Stellantis plant 29 neue E-Autos sowie „Mega-Plattform“ für alle Antriebsarten

Stellantis hat unter dem Namen "FaSTLAne 2030" seinen Strategieplan für die nächsten fünf Jahre vorgestellt. Der europäisch-amerikanische Autokonzern will in diesem Zeitraum 60 Milliarden Euro investieren, um sein Wachstum zu beschleunigen und den Gewinn zu steigern. Im Zentrum stehen dabei die vier Marken Fiat, Peugeot, Jeep und Ram sowie eine neue modulare Architektur namens STLA One.

Antonio filosa stellantis ceo
Stellantis-CEO Antonio Filosa
Bild: Stellantis

Dabei war der Fokus auf die vier globalen Kernmarken schon seit Ende April als Gerücht in der Welt. Hingegen kommt die Ankündigung der Plattform STLA One als komplett neue, übergreifende „Mega-Plattform“, die gleich fünf bisherige Architekturen in einem einzigen System zusammenführt, ziemlich überraschend.

Doch der Reihe nach: Zu Beginn seines Investor Days in der Nordamerika-Zentrale des Unternehmens in Auburn Hills im US-Bundesstaat Michigan hat das 15-köpfige Stellantis Leadership Team unter der Führung von CEO Antonio Filosa das Programm „FaSTLAne 2030“ vorgestellt, wobei das STLA in der Mitte auf das Tickersymbol von Stellantis an der US-Börse sowie das Kürzel in den Fahrzeugplattformen des Konzerns anspielt. Und ganz nebenbei bedeutet das englische Wort „Fastlane“ eben auch „Überholspur“.

Die neue Strategie soll dabei die „einzigartige Kombination aus legendären Marken, globaler Größe und regionalen Wurzeln von Stellantis“ widerspiegeln, erläutert das Unternehmen. CEO Antonio Filosa sagt: „FaSTLAne 2030 ist das Ergebnis monatelanger disziplinierter Arbeit im gesamten Unternehmen. Der Plan steht für langfristiges profitables Wachstum. Der Kunde steht stets im Mittelpunkt unseres Handelns. Somit wird der Strategieplan unseren Unternehmenszweck erfüllen – ‚Menschen mit Marken und Produkten zu bewegen, die sie lieben und denen sie vertrauen‘ – angetrieben durch unsere einzigartige Kombination von Stärken.“

Das Strategieprogramm gliedert sich dabei in sechs Säulen:

1) Effizienteres Management des Markenportfolios: Damit sollen Kapitaleffizienz maximiert, doppelte Ausgaben vermieden und die Rentabilität gesteigert werden. Dabei teilt Stellantis seine Markenwelt neu auf: Die US-Marken Jeep und Ram sowie die europäischen Marken Fiat und Peugeot sind die Zugpferde, die global positioniert werden und laut der Analyse des Managements das höchste Rentabilitätspotenzial aufweisen. Allein siebzig Prozent der Marken- und Produktinvestitionen sollen in diese Marken sowie in Pro One, die Geschäftseinheit für Nutzfahrzeuge von Stellantis, fließen.

Chrysler, Dodge, Citroën, Opel und Alfa Romeo werden hingegen nur als regionale Marken geführt, die von den globalen Assets profitieren und ihre Markenidentität weiter stärken sollen, um ihre Kunden zu begeistern. DS Automobiles und Lancia werden hingegen als eher lokale Marken positioniert, die nur in Frankreich bzw. Italien sehr beliebt sind. Sie werden deshalb von Citroën bzw. Fiat als Spezialmarken weiterentwickelt.

Die italienische Luxusmarke Maserati wiederum, zu der es immer wieder Verkaufsgerüchte gab, soll durch die Einführung von zwei neuen Fahrzeugen im E-Segment gestärkt werden. Eine detaillierte Roadmap soll dazu im Dezember 2026 in Modena vorgestellt.

Im Rahmen dieser neu sortierten Markenwelt soll es bis 2030 zu mehr als 60 Neueinführungen und 50 signifikanten Modellaktualisierungen über alle Marken und Antriebsarten hinweg kommen, darunter 29 Elektromodelle, 15 Plug-in-Hybride oder Range-Extended-Modelle, 24 Hybrid-Fahrzeuge und 39 mit Verbrenner- bzw. Mild-Hybrid-Antrieb.

2) Investitionen in globale Plattformen, Antriebe und Technologien: Allein 24 Mrd. Euro (40 % der gesamten F&E- und Investitionsinvestitionen in diesem Zeitraum) will Stellantis in den nächsten fünf Jahren in globale Plattformen, Antriebe und neue Technologien investieren. Im Zentrum dessen steht die neue modulare Fahrzeugarchitektur STLA One, die gleich fünf bestehende Plattformen ersetzen soll. Diese neue Plattform soll die Segmente B, C und D abdecken und ist darauf ausgelegt, verschiedene Antriebsarten zu unterstützen. Sie soll als Grundlage für 30 Modelle verschiedener Marken bis 2035 dienen und bis dahin ein Volumen von 2 Millionen Einheiten erreichen. Zu den technischen Highlights der neuen Plattform zählen: 

  • STLA Brain als skalierbare zentrale Rechen- und Softwarearchitektur von Stellantis
  • STLA SmartCockpit, das eine neue Art der Interaktion zwischen Kunden und ihren Fahrzeugen ermöglichen soll
  • STLA AutoDrive als skalierbares System für autonomes Fahren
  • Integration von Steer-by-Wire, das die mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und den Rädern überflüssig macht

All diese Technologien sollen im Jahr 2027 auf den Markt kommen. Bis 2030 sollen 35 Prozent des weltweiten Jahresvolumens mit mindestens einer dieser Technologien ausgestattet sein. Bis 2035 soll der Wert auf über 70 Prozent steigen. 

Stellantis stla one
Rendering der STLA One
Bild: Stellantis

Aus Sicht der Elektromobilität zudem besonders relevant: Die STLA One setzt bei BEVs auf eine 800-Volt-Architektur für besonders schnelle Ladevorgänge sowie auf das Konzept Cell to Body, bei dem die Batterie direkt in die Fahrzeugstruktur integriert wird, um Kosten, Gewicht und Komplexität zu reduzieren und die Energieeffizienz zu optimieren. Zudem will Stellantis verstärkt LFP-Batterien zur Unterstützung der Erschwinglichkeit und zur Verringerung der Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen einsetzen.

3) Partnerschaften: Stellantis will sein Wachstum mit „Win-Win-Partnerschaften“ beschleunigen und dabei sowohl bestehende Kooperationen vertiefen als auch neue eingehen. Das soll u.a. für Zugang zu neuen Märkten sorgen, technologische Optionen erweitern, die Auslastung der Werke erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit im Einkauf verbessern. Beispiele dafür:

  • Die Partnerschaft mit Leapmotor soll weiter intensiviert werden. Dabei sollen Kräfte im Einkauf gebündelt, eine gemeinsame Lieferantenbasis genutzt und die Wettbewerbsfähigkeit bei den Kosten verbessert werden. Neben der bekannten Produktionspartnerschaft für Leapmotor-Fahrzeuge im Werk Saragossa soll zusätzlich auch das Stellantis-Werk in Madrid bald E-Autos für Leapmotor bauen, im Einklang mit den bevorstehenden Made-in-Europe-Anforderungen der EU. Ein ähnliches Bündnis hat Stellantis gerade mit Dongfeng angekündigt.
  • Mit Jaguar Land Rover (JLR) plant das Unternehmen, Synergien durch eine Zusammenarbeit bei der Produkt- und Technologieentwicklung in den Vereinigten Staaten zu prüfen.
  • In den Bereichen Computerarchitektur, Software, Fahrerassistenzsysteme (ADAS), künstliche Intelligenz und Batterietechnologie entwickelt Stellantis ebenfalls strategische Partnerschaften, welche die internen Kompetenzen ergänzen und die Fahrzeugentwicklung beschleunigen sollen – unter anderem mit Applied Intuition, Qualcomm, Wayve, NVIDIA, Uber, Mistral AI und CATL.


