29.09.2022 - 10:27

BYD stößt mit Elektroauto-Trio nach Europa vor

Die Wartezeiten für E-Autos in Europa sind teils sehr lang. Chinesische Hersteller sehen darin eine Chance zur Expansion – allen voran BYD. Der Autobauer aus Shenzhen hat jetzt Details zu seinem anstehenden Marktstart mit Elektroautos u.a. in Deutschland bekannt gegeben. Wir können uns schon mal an die Fahrzeugtitel Atto 3, Tang und Han gewöhnen.

In Norwegen ist BYD bereits präsent, als nächstes wird das Unternehmen seine Stromer zunächst nach Deutschland, Schweden, Dänemark, die Niederlande, Belgien und Luxemburg liefern, ehe noch in diesem Jahr auch die Märkte in Frankreich und Großbritannien bedient werden sollen. Sukzessive will BYD alle wichtigen Märkte in Europa abdecken. „Europa ist die Wiege der Autoindustrie und hat einen starken Innovationsgeist“, äußert BYD-Chairman Wang Chuanf. „Die Europäer unternehmen konzertierte Anstrengungen, um den Wandel bei der Elektrifizierung des Automobils zu beschleunigen (…). Wir freuen uns darauf, mit angesehenen europäischen Händlern und Industriepartnern zusammenzuarbeiten, um hochwertige Qualitätsprodukte mit umweltfreundlicher Technologie zu entwickeln und mehr Verbrauchern eine vielfältige Auswahl und Erfahrung zu bieten.“

Angeboten werden in Europa wie erwartet die drei rein elektrischen Modelle Atto 3, Tang EV und Han EV. Bei Ersterem handelt es sich um ein Kompakt-SUV, das in China als Yuan Plus vertrieben wird. Letztere beiden sind ein E-SUV und eine E-Limousine. Erstmals nennt BYD zu dem Trio nun auch offiziell technische Eckdaten, inklusive der WLTP-Reichweiten. Offiziell vorgestellt werden soll das Trio auf dem Pariser Autosalon Mitte Oktober 2022. Der Marktstart in Deutschland wird zwar nicht exakt terminiert, liegt aber – wenn man die vorhandenen Aussagen interpretiert – noch im vierten Quartal 2022. Wir schauen uns die einzelnen Modelle im Folgenden schon einmal genauer an.

Der Atto 3 ist das einzige der drei Europa-Modelle, das auf der BYD-eigenen Elektroauto-Plattform e-platform 3.0 basiert. Dabei handelt es sich um eine 800-Volt-Plattform. Der chinesische Hersteller gibt an, den Atto 3 speziell für europäische Kunden entwickelt zu haben. Das Fahrzeug lässt sich im C-Segment verorten, es misst 4,455 x 1,875 x 1,615 Meter.

Als Fronttriebler verfügt der Kompakt-SUV über 150 kW, eine Beschleunigung auf 100 km/h in 7,3 Sekunden und 160 km/h Topspeed. Die Batteriekapazität gibt BYD mit 60,48 kWh an, was für eine Reichweite von 420 Kilometern nach WLTP reichen soll. Zur Batterie präzisiert der Hersteller, dass der Atto 3 (wie auch die anderen beiden Modelle für Europa) die BYD-eigene Blade-Batterie mit LFP-Zellen an Bord haben wird. Zum Ladeverhalten heißt es bisher lediglich, dass Battere per DC-Ladung in 29 Minuten von 30 auf 80 Prozent SoC gebracht werden kann.

Was noch? Das Kofferraumvolumen des Fünfsitzers beträgt laut Unternehmensangaben 440 Liter. Es kann dank umgeklappter Rücksitze auf bis zu 1.338 Liter erweitert werden. Das Kompakt-SUV steht auf 18-Zöllern und hat (wie die beiden anderen auch) ein serienmäßig ein Panoramadach verbaut.

Der Han EV basiert ebenso wie der Tang EV noch auf einer Multi-Energy-Plattform. In China werden beide Modelle auch als Plug-in-Hybrid angeboten. In Europa sollen aber wie erwähnt nur die Batterie-elektrischen Versionen verkauft werden. Die „schnittige und sportliche Limousine“, so der O-Ton in der begleitenden Mitteilung, kommt als Allradler auf 19-Zöllern auf den Markt. Die kombinierte Leistung des Doppelmotorsystems liefert 380 kW, die Sprintzeit von 0 auf 100 km/h beträgt 3,9 Sekunden. In der Spitze wird die 4,995 Meter lange, 1,910 Meter breite und 1,495 hohe Limousine 180 km/h schnell.

Der Energiespeicher an Bord kommt auf 85,4 kWh, was die Reichweite des Han EV auf 521 Kilometer nach WLTP bringen soll. Die DC-Ladezeit ist abei allen drei Fahrzeugen ähnlich. Für den Han EV sind es 30 Minuten, um die Batterie von 30 auf 80 Prozent SoC zu bekommen. Anders als die beiden anderen Fahrzeuge ist das Kofferraumvolumen bei der fünfsitzigen Limousine nicht erweiterbar: Es beläuft sich auf 410 Liter.

