CAM-Report: Geely, VW und BYD sind innovationsstärkste E-Auto-Hersteller
Das Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach ist für seine regelmäßigen Analysen des Elektroauto-Markts bekannt. Unter der Leitung von
Prof. Dr. Stefan Bratzel hat sich das Team diesmal angeschaut, welche Serien-Innovationen die wichtigsten Hersteller weltweit zuletzt im Bereich der batterieelektrischen Fahrzeuge (BEV) herausgebracht haben. Jede Innovation erhält dabei einen „Score“, d.h. einen kumulierten Indexwert (Innovationsstärke) entsprechend ihrer Reife (Serie vs. Konzept), Originalität (Weltneuheit vs. Unternehmensneuheit), ihrem Kundennutzen und ihrem Innovationsgrad (niedrig vs. hoch).
Zur Methodik: Im Mittelpunkt der Bewertung stand die „CAM-Triade“ bestehend aus Reichweite, Stromverbrauch und Ladeleistung, die als zentrale kundenrelevante Leistungsparameter der Elektromobilität gelten. Ergänzend werden die Segmentbesetzung (z. B. erstmalige Einführung elektrischer Antriebe in bestimmten Fahrzeugsegmenten) sowie weitere innovationsrelevante Entwicklungen im Bereich der Elektromobilität berücksichtigt. Dazu zählen unter anderem Fortschritte in der Batterietechnologie, der Ladesteuerung oder verwandten Systemkomponenten. In das Ranking sind dabei nur Innovationen eingeflossen, die zwischen 2021 und 2025 auf mindestens einem relevanten globalen Pkw-Markt (insbesondere Europa, USA, China oder Japan) für Endkunden bestellbar waren. dabei wurden insgesamt 713 Serien-Innovationen bei BEV erfasst und ausgewertet.
China und Deutschland dominieren das Ranking
Bei der Analyse zeigte sich, dass der chinesische Geely-Konzern mit Marken wie Lotus, Polestar, Volvo oder Zeekr aktuell auf Platz 1 liegt: Auf Basis von 72 Innovationen kam die Unternehmensgruppe auf einen Wert von 193 Indexpunkten. Es folgen der deutsche Volkswagen-Konzern (153 Indexpunkte) auf Platz 2, die chinesischen Player BYD (147 Indexpunkte) und SAIC mit Marken wie Maxus und MG (122 Indexpunkte) auf Rang 3 und 4 sowie die deutschen Hersteller BMW (110 Indexpunkte) und Mercedes-Benz (106 Indexpunkte) auf Position 5 und 6.
Während die Top 6 also nur aus chinesischen und deutschen Herstellern besteht, wird die Top 10 mit Anbietern aus Frankreich, Südkorea und den USA komplettiert. So rangiert Hyundai auf Platz 7, Tesla auf Platz 8, Renault auf Platz 9 und General Motors auf Platz 10.

Das CAM nennt konkrete Beispiele, mit welchen Innovationen die erfolgreichsten Anbieter im Ranking punkten konnten: So konnte Geely insbesondere die Reichweiten- und Batterieperformance durch kontinuierliche Optimierungen bei Marken wie Zeekr und Polestar verbessern, einschließlich neuer Batteriesysteme und Effizienzsteigerungen in mehreren Modellgenerationen. BYD setzt z.B. mit hochleistungsfähigen Batteriesystemen und einer Megawatt-Ladelösung für E-Autos Maßstäbe bei Ladeleistung und Systemintegration.
Der VW-Konzern fokussierte sich auf die industrielle Skalierung der Elektromobilität und konnte durch Reichweiten- und Effizienzverbesserungen in volumenstarken Modellen wie der ID.-Familie punkten. BMW stärkte seine Innovationsposition vor allem durch systematische Reichweitenoptimierungen und Effizienzmaßnahmen bei elektrischen Premiumfahrzeugen, etwa im neuen E-SUV iX3 auf Basis der „Neuen Klasse“, aber auch weiteren BEV-Baureihen. Mercedes-Benz konnte durch Innovationen im EQS oder jüngst im vollelektrischen CLA punkten.
Fokus auf serienreife Innovationen fördert Absatz
Studienleiter Stefan Bratzel sagt: „Die Modelle der deutschen Autobauer besitzen im Bereich der Elektromobilität mittlerweile eine hohe Innovationsstärke und können es im technologischen Wettbewerb mit den ebenfalls enorm innovativen chinesischen Autobauern aufnehmen. Die Elektro-Innovationsstärke ist ein zentraler Frühindikator für zukünftige Absatzentwicklung im BEV-Segment. OEMs, die ihre Innovationsaktivitäten konsequent auf serienreife, kundennahe Lösungen ausrichten, schaffen damit die Grundlage für nachhaltiges Absatzwachstum in einem zunehmend kompetitiven Marktumfeld.“
Die Innovationsstärke sei in frühen Innovationsphasen ein notwendiger, aber nicht hinreichender Einflussfaktor für den Markterfolg. Hinzukommen müsse ein wettbewerbsfähiger Preis der Fahrzeuge, „entsprechend spielen für die deutschen Automobilhersteller künftig Programme zur Kostensenkung und Skalierung entlang der Wertschöpfungskette eine wichtige Rolle“, so Bratzel weiter.
Das CAM hat sich auch angeschaut, ob es einen Zusammenhang zwischen Innovationsstärke und Absatzzahlen gibt. Und tatsächlich: Autohersteller mit hoher und kontinuierlich wachsender Innovationsstärke wiesen im Jahr 2025 überwiegend eine überdurchschnittliche Absatzdynamik im BEV-Segment auf, während Hersteller mit stagnierender oder rückläufiger Innovationsleistung häufiger Marktanteilsverluste verzeichnen mussten.
Tesla ist großer Verlierer
Konkret ist zum Beispiel Tesla, das noch im Innovationsranking für die Jahre 2016 bis 2020 auf Platz 1 stand, im Innovationsranking nun auf den 8. Rang gefallen. Und es waren auch im Vergleich der Absatzzahlen zwischen 2024 und 2025 der große Verlierer, denn die Auslieferungen sanken um 9,1 Prozent auf nur noch rund 1,6 Millionen Elektroautos.

Dagegen konnte der Innovationsranking-Sieger Geely (inkl. Volvo, Polestar) ein starkes Wachstum verzeichnen und steigerte seine BEV-Verkäufe in 2025 um mehr als 60 Prozent auf 1,29 Millionen Einheite, getragen durch eine breite Modellpalette und eine hohe Marktdurchdringung in China. Der Anteil der BEV-Verkäufe bei Geely stieg auf 31 Prozent. BYD wiederum steigerte seine BEV-Pkw-Auslieferungen von rund 1,8 Millionen (2024) auf 2,26 Millionen Fahrzeuge in 2025 (+28 Prozent) und erhöhte gleichzeitig den BEV-Anteil an den Gesamtverkäufen auf rund 50 Prozent. Und der VW-Konzern konnte bei den BEV um 32 Prozent auf rund 983.100 Einheiten zulegen.
Quelle: per Mail





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