25.11.2020 - 12:45

„E-Mobility Excellence“: Shell Recharge bietet immer noch beste Abdeckung

Ein von P3, Cirrantic und Theon Data veröffentlichter Vergleich verschiedener Service-Anbieter für das Laden von Elektrofahrzeugen in ausgewählten EU-Märkten hat ergeben, dass in den untersuchten Ländern Shell Recharge die beste Abdeckung an Ladepunkten bietet. Bei den erstmals bewerteten Preisen liegt aber ein anderer Lade-Anbieter vorne.

Mit der Reihe „E-Mobility Excellence“ wollen die beteiligten Partner Charging Radar (von Cirrantic und THEON Data) und P3 einen unabhängigen Marktvergleich verschiedener Ladedienste bieten, der transparente Einblicke für E-Mobilisten bei der Auswahl der geeigneten Lade-App und Lade-Karte ermöglichen soll. In der „Herbst Ausgabe“ wurden nun erstmals – wie im „Summer Special“ angekündigt – auch die Ladepreise bewertet. Im Sommer wurden diese bereits erfasst, aber noch nicht gewichtet. Zudem wurden im Sommer Die erfassten Länder über die DACH-Region hinaus erweitert. Die genaue Methodik haben wir in dem Frühjahrs-Bericht erläutert.

Wie bereits in der Sommer-Ausgabe heißt auch im Herbst der Gewinner „Shell Recharge“. Mit über 142.500 angebundenen Ladepunkten bietet der Dienst des niederländischen Mineralölkonzerns in den ausgewählten EU-Märkten die größte Abdeckung – im Sommer waren es noch 127.471 Ladepunkte. Noch größer fiel aber der Zuwachs beim zweitplatzierten Dienst „EnBW mobility+“ aus. Bei der „E-Mobility Excellence“-Ausgabe im Sommer wurde noch das auf die DACH-Region beschränkte „Hypernetz“ bewertet. Zum 1. September hat EnBW sein Angebot auf Frankreich, Italien und die Niederlande ausgeweitet. Zusammen mit dem Ausbau der eigenen Ladesäulen kommt EnBW nun auf 123.500 Ladepunkte statt 41.815 Ladepunkte im Sommer. Auf Platz 3 folgt Plugsurfing mit 119.500 Ladepunkten, hier fiel der Zuwachs von den bisher 107.778 Ladepunkten moderater aus. Die im Sommer noch auf Platz 2 gelisteten DCS-Dienste „e-tron Charging Service“ und „BMW Charging“ führt P3 nicht mehr auf, da diese Tarife nur den Kunden der Hersteller angeboten werden und nicht frei verfügbar sind.

Der Blick auf die DACH-Region zeigt, wo sich „Shell Recharge“ von „EnBW mobility+“ abhebt – nämlich außerhalb der deutschsprachigen Länder. In den EU-Märkten kommt der Shell-Dienst auf eine Abdeckung von 85 Prozent aller Ladesäulen, bei EnBW sind es 73,5 Prozent und bei Plugsurfing 71,5 Prozent. In der DACH-Region liegen Shell und EnBW jedoch beide bei einer Abdeckung von 85 Prozent. Ein wichtiger Unterschied zwischen beiden Ladediensten: „Shell Recharge“ ermöglicht das Laden an den Stationen von Ionity und Fastned, über „EnBW mobility+“ sind diese nicht verfügbar. In der DACH-Region liegt nicht Plugsurfing, sondern Maingau Einfach Strom Laden auf Platz 3. Mit 37.300 angebundenen Stationen – u.a. mit Fastned zum regulären DC-Tarif und Ionity zu einem höheren kWh-Preis – kommt Maingau auf eine Abdeckung von 69 Prozent.

