CAM-Report: Geely, VW und BYD sind innovationsstärkste E-Auto-Hersteller

Stefan Bratzel und Team haben für den jüngsten "CAM Electromobility Report" die Innovationskraft von 36 Autoherstellern bei BEV unter die Lupe genommen. Am besten schneidet der chinesische Geely-Konzern ab. Der Report vergleicht zudem die BEV-Absatzzahlen der größten Hersteller in 2025.

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Bild: Geely

Das Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach ist für seine regelmäßigen Analysen des Elektroauto-Markts bekannt. Unter der Leitung von
Prof. Dr. Stefan Bratzel hat sich das Team diesmal angeschaut, welche Serien-Innovationen die wichtigsten Hersteller weltweit zuletzt im Bereich der batterieelektrischen Fahrzeuge (BEV) herausgebracht haben. Jede Innovation erhält dabei einen „Score“, d.h. einen kumulierten Indexwert (Innovationsstärke) entsprechend ihrer Reife (Serie vs. Konzept), Originalität (Weltneuheit vs. Unternehmensneuheit), ihrem Kundennutzen und ihrem Innovationsgrad (niedrig vs. hoch).

Zur Methodik: Im Mittelpunkt der Bewertung stand die „CAM-Triade“ bestehend aus Reichweite, Stromverbrauch und Ladeleistung, die als zentrale kundenrelevante Leistungsparameter der Elektromobilität gelten. Ergänzend werden die Segmentbesetzung (z. B. erstmalige Einführung elektrischer Antriebe in bestimmten Fahrzeugsegmenten) sowie weitere innovationsrelevante Entwicklungen im Bereich der Elektromobilität berücksichtigt. Dazu zählen unter anderem Fortschritte in der Batterietechnologie, der Ladesteuerung oder verwandten Systemkomponenten. In das Ranking sind dabei nur Innovationen eingeflossen, die zwischen 2021 und 2025 auf mindestens einem relevanten globalen Pkw-Markt (insbesondere Europa, USA, China oder Japan) für Endkunden bestellbar waren. dabei wurden insgesamt 713 Serien-Innovationen bei BEV erfasst und ausgewertet. 

China und Deutschland dominieren das Ranking

Bei der Analyse zeigte sich, dass der chinesische Geely-Konzern mit Marken wie Lotus, Polestar, Volvo oder Zeekr aktuell auf Platz 1 liegt: Auf Basis von 72 Innovationen kam die Unternehmensgruppe auf einen Wert von 193 Indexpunkten. Es folgen der deutsche Volkswagen-Konzern (153 Indexpunkte) auf Platz 2, die chinesischen Player BYD (147 Indexpunkte) und SAIC mit Marken wie Maxus und MG (122 Indexpunkte) auf Rang 3 und 4 sowie die deutschen Hersteller BMW (110 Indexpunkte) und Mercedes-Benz (106 Indexpunkte) auf Position 5 und 6.

Während die Top 6 also nur aus chinesischen und deutschen Herstellern besteht, wird die Top 10 mit Anbietern aus Frankreich, Südkorea und den USA komplettiert. So rangiert Hyundai auf Platz 7, Tesla auf Platz 8, Renault auf Platz 9 und General Motors auf Platz 10.

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Grafik: CAM

Das CAM nennt konkrete Beispiele, mit welchen Innovationen die erfolgreichsten Anbieter im Ranking punkten konnten: So konnte Geely insbesondere die Reichweiten- und Batterieperformance durch kontinuierliche Optimierungen bei Marken wie Zeekr und Polestar verbessern, einschließlich neuer Batteriesysteme und Effizienzsteigerungen in mehreren Modellgenerationen. BYD setzt z.B. mit hochleistungsfähigen Batteriesystemen und einer Megawatt-Ladelösung für E-Autos Maßstäbe bei Ladeleistung und Systemintegration.

