BYD legt Pläne für Werk in der Türkei auf Eis – und sucht Alternative in Europa

BYD-Vizechefin Stella Li hat ein Update zu den Produktionsplänen des chinesischen E-Auto-Herstellers in Europa gegeben. Dabei hat sie überraschend verkündet, dass der Bau eines Pkw-Montagewerks in der türkischen Stadt Manisa auf Eis liegt. Zugleich erwägt BYD, ein bestehendes Werk in Südeuropa von einem anderen Hersteller zu übernehmen.

Byd dolphin surf launch event berlin
Bild: Peter Schwierz

Dass BYD auf die Lokalisierung seiner Produktion in Europa setzt, ist hinlänglich bekannt. Bereits seit 2017 baut der chinesische Fahrzeugkonzern im ungarischen Komárom E-Busse für den europäischen Markt. Hinzu kommt ein Batterie-Montagewerk in Fót sowie eines in Páty.

Eigentlich sollte auch die Produktion des E-Kompaktwagens Dolphin Surf im neuen Pkw-Werk im ungarischen Szeged bereits Ende 2025 starten. Doch trotz des Starts einer Testproduktion im Februar 2026 ist BYD dort noch immer nicht soweit, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Vielmehr kann das Unternehmen dort nun erst im vierten Quartal 2026 mit der Produktion von E-Autos beginnen, wie Reuters in Berufung auf BYD-Vizechefin Stella Li schreibt. Sie sagte, dass BYD noch dabei sei, die Anlagen im ungarischen Werk zu installieren.

Zudem äußerte sich Li auch zu den weiteren Produktionsplänen in Europa: „Ungarn hat derzeit oberste Priorität“, sagte sie gegenüber Reuters in einem Gespräch in der UK-Zentrale von BYD in London. „An zweiter Stelle steht die Suche nach einem zweiten Produktionsstandort in Europa.“ Und genau diese Formulierung birgt Sprengkraft, zumal Stella Li zugleich sagte, man habe die Arbeiten an einem Werk in der Türkei vorübergehend eingestellt.

Dabei galt es in der Branche bislang als gesetzt, dass BYD sein zweites Pkw-Werk für den europäischen Markt in der Türkei baut. Bereits im Sommer 2024 hatte BYD eine solche E-Auto-Fabrik in der Türkei angekündigt und wollte dort rund eine Milliarde US-Dollar investieren. Die Produktionsstätte in Manisa im Norden der Hafenstadt Izmir sollte eigentlich bereits Ende 2026 eröffnet werden.

Doch im Zuge des Reuters-Gesprächs von Stella Li kommt nun heraus: Der Bau der Fabrik wurde niemals auch nur begonnen. Das Projekt liege derzeit auf Eis, so die BYD-Topmanagerin. Sie fügte hinzu, der chinesische Automobilhersteller habe noch keinen Zeitplan für den Produktionsbeginn in der Türkei. Heißt zwar: Das Projekt ist nicht endgültig gestoppt, aber es hat auch keine Priorität mehr.

Stattdessen fokussiert sich BYD nun auf die Suche nach einem neuen Produktionsstandort in Südeuropa und damit innerhalb der EU. Und dabei will BYD gar nicht unbedingt eine neue Fabrik bauen: „Wir würden es vorziehen, ein bestehendes Werk zu übernehmen“, sagte Stella Li bei einem Pressetermin in Berlin. Diese könnte sich zum Beispiel in Spanien berichten. Das Land soll BYD gemäß einem früheren Bericht schon länger für eine neue Autofabrik bevorzugen.

Dass BYD das Türkei-Projekt auf Eis gelegt hat und nun einen Standort in Südeuropa sucht, hat das Unternehmen zwar nicht ausführlich begründet. Doch dabei dürfte es weniger darum gehen, die Sonderzölle der EU auf in China hergestellte E-Autos zu vermeiden – denn die Türkei unterhält eine Zollunion mit der EU, somit fallen entsprechend keine Zölle an. Das Problem aus Sicht von BYD besteht vielmehr aus den angekündigten „Made in EU“-Regeln der Europäischen Union, die einen hohen Wertschöpfungsgrad innerhalb der EU für Fahrzeuge vorsehen, die von öffentlichen Stellen beschafft oder gefördert werden. So hatte die deutsche Bundesregierung auch bereits angekündigt, die aktuelle E-Auto-Förderung entsprechend anpassen zu wollen, falls diese „Made in EU“-Regeln wirklich in Kraft treten.

reuters.com (Türkei), reuters.com (Südeuropa)

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