten Ansatz.
Wenig überraschend stoßen dieser Methodik zufolge Busse mit Verbrennungsmotor in allen analysierten Ländern die höchsten Treibhausgasemissionen aus – allen voran natürlich über den Auspuff. Bei Elektrobussen entstehen die Emissionen hauptsächlich durch die Stromerzeugung sowie die Fahrzeug- und Batterieherstellung. „Folglich ist die CO2-Intensität des Stromnetzes der primäre Faktor, der die Unterschiede zwischen den Ländern in Lateinamerika ausmacht“, betont das ICCT. Mit Blick auf die 12 bis 15 Meter langen Bussen schätzen die Autoren, dass Batterie-elektrische Busse die Emissionen im Vergleich zu Bussen mit Verbrennungsmotor um 85 Prozent in Brasilien, 77 Prozent in Kolumbien, 70 Prozent in Chile und 66 Prozent in Mexiko senken. Die geschätzten Reduktionen für Oberleitungsbusse reichen von 79 Prozent in Brasilien bis 51 Prozent in Chile.





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