Der VW-Konzern fokussierte sich auf die industrielle Skalierung der Elektromobilität und konnte durch Reichweiten- und Effizienzverbesserungen in volumenstarken Modellen wie der ID.-Familie punkten. BMW stärkte seine Innovationsposition vor allem durch systematische Reichweitenoptimierungen und Effizienzmaßnahmen bei elektrischen Premiumfahrzeugen, etwa im neuen E-SUV iX3 auf Basis der „Neuen Klasse“, aber auch weiteren BEV-Baureihen. Mercedes-Benz konnte durch Innovationen im EQS oder jüngst im vollelektrischen CLA punkten. 

Fokus auf serienreife Innovationen fördert Absatz

Studienleiter Stefan Bratzel sagt: „Die Modelle der deutschen Autobauer besitzen im Bereich der Elektromobilität mittlerweile eine hohe Innovationsstärke und können es im technologischen Wettbewerb mit den ebenfalls enorm innovativen chinesischen Autobauern aufnehmen. Die Elektro-Innovationsstärke ist ein zentraler Frühindikator für zukünftige Absatzentwicklung im BEV-Segment. OEMs, die ihre Innovationsaktivitäten konsequent auf serienreife, kundennahe Lösungen ausrichten, schaffen damit die Grundlage für nachhaltiges Absatzwachstum in einem zunehmend kompetitiven Marktumfeld.“

Die Innovationsstärke sei in frühen Innovationsphasen ein notwendiger, aber nicht hinreichender Einflussfaktor für den Markterfolg. Hinzukommen müsse ein wettbewerbsfähiger Preis der Fahrzeuge, „entsprechend spielen für die deutschen Automobilhersteller künftig Programme zur Kostensenkung und Skalierung entlang der Wertschöpfungskette eine wichtige Rolle“, so Bratzel weiter.

Das CAM hat sich auch angeschaut, ob es einen Zusammenhang zwischen Innovationsstärke und Absatzzahlen gibt. Und tatsächlich: Autohersteller mit hoher und kontinuierlich wachsender Innovationsstärke wiesen im Jahr 2025 überwiegend eine überdurchschnittliche Absatzdynamik im BEV-Segment auf, während Hersteller mit stagnierender oder rückläufiger Innovationsleistung häufiger Marktanteilsverluste verzeichnen mussten. 

Tesla ist großer Verlierer

Konkret ist zum Beispiel Tesla, das noch im Innovationsranking für die Jahre 2016 bis 2020 auf Platz 1 stand, im Innovationsranking nun auf den 8. Rang gefallen. Und es waren auch im Vergleich der Absatzzahlen zwischen 2024 und 2025 der große Verlierer, denn die Auslieferungen sanken um 9,1 Prozent auf nur noch rund 1,6 Millionen Elektroautos.

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Bild: CAM

Dagegen konnte der Innovationsranking-Sieger Geely (inkl. Volvo, Polestar) ein starkes Wachstum verzeichnen und steigerte seine BEV-Verkäufe in 2025 um mehr als 60 Prozent auf 1,29 Millionen Einheiten, getragen durch eine breite Modellpalette und eine hohe Marktdurchdringung in China. Der Anteil der BEV-Verkäufe bei Geely stieg auf 31 Prozent. BYD wiederum steigerte seine BEV-Pkw-Auslieferungen von rund 1,8 Millionen (2024) auf 2,26 Millionen Fahrzeuge in 2025 (+28 Prozent) und erhöhte gleichzeitig den BEV-Anteil an den Gesamtverkäufen auf rund 50 Prozent. Und der VW-Konzern konnte bei den BEV um 32 Prozent auf rund 983.100 Einheiten zulegen.

