VW will womöglich China-Modelle nach Europa bringen
Bei Volkswagen brodelt es heftig, spätestens seitdem vergangene Woche bekannt wurde, dass der Vorstand um CEO Oliver Blume angeblich 100.000 Stellen weltweit streichen und die deutschen VW-Werke Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm mittelfristig schließen will.
Vor diesem Hintergrund berichtet nun das „Handelsblatt“, dass die Transformationspläne von Blume offenbar noch weiter reichen als bereits bekannt. Demnach prüft der Konzern nun erstmals ernsthaft, für den chinesischen Markt entwickelte Modelle der Marke VW nach Europa zu bringen. Dabei beruft sich die Wirtschaftszeitung auf Konzern-Insider, während sich Volkswagen selbst dazu bislang nicht offiziell äußern will.
Dabei geht es um zweierlei: Zum einen den möglichen Import von Fahrzeugen aus chinesischer Produktion nach Europa. Und zum anderen den möglichen Bau von China-Modellen in Europa, zum Beispiel im schwach ausgelasteten VW-Werk in Zwickau, das bereits seit längerem angezählt ist.
Ministerpräsident regt China-Modelle in Deutschland an
Einen Bau chinesischer VW-Modelle in Deutschland hatte vergangene Woche bereits Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) angeregt. Er ist zugleich Mitglied des Aufsichtsrates von Volkswagen ist und dessen Bundesland in dem Gremium als Großaktionär auch über eine Sperrminorität bei wichtigen Entscheidungen verfügt.
Konkret hatte Lies gegenüber der Nachrichtenagentur dpa gesagt: „Wenn wir Fahrzeuge, die wir bislang in China bauen, auch hier produzieren würden, könnten wir die Auslastung unserer Werke stabilisieren“, sagte Lies. „So holen wir auch die Chance auf neue Entwicklung und Innovation an die Standorte. Für mich geht es darum, Beschäftigung und Auslastung in unseren Werken zu stabilisieren, anstatt zuzusehen, wie andere neue Werke außerhalb Deutschlands hochziehen.“ Dabei dürfte Lies natürlich speziell an die angezählten niedersächsischen Werke in Emden und Hannover denken.
Laut dem neuen Insider-Bericht des „Handelsblatts“ prüft Volkswagen-Management aktuell, ob es als erstes den neuen China-SUV ID. Era 9X importiert, der gemeinsam mit dem chinesischen Konzern SAIC entwickelt wurde das erste Modell der Volkswagen Group mit Range Extender ist. In seiner Basisversion verfügt das 5,21 Meter lange Fahrzeug über einen 220 kW starken Elektromotor, der mit einer Batterie mit 51,1 kWh oder 65,2 kWh kombiniert werden kann. Die Batterien ermöglichen eine rein elektrische Reichweite von bis zu 267 km bzw. 340 km nach CLTC. Der Der Antriebsstrang wird dabei mit einem 1,5-Liter-Turbobenziner als Reichweitenverlängerer ausgestattet, der eine maximale Leistung von 105 kW hat.
Import steht und fällt mit Zollthemen
Ein Import eines Ranges Extenders brächte den Vorteil, dass dieser zumindest aktuell noch nicht unter die Sonderzölle der EU fällt. Denn für in China hergestellte vollelektrische Autos fallen je nach Hersteller zusätzlich zum regulären Auto-Zollsatz von 10 Prozent bis zu 35,3 Prozent Aufschlag an. Allerdings erwägt die EU-Kommission aktuell, diese Regelung auf Plug-in-Hybride und wohl auch Range Extender auszuweiten. Der VW-Konzern war selbst lange von den Sonderzöllen betroffen, und zwar beim Modell Cupra Tavascan, der bei Volkswagen Anhui gebaut wird. Doch seit Anfang des Jahres gilt auf das Modell statt dem Sonderzoll von 20,7 Prozent nun eine mit der EU vereinbarte Mindestpreisregelung.
Eine weitere wahrscheinliche Variante ist laut „Handelsblatt“ der Import eines SUV, der erst im kommenden Jahr auf der neuen China-Plattform CSP seine Premiere feiern soll und eine ähnliche Größe wie der auslaufende Touareg hat. CSP steht hierbei für die China Scalable Platform, eine von Volkswagen eigens für den chinesischen Markt entwickelte Elektro- und Range-Extender-Architektur. Ein Export wäre hier aber frühestens Ende 2027 denkbar.
Software anpassen oder austauschen
Die Herausforderung beim Export von chinesischen Modellen nach Europa wäre in jedem Fall, dass diese gerade bei der Software stark angepasst werden müssten. Denn in China nutzt VW u.a. andere Fahrassistenzsysteme von lokalen Partnern und auch die weitere Software unterscheidet sich stark. Laut „Handelsblatt“ prüft VW deshalb aktuell, ob in China entwickelte Software für den Einsatz in Europa angepasst werden kann.
Was die Idee angeht, chinesische VW-Modelle auch in Europa zu bauen, hält der Bericht indes wenig konkretes parat. Es heißt nur recht schwammig, dass VW dadurch die Werke in Europa besser auslasten könnte, von deutlich niedrigeren Entwicklungs- und Produktionskosten profitieren würde und Kunden Zugang zu Fahrzeugen verschaffen könnte, die auf dem modernsten Stand der Technik sind. Welche Modelle und Stückzahlen für einen Bau in Europa infrage kommen, ist demnach noch offen. Zudem könnten die Pläne wieder verworfen werden.
handelsblatt.com, handelsblatt.com (Olaf Lies)





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