Betrachtet man lediglich den Zugang zu High Power Charging (HPC) Ladepunkten, die mit Ladeleistungen von mehr als 100 kW für Langstreckenfahrten besonders wichtig sind, bietet auch in dieser Kategorie „Shell Recharge“ das größte Ladenetz mit 3.650 angebundenen Ladepunkten – im Sommer waren es noch 2.550 HPC-Lader, was einem Wachstum von 45 Prozent entspricht. Es folgen Plugsurfing mit 3.250 Ladepunkten auf Platz zwei und DKV CARD +CHARGE mit 2.975 Ladepunkten auf Rang drei. EnBW und die Startwerke München (für Ladenetz.de) fallen hier etwas ab, da sie keinen Zugang zum Ionity-Netz bieten – dafür aber günstigere Preise.

Die Diskussionen um die neuen Ad-hoc-Ladepreise bei Ionity zu Anfang des Jahres – und die davon ausgelöste Tarifanpassung bei vielen anderen EMP – sowie das neue Tarifmodell von Maingau Energie haben gezeigt, dass die Preise für die Kunden eine sehr wichtige Rolle spielen – Dienste, die zu hohen oder intransparenten Preisen eine hohe Abdeckung bieten, mögen zwar auf dem Papier attraktiv wirken, in der Praxis vergleichen aber viele Kunden die Konditionen und nutzen je nach Ladepunktbetreiber die Dienste unterschiedlicher Ladeanbieter.

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Für den Kostenvergleich haben P3 und Charging Radar wie im Sommer angedeutet zwei Referenzfahrzeuge (städtisches E-Fahrzeug mit ca. 250 Kilometern Reichweite und Langstreckenfahrzeug mit bis zu 400 Kilometern Reichweite) sowie drei typische Nutzerprofile (Durchschnittsfahrer, Vielfahrer, 100% öffentliches Laden) definiert. Im Vergleich zu der Ankündigung wurde für die tatsächliche erste Auswertung der Anteil an DC- und HPC-Ladevorgängen „praxisorientiert“ erhöht, die P3 schreibt.

Diese Änderung hat einige Auswirkungen: War in der Probe-Auswertung im Sommer EnBW mit mittleren Ladekosten von 735 Euro pro Jahr der mit Abstand günstigste Anbieter, kommt der Energieversorger jetzt mit 1.038 Euro nur noch auf Platz zwei – für die zum 2.11. eingeführte „Blockiergebühr“ rechnet P3 sogar mit einem Aufschlag von jährlich knapp 300 Euro, die Kosten summieren sich dann auf 1.337 Euro. Aber: Wer den EnBW-Dienst vorrangig für das DC-Laden nutzen wird, ist von der Blockiergebühr kaum betroffen. Dazu kommt: Hier wurde nur der Standard-Tarif von EnBW berücksichtigt. Strom- und Gaskunden, ADAC-Mitglieder oder Hyundai-Fahrer bekommen vergünstigte Konditionen – wie bereits der „e-tron Charging Service“ und „BMW Charging“ sind diese Tarife aber nicht frei zugänglich.

Günstigster Anbieter sind hingegen die Stadtwerke München als Vertreter für den Roaming-Verbund Ladenetz.de – mit zwei kleinen Haken. Egal ob AC, langsamerer DC-Lader oder schneller HPC-Ladepunkt, in dem Tarif werden 0,37 €/kWh fällig, hinzu kommen einmalig 5 Euro für die Karte. Allerdings sind die Ladestationen des Ionity-Netzwerks nicht über die Ladekarte verfügbar, weshalb für Langstrecken auf andere HPC-Netzwerkbetreiber (EnBW, Allego) oder einen anderen Ladedienst zurückgegriffen werden muss. Dazu kommt: In den ausgewählten EU-Ländern hat Ladenetz.de die mit Abstand niedrigste Abdeckung.

Bei den Preisen auf Platz 3 liegt Maingau Energie, der „Einfach Strom Laden“-Tarif ist seit der letzten Anpassung allerdings mit Vorsicht zu genießen, da personalisierte Preise anhand des bisherigen Ladeverhaltens festgesetzt wurden. Selbst mit den Neukunden-Konditionen (oder bei Bestandskunden ohne personalisierten Aufschlag) ist das Laden mit Maingau im Vergleich zum Sommer dennoch um 350 Euro pro Jahr teurer geworden – auf nun 1.436 Euro.