auto-institut.de

2 Kommentare

zu „CAM-Report: Geely, VW und BYD sind innovationsstärkste E-Auto-Hersteller“
Paul-Gerhard Fenzlein
15.01.2026 um 08:20
Ich weiß nicht, woher Herr Bratzel seine Informationen bezieht. Dass er Geely als Nummer eins unter den Technologieführern einstuft und die VW-Gruppe auf Platz zwei – noch vor BYD und SAIC – ist für mich nicht nachvollziehbar. Völlig unverständlich wird diese Bewertung jedoch, wenn er Reichweite, Effizienz und Ladegeschwindigkeit als wichtigste Beurteilungskriterien heranzieht und dabei ausgerechnet NIO, den aus meiner Sicht innovativsten Autobauer in China, nicht einmal unter die Top drei einordnet. In diesem Punkt muss ich seine fachliche Kompetenz ernsthaft infrage stellen. Zur Begründung: NIO hat bereits im Oktober 2024 mit dem ONVO L60 als erster chinesischer Hersteller eine 900-Volt-Hardwareplattform in den Markt gebracht. Dieses Fahrzeug erreicht im chinesischen CLTC-Zyklus einen Verbrauch von rund 12 kWh pro 100 km und ist damit ebenso effizient wie Tesla. Diese Technologie wurde konsequent weiterentwickelt: Ab Oktober 2025 kam sie im meistverkauften SUV NIO ES8 zum Einsatz und wird ab April 2026 mit der neuen 900-Volt-Plattform NT 3.0 auch im NIO ET9 verbaut. An den in China betriebenen, NIO-eigenen 600-kW-Ladesäulen sind Ladeleistungen von bis zu 600 kW möglich – ein Wert, der aktuell über dem Niveau von Xpeng, Xiaomi, Porsche oder BMW liegt. Darüber hinaus betreibt NIO in China mehr als 3.700 Batteriewechselstationen. Dort können Elektroautofahrer innerhalb von drei bis vier Minuten vollautomatisch eine leere Batterie gegen eine zu etwa 92 % geladene tauschen. Realistisch betrachtet ist das in Bezug auf die Wiederherstellung der Mobilität jeder Schnellladelösung überlegen. Ein weiterer, oft übersehener Aspekt ist die Systemintegration: In Schweden werden die derzeit acht vorhandenen NIO-Power-Swap-Stationen vom Netzbetreiber aktiv zur Stabilisierung der Netzfrequenz als Sicherungs- und Backup-System genutzt. Wer außer NIO kann das? Niemand. Zusätzlich plant NIO gemeinsam mit CATL weltweit – und damit auch in Europa – den Aufbau von insgesamt 1.000 neuen Power-Swap-Stationen der fünften Generation. Diese sollen nicht nur für NIO-Fahrzeuge, sondern auch für die Submarken ONVO und Firefly sowie für Fremdmarken wie Chery oder JAC nutzbar sein. Parallel dazu plant CATL gemeinsam mit Fiat aus dem Stellantis-Konzern Batterietauschlösungen und spezielle Wechselstationen für den Fiat 500 und 600. Grundlage hierfür ist die am 5. Januar 2026 geschlossene Kooperationsvereinbarung zwischen NIO und CATL. Vor diesem Hintergrund ist es aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar, NIO bei einer technologieorientierten Bewertung – insbesondere unter Berücksichtigung von Effizienz, Ladegeschwindigkeit und Systemintegration – nicht zu den führenden Herstellern zu zählen.
Ralf Kurth
15.01.2026 um 10:58
Herr Fenzlein, Ihre Liste der NIO‑Stärken stimmt, aber sie ist einseitig. NIO hat Spitzenwerte, doch CAM zählt, was breit und serienreif ist. Firmen mit vielen Modellen und großer Produktion schneiden deshalb besser im Ranking ab. Batteriewechsel mag beeindruckend klingen, doch die Praxis zeigt große Hürden: hohe Kosten, komplizierte Logistik und fehlende Standards. Wer Batteriewechsel als Allheilmittel darstellt, blendet diese Probleme aus.

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