4) Optimierung der Werke: In Europa soll die Produktionskapazität um mehr als 800.000 Einheiten reduziert werden, indem Werke (wie im französischen Poissy) umgewidmet und Partnerschaften (wie in Madrid und Saragossa in Spanien sowie im französischen Rennes) genutzt werden, um Arbeitsplätze in der Fertigung zu erhalten. Dadurch soll die Auslastung der Fabriken wie auch in den USA und der EMEA-Region deutlich steigen.

5) Exzellenz in der Ausführung: In der Produktentwicklung will das Unternehmen die Fahrzeugentwicklungszyklen erheblich verkürzen – angestrebt sind 24 Monate im Vergleich zu bis zu 40 Monaten heute. Auch die Qualität soll deutlich steigen ebenso wie die Kostenwettbewerbsfähigkeit. Im Rahmen des kürzlich gestarteten Wertschöpfungsprogramms soll bis 2028 eine jährliche Kostensenkung in Höhe von 6 Milliarden Euro erreicht werden. Zudem soll Künstliche Intelligenz ein Schlüsselfaktor bei der Transformation der operativen Fähigkeiten werden, aktuell sind bereits mehr als 120 KI-Anwendungen im Einsatz.

6) Stärkung von Regionen und lokalen Teams: Schließlich unterstreicht Stellantis im Strategieplan, dass die Automobilindustrie vor allem ein regionales Geschäft ist, denn in den Regionen sind die Kunden. Deshalb ist die Entscheidungsfindung im Konzern in vielen Punkten bereits weg von der Zentrale hin in die Regionen verlegt worden. Dadurch sollen die langjährigen Beziehungen etwa zu Gewerkschaften, Händlern, Lieferanten oder Geschäftspartnern bereits deutlich gefestigt worden sein. Durch diese Regionalisierung der Strategie soll der Geschmack der Kunden besser getroffen und die Rentabilität gesteigert werden.

Heruntergebrochen auf die Region Enlarged Europe, soll das Markenportfolio neu ausgerichtet werden: Die Marken sollen stärker differenziert werden, die Marktabdeckung soll durch eine Offensive im C-Segment steigen und das E-Cars-Projekt soll ab 2028 eine neue Generation von erschwinglichen und stadtfreundlichen Elektrofahrzeugen hervorbringen.

stellantis.com (Strategie), stellantis.com (STLA One)

4 Kommentare

zu „Stellantis plant 29 neue E-Autos sowie „Mega-Plattform“ für alle Antriebsarten“
Tim N.
22.05.2026 um 06:59
Das klingt nach einem tollen Plan von BWLern und Beratern!
RainerLEV
22.05.2026 um 07:18
Opel hängt halt jetzt an Peugeot dran. Besser als gar nichts. Dieser Strategieplan könnte das Überleben von Stellantis sichern.
erFahrer
22.05.2026 um 08:21
800 V sehr gut. Dennoch zu lesen….soll um 800.000 Fahrzeuge reduziert werden….oder bedeutet „im besten Fall nehmen unser Kunden nur 800.000 Fahrzeuge weniger ab. Dafür stellen wir im Gegenzug unsere Unternehmen mehr auf Lohnfertigung für chinesische Produkte um“. Der riesige Dampfer sucht nach Fracht für eine Reise ins Ungewisse und hält dabei viele Fähnchen in den Himmel.
Phil Osovi
22.05.2026 um 13:35
"Der Kunde steht stets im Mittelpunkt unseres Handelns. Somit wird der Strategieplan unseren Unternehmenszweck erfüllen – ‚Menschen mit Marken und Produkten zu bewegen, die sie lieben und denen sie vertrauen‘ – angetrieben durch unsere einzigartige Kombination von Stärken.“" Kommt ein bisschen spät für viele Stellantis-Kunden. Das Vertauen ist oft schon verspielt und Stärken gibt es im Konzern keine mehr. Es ist nur mehr eine Frage der Zeit bis dieser verhaltensoriginelle Konzern in irgendeiner Art chinesisch wird.

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