Klar ist: Jährliche Mittelwerte geben einen Eindruck von der Preisgestaltung eines Anbieters, die tatsächlichen Kosten hängen aber stark vom individuellen Fahr- und Ladeverhalten ab. Während einige Anbieter sehr transparente Preise haben, können bei anderen aus Endkundensicht einige Risikofaktoren die Rechnung erhöhen – etwa betreiberspezifische Ladetarife oder bei einer zeitbasierten Komponente Zusatzkosten für lange Parkzeiten. Gerade wenn bei solchen Diensten eine RFID-Karte genutzt wird – bei der im Gegensatz zur App keine Preise angezeigt werden – drohen hier Überraschungen bei der Rechnung. Daher wurden in der Auswertung Ladedienste, die ein anbieterspezifisches Preismodell haben, in der Auswertung zusätzlich mit einem höheren Risikozuschlag aus Kundensicht gekennzeichnet.

Wie wichtig die anbieterspezifischen Preise sind, zeigt eine Sonderauswertung zum HPC-Laden auf der Langstrecke. Die Stadtwerke München sind mit 1.720 Euro im Profil des Vielfahrers mit langstreckentauglichem BEV der günstigste Anbieter, gefolgt von „EnBW mobility+“ mit 1.980 Euro – nutzt man bei EnBW den „Vierlfahrer-Tarif“ für fünf Euro im Monat, sind es noch 1.780 Euro. Aber: Beide Dienste bieten keinen Ionity-Zugang und somit eine geringere Abdeckung. Bei EnBW sind es in der DACH-Region 2.000 HPC-Ladepunkte, bei den Stadtwerken München nur 1.400 HPC-Ladepunkte.

Zum Vergleich: „Shell Recharge“ bietet von seinen 3.650 HPC-Ladepunkten immerhin 2.600 in der DACH-Region an – also deutlich mehr als Haupt-Konkurrent EnBW. Mit 2.950 Euro durchschnittlichen Ladekosten für den Langstrecken-Fahrer ist das Angebot aber deutlich teurer. Grundsätzlich sei festzuhalten, dass eine hohe HPC-Netzabdeckung zu Lasten der durchschnittlichen Ladekosten und damit auch dem Elektroautofahrer gehe, so P3. Dies ist hauptsächlich auf die hohen B2B-Preise an Ionity-Ladestationen zurückzuführen, die die Ladedienste an ihre Kunden weitergeben. Fast alle Ladedienste haben für das Ionity-Schnellladenetzwerk separate Preise ausgewiesen.

Eine wichtige Ausnahme sei hier Plugsurfing Plus. Der Abo-Tarif bietet für Vielfahrer 0,34 €/kWh, egal ob für AC, DC, HPC oder Ionity – kostet allerdings 19,99 Euro Grundgebühr pro Monat. Dennoch kann sich das für Vielfahrer rechnen: In dem Langstrecken-Profil wurden in dem Vergleich Kosten von 1.820 Euro errechnet. Also günstiger als der Standard-Tarif bei EnBW und mit Ionity-Zugang. Das gilt aber nur für Plugsurfing Plus: Ohne das Abo im regulären Tarif gehört Plugsurfing mit 0,86 €/kWh zu den teuersten Anbietern an Ionity-Säulen.

Auch das zeigt, wie wichtig das persönliche Lade- und Fahrverhalten ist. Selbst Langstrecken-Vielfahrer müssen auf ihren eigenen Fall schauen: Enthält die regelmäßige Strecke viele Fastned- und Ionity-Ladepunkte, bringt der günstigere EnBW-Tarif wenig. Für einen Vielfahrer in Baden-Württemberg mit der dortigen Dichte der EnBW-Schnelllader an den Autobahnen sieht das bei gleichem Auto und ähnlicher Gesamtfahrstrecke ganz anders aus.
p3-group.com

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