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Dritter im Bunde ist das ausgewachsene SUV Tang EV – ein Siebensitzer auf 22-Zoll-Rädern mit Allradantrieb. Es teilt sich das Motorensystem mit der Han-Limousine, kommt also ebenfalls auf 380 kW Leistung und eine Topgeschwindigkeit von 180 km/h. Nur im Sprint auf 100 km/h ist das SUV durch seine Masse mit 4,6 Sekunden etwas langsamer. Die Fahrzeugmaße gibt BYD mit 4,870 x 1,950 x 1,725 Meter an.

Mit 86,4 kWh erhält der Tang die höchste Batteriekapazität des Trios. Im WLTP-Zyklus sollen damit bis zu 400 Kilometer herausspringen. Die Ladeangaben sind identisch mit denen der Han-Limousine. Das Stauvolumen im Kofferraum des Siebensitzers ist variabel und beträgt 235 bzw. 940 oder 1.655 Liter. BYD kündigt an, dass der Tang serienmäßig mit einer hohen Ausstattung versehen sein wird. Details dazu werden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben. In Norwegen ist BYD mit dem elektrischen SUV bereits auf dem Markt.

Für alle drei Modelle gilt: BYD gewährt auf die Batterie acht Jahre Garantie. Die auf Basis der bereits bekannten deutschen Preise berechneten vorläufigen Basispreise für Europa gibt BYD mit 38.000 Euro für den Atto 3 und jeweils 72.000 Euro für den Tang und den Han an. Diese Vorverkaufspreise sind laut BYD explizit eine Referenz aus Deutschland und können in anderen europäischen Märkten abweichen. Die finalen Spezifikationen und die endgültigen empfohlenen Verkaufspreise wird BYD im Oktober im Rahmen der offiziellen Präsentation auf dem Pariser Autosalon veröffentlichen.

Zu den Preisen war bereits im Vorfeld vermutet worden, dass sich BYD als Neuling etwas unter den etablierten westlichen Herstellern positionieren wird, für den günstigeren Basispreis aber auch eine umfangreichere Ausstattung bieten wird. In der Tat liegt der Atto 3 preislich etwas unter beispielsweise dem VW ID.4. Das passt auch zum Markenanspruch von BYD in China: Man will massentauglich sein, aber gleichzeitig einen Premium-Anspruch erfüllen.

  • BYD Atto 3
  • BYD Han
  • BYD Tang

In Deutschland und Schweden erfolgt der Vertrieb der BYD-Modelle übrigens in Kooperation mit der Hedin-Gruppe. Dabei wird es auch um echte Händler gehen, nicht nur einen reinen Online-Vertrieb. Frühere Medienberichte haben zudem angedeutet, dass in Deutschland aufgrund der deutlich größeren Bevölkerung neben Hedin noch weitere Vertriebspartner dazukommen könnten.

Dazu passt folgendes Statement von Michael Shu, General Manager und Managing Director, BYD Europe and International Cooperation Division: „Wir haben großen Respekt vor der europäischen Automobilindustrie und ihrem Ökosystem, einschließlich Design, Forschung und Entwicklung, Produktion, Vertrieb, Kundendienst und Service. Unsere Strategie ist es, mit etablierten und angesehenen Händlern vor Ort zusammenzuarbeiten, die unsere Vision teilen, um ein hohes Maß an Qualität zu bieten.“
bydeurope.com

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5 Kommentare zu “BYD stößt mit Elektroauto-Trio nach Europa vor

  1. S. Scholz

    Wird Atto 3 bidirektionales Laden unterstützen?

  2. SE60318

    800V und dann so eine lahme Ladegeschwindigkeit? Dabei ist der ATTO noch teuer als ein vergleichbarer ID3/ID4.

    Warum so ein kleiner Akku, wenn man doch die Wunder-Blade LFP-Zellen selbst herstellt?

  3. Ehrhardt, Michael

    Also offen gestanden: Nach den BYD PV-Speicher-Kauferfahrungen ist dieser Hersteller für uns erst mal auf der Blacklist:
    Nach Bestellung wurde erst die Lieferung hinausgezögert, dann einseitig storniert. Nach ca. 8 Wochen dann endlich …mit 16 % Preisaufschlag das gleiche Produkt neu angeboten.

    Macht Eure Spielchen wo Ihr wollt – mit mir nicht mehr!

    M.E.

  4. Michael

    Wer hat sich denn die Namen ausgedacht? Han, Tang und Atto. Klingt erst mal selbstbewußt, nach Han Dynastie und See-Tang, aber ist der europäische Käufer schon bereit dafür? MG und Polestar scheint mir schlauer gewählt.

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