T&E-Analyse: EU-Zölle verprellen China-Produzenten aus dem Westen, weniger BYD und Co.

Die Organisation Transport & Environment hat die Folgen der EU-Zölle auf E-Autos aus China untersucht. Haupterkenntnisse: Die Stromer aus Fernost bleiben für europäische Verhältnisse günstig – und die Importe nehmen zu. Wer in China weniger produziert und nach Europa exportiert, das sind vor allem die westlichen Marken.

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Bild: BYD

Der Effekt der EU-Zölle auf Elektroautos aus China ist laut einer T&E-Analyse klar messbar: Im ersten Quartal 2026 kamen dem neuen Report zufolge 17 Prozent der E-Autos auf dem EU-Markt aus China. 2024, als die Zölle eingeführt wurden, lag der Höchststand bei 22 Prozent. Sprich: Der EU-Marktanteil von in China hergestellten Elektroautos hat sich verringert. Doch ein genauerer Blick lohnt sich. Denn T&E stellt fest, dass dieser Rückgang vor allem darauf zurückzuführen ist, dass westliche Marken weniger in China produzieren – und ergo weniger in die EU einführen. Die Importe von China-Marken in die EU „steigen dagegen weiter an“.

Wortwörtlich schreibt die Organisation: „Der Rückgang ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die westlichen Marken Tesla, BMW und Volvo ihre Produktion von China nach Europa verlagert haben. Der Anteil europäischer Hersteller an den chinesischen E-Auto-Importen sank von 38 Prozent im Jahr 2024 auf 23 Prozent im ersten Quartal 2026.“ Im selben Zeitraum sei beispielsweise der Anteil von Tesla von 26 auf 19 Prozent gesunken. Chinesische Autohersteller machen nun im Gegenzug „mehr als die Hälfte der chinesischen E-Auto-Importe aus“.

China-Marken mit unterschiedlichen Reaktionen

Ohne Effekte sind die EU-Zölle auf chinesische Marken unterdessen nicht geblieben. Die chinesischen E-Auto-Hersteller hätten sich an die Zölle angepasst, jedoch mit unterschiedlichen Ergebnissen je nach Zollsatz, heißt es in der T&E-Studie. Die E-Auto-Importe von SAIC, für den ein Zollsatz von 35 Prozent (+10 Prozent Basiszoll) gilt, haben sich zwischen 2023 und 2025 fast halbiert. Hier ist die gewünschte Wirkung also eingetreten. Doch beispielsweise Hersteller BYD, für den ein Zollsatz von 17 Prozent (+10 Prozent Basiszoll) erhoben wurde, hat seine E-Auto-Importe in die EU mehr als verdoppelt.

Transportenvironment grafik e auto importe zoelle

Und: Trotz der Zölle sind E-Autos chinesischer Marken laut T&E-Analyse weiterhin 21 Prozent günstiger als die europäischer Hersteller. Als weitere Reaktion auf die Zölle verlagern chinesische Hersteller den Analysten zufolge zudem einen größeren Teil ihrer E-Auto-Produktion nach Europa. „Seit die Kommissionspräsidentin im September 2023 eine Antisubventionsuntersuchung angekündigt hat, wurden 10 geplante Produktionsstätten bekannt gegeben“, heißt es in dem Papier.

Außerdem haben chinesische Hersteller als weitere Wirkung der Zölle ihre Exporte auf Plug-in-Hybride (PHEV) verlagert. Ein Phänomen, das schon länger zu beobachten ist, dass T&E: Chinesische nun aber nochmals mit Zahlen untermauert: China-Marken halten der Organisation zufolge nun einen Anteil von 13 Prozent am PHEV-Markt der EU – gegenüber drei Prozent im Jahr 2024.

Batterieimporte haben sich seit 2020 versiebenfacht

Unterdessen sind auch die chinesischen Batterieimporte – für die praktisch keine Zölle anfallen – stark gestiegen. Sie haben sich laut T&E zwischen 2020 und 2025 versiebenfacht. Und: Von den bereits innerhalb der EU hergestellten Batterien entfallen weniger als ein Viertel auf europäische Hersteller.“Deren Zukunft ist ungewiss, da sie mit günstiger importierten Batterien und um den Zugang zu den benötigten Rohstoffen konkurrieren“, fassen die Studienmacher die komplexe Situation zusammen. Asiatische Hersteller hätten zudem in vielen Bereichen der Batterieproduktion einen Technologievorsprung.


Susanne Goetz, Senior Referentin für E-Mobilität bei T&E Deutschland, kommentiert: „Die EU-Zölle waren wirksam, um Produktion zurück nach Europa zu verlagern. Die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen bei E-Autos und Batterien steht trotzdem auf dem Spiel und der Standort Deutschland hat dabei besonders viel zu verlieren.“ Der Schlüssel für einen starken europäischen E-Auto-Markt seien die Flottengrenzwerte für Pkw. Und: „Wenn wir auch eine starke heimische Batterie-Lieferkette aufbauen wollen, müssen wir mit Zöllen auf importierte Batterien die heimische Produktion schützen und gleichzeitig gezielt fördern. Deutschland ist schon jetzt ein starker Standort für Batterieproduktion. Für diesen Wirtschaftszweig muss sich die Bundesregierung in Brüssel dringend engagieren.“

T&E empfiehlt höhere Zölle auf Batterien aus China

Hintergrund ist, dass für in China hergestellte und in die EU importierte Batterien aktuell „ein extrem niedriger Zollsatz“ gilt, wie es T&E ausdrückt. Weitere Handelsschranken würden es europäischen Batterieherstellern helfen, auf dem heimischen Markt erfolgreich zu sein, ohne den Umstieg auf E-Autos zu verlangsamen, so die Analysten: „Zölle von 20 Prozent auf chinesische Batterien würde den Preis von in der EU hergestellten E-Autos um durchschnittlich nur 2,8 Prozent erhöhen“.

Weiter spricht sich T&E dafür aus, dass Deutschland die beiden EU-Initiativen Industrial Accelerator Act und die Regulierung für Unternehmensflotten („Clean Corporate Vehicles Regulation“). Beide bezeichnet die Organisation als Stützen, „um einen starken Markt für in der EU hergestellte E-Autos und Batterien zu schaffen“. Ein wichtiger Faktor sei dabei, die Planungssicherheit für den EU-Automobilsektor zu erhalten und sich für das Erhalten der Flottengrenzwerte einzusetzen. Die EU-Kommission will diese bekanntlich aufweichen. Sieben EU-Staaten wehren sich allerdings dagegen. Zu den Befürwortern einer Abschwächung zählen dagegen Deutschland, Italien und Tschechien.

transportenvironment.org

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