Stellantis-Plattform STLA Large wird keine reine 800-Volt-Architektur

Stellantis hat seine auf große Elektrofahrzeuge ausgelegte Plattform STLA Large näher vorgestellt. Diese wird die Basis für künftige Fahrzeuge im D- und E-Segment für die globalen Märkte bilden. Eine reine Elektro-Plattform ist die STLA Large aber nicht.

Bild: Stellantis

Als Stellantis sein künftiges Plattform-Trio STLA Small, STLA Medium und STLA Large (sowie die für US-Pickups und Transporter gedachte STLA Frame mit Leiterrahmen) im Jahr 2021 für die kommende E-Auto-Offensive erstmals vorgestellt hatte, wurden bereits erste Eckdaten zu der neuen Top-Plattform bekannt. Als einzige der drei Pkw-tauglichen Architekturen ist sie mit auf 800-Volt-Systeme ausgelegt und soll mit bis zu 118 kWh großen Batterien Reichweiten von bis zu 800 Kilometern ermöglichen. So der Stand von 2021.

Mit dem Jeep Wagoneer S ist inzwischen auch eines der ersten Modelle für die STLA Large angeteasert, nun legt Stellantis mit einigen Daten zur Plattform selbst nach. Bei der größtmöglichen Batterie bleibt es bei den bereits bekannten 118 kWh, die jene 800 Kilometer Reichweite in Limousinen ermöglichen soll – einen Wert für SUV und Crossover nennt Stellantis nicht. Neu ist aber das untere Ende der Skala: Bisher wurden hier 101 kWh genannt, in der aktuellen Mitteilung nennt Stellantis „zunächst Batterie-Optionen mit Energieleistungen zwischen 85 und 118 Kilowattstunden (kWh)“. Sprich: Es könnte später noch Anpassungen geben, nach oben oder nach unten.

Und: Die STLA Large ist nicht als reine 800-Volt-Architektur konzipiert, sondern es können auch 400-Volt-Systeme realisiert werden. Bei 118 kWh würde ein 400-Volt-System für relativ lange Ladezeiten sorgen, mit 85 kWh Energiegehalt und einer guten 400-Volt-Ladekurve könnte aber ein wettbewerbsfähiges Gesamtpaket entstehen – zu niedrigeren Kosten.

Die Kosten waren ein Fokus der Entwicklung. Stellantis betont, dass die STLA Large für „robuste und kosteneffiziente Fertigungsprozesse“ stehe und zugleich mit „beispielloser technologischer Flexibilität“ entwickelt worden sei. Diese Flexibilität soll es erlauben, „den Radstand, die Gesamtlänge, die Gesamtbreite und -höhe sowie die Bodenfreiheit anzupassen. Um fahrzeugspezifische Leistungsziele wie Fahrverhalten, Handling und Komfort zu erreichen, können verschiedene Aufhängungsmodule und Antriebsstranghalterungen eingesetzt werden“.

Zudem gibt es eine weitere, bisher nicht angekündigte, technologische Flexibilität: Die STLA Large ist keine reine BEV-Architektur, sondern Stellantis plant auch Fahrzeuge mit Hybridantrieben und Verbrennungsmotoren. An den beim „EV Day“ 2021 angekündigten Daten für das Verbrenner-Ende bei den einzelnen Marken wird aber wohl nicht gerüttelt – es werden zumindest keine anderen Angaben gemacht. Damit dürfte sich die Hybrid- und Verbrenner-Option mehr auf Nordamerika beziehen als auf Europa. Der Mehrmarken-Konzern will bis 2030 70 Prozent seines Absatzes in Europa und 40 Prozent in den USA mit „Low Emission Vehicles“ erzielen.

Wenden wir uns wieder den Elektro-Optionen der Plattform zu. Die Antriebseinheiten, bei denen der Motor, Getriebe und Leistungselektronik mit Siliziumkarbid-Halbleitern in einem Gehäuse zusammengefasst werden, können als Front-, Heck- oder Allradantrieb genutzt werden. Je nach Auslegung sollen die Antriebskomponenten das Potenzial bieten, „eine Beschleunigung von 0-100 km/h im 2-Sekunden-Bereich zu liefern“. Dabei zielt Stellantis vor allem auf die Dodge-Modelle ab, die wohl aus Marketing-Gründen für die E-Autos die bereits extreme Leistung der vorhandenen Hellcat-V8 übertreffen sollen.

Für die meisten Kunden wohl relevanter: Es sollen etwa auch Radendkupplungen verbaut werden können, um die Räder von dem Antrieb (dabei handelt es sich um permanenterregte Synchronmaschinen) zu entkoppeln. Das soll die mechanischen Widerstäde reduzieren und die Effizienz sowie Reichweite verbessern. Zudem soll der 800-Volt-Akku mit bis zu 4,5 kWh/Minute geladen werden können. Eine maximale Ladeleistung oder die Ladedauer nennt Stellantis aber nicht, es werden auch keine Vergleichswerte für den 400-Volt-Akku genannt.

Hier die wichtigsten Kennzahlen zur STLA Large:

Gesamtlänge4,77-5,13 m
Gesamtbreite1,90-2,03 m
Radstand2,87-3,08 m
Bodenfreiheit140-288 mm
Batterie85-118 kWh

Auf STLA Large basierende Fahrzeuge werden zunächst in Nordamerika bei den Marken Dodge und Jeep eingesetzt und später auch bei Alfa Romeo, Chrysler und Maserati. Von 2024 bis 2026 sind acht Modelle auf Basis der Plattform geplant, die in mehreren Werken in Europa und Nordamerika installiert wird.

„Unsere Ziele für unsere STLA-Plattformen sind ehrgeizig. Genau das ist allerdings auch, was unsere Kundinnen und Kunden heute von uns brauchen“, sagt Carlos Tavares, CEO von Stellantis. „Die Schaffung einer Fahrzeugfamilie aus einem ausgereiften Satz von Komponenten, der flexibel genug ist, um mehrere Fahrzeugtypen und Antriebe abzudecken, wird alle unsere Kundinnen und Kunden unserer ikonischen Marken ansprechen, da wir alle unsere aktuellen Produkte übertreffen. Die Flexibilität und Agilität dieser Plattform ist ihr Markenzeichen und wird eine treibende Kraft für unseren Erfolg beim Übergang zur Elektromobilität in Nordamerika sein.“

stellantis.com

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