Schnellcheck: Das sind die E-Neuheiten auf der Busworld

In Brüssel stechen nicht nur die großen Akteure der Branche mit ihren lokal emissionsfreien Busneuheiten hervor, auch viele kleinere, internationale Player ziehen inzwischen nach - und geben damit ein Bekenntnis zur E-Mobilität ab. Ein Überblick.

Scania_Plattform_Bus_Busworld_2023
Foto: Scania

Die Busworld in der belgischen Hauptstadt gilt als Leitmesse der Branche und damit als Gradmesser für die Innovationskraft und den Wandlungswillen der Hersteller. Elektrobusse sind im Stadtsegment inzwischen auf der Mehrheit der Stände zu sehen. Neben größeren Namen wie MAN, BYD und Iveco rücken auch die kleineren Branchenmitglieder zunehmend strombetriebene Busse ins Rampenlicht. Ein weiterer Trend sind zudem Wasserstoffbusse: Die Auswahl der derart angetriebenen Modelle steigt. Schauen wir im Detail:

Scania wuchert auf der Busworld in Brüssel gleich mit einer neuen Batterie-elektrischen Busplattform, die Reichweiten von mehr als 500 Kilometern erlauben soll. Einführen wollen die Schweden die Plattform in 4×2-Low-Entry-Bussen. Grundsätzlich soll sie sich aber sowohl für mittelschwere als auch für schwere Einsätze im Stadt-, Vorort- und Regionalbereich eignen – dies umfasst laut Scania die Klasse I und auch die Klasse II.

BYD hat zur Messe die neue Generation seines Solobusses eBus B12 und einen knapp 14 Meter langen E-Doppeldecker mitgebracht. In Ersterem bringt der chinesische Konzern seine Blade-Batterie zum Einsatz, die in das Chassis integriert wird. Mit einer maximalen Kapazität von 500 kWh soll der Akku eine Reichweite von 600 Kilometern ermöglichen. Der Batterie-elektrische Doppeldecker-Reisebus namens BYD-UNVI DD13 kombiniert die BYD-Antriebstechnik mit einem Aufbau von UNVI. Die LFP-Batterie mit bis zu 484 kWh Kapazität erlaubt laut BYD Reichweiten von bis zu 350 Kilometern. Das Modell soll dabei auf die Bedarfe europäischer Verkehrsunternehmen ausgelegt sein.

Einige Meter weiter zeigt Iveco den E-Way H2, einen zwölf Meter langen Stadtbus mit einem Brennstoffzellensystem der Hyundai-Marke HTWO an Bord. Der Iveco E-Way H2 wird mit einem 310-kW-Elektromotor vorfahren und soll „unter normalen Betriebsbedingungen“ eine Reichweite von 450 Kilometern erzielen. Flankiert wird der H2-Bus in Brüssel von Ivecos BEV-Angebot an elektrischen Stadt- und Überlandbussen, namentlich E-Way, Streetway Elec, Crossway LE Elec sowie ein auf dem eDaily basierender Kleinbus.

Bei MAN erwartet Besucher unter anderem die neue Low-Entry-Variante des Lion’s City E. Das Batterie-elektrische Modell wartet im Heck mit einem Hochboden statt einer zerklüfteter Hecklandschaft mit Stufen und Podesten auf. Dabei hat MAN vor allem den niederländischen und skandinavischen Markt im Blick, denn hier fordern Ausschreibungen in der Regel LE-Elektrobusse. Am bekannten Antrieb ändert sich nichts.

Der türkische Hersteller Otokar tritt unter anderem mit BEV- und FCEV-Doppelpack an – und stellt auf der Busworld den zwölf Meter langen Wasserstoffbus Kent Hydrogen und den 13 Meter langen Elektro-Überlandbus e-Territo vor. Ersterer soll in seinen Tanks 38 Kilogramm Wasserstoff mitführen und damit bis zu 500 Kilometer weit kommen können. Zum e-Territo gibt der OEM nur bekannt, dass dieser „in zwei verschiedenen Batteriekapazitäten erhältlich sein wird, was zu zwei unterschiedlichen Reichweiten und zwei verschiedenen Gepäckkapazitäten führt“.

Der ebenfalls aus der Türkei stammende Konzern Anadolu Isuzu hat in Brüssel das Tuch vom NovoVolt gezogen, einem 7,3 Meter langen Elektro-Kleinbus. Das Modell soll es mit einer 165 kWh-Batterie an Bord auf eine Reichweite von 225 Kilometer bringen.

Am Stand des britischen Busbauers Mellor ist der vollelektrische Neun-Meter-Bus Sigma 9 zu sehen, der sich durch „seine geringe Breite und seine Leichtbauweise“ abheben soll. In Europa soll das Modell mit zwei Batterieoptionen angeboten werden. Die maximale Reichweite geben die Briten mit 300 Kilometer an.

Bei Safra aus Frankreich sticht in Brüssel der Brennstoffzellenbus Hycity heraus. Das Fahrzeug ist Nachfolger des H2-Modells Businova. Der Safra Hycity hat wie sein Vorgänger eine Brennstoffzelle des französischen Herstellers Symbio an Bord und soll als zwei- und dreitürige Version mit Niederflur- und Vollflurboden angeboten werden.

Erstmals an der Busworld mit Stand vertreten ist ferner der italienische Bushersteller Rampini. Dort zu sehen ist der acht Meter lange Hydron mit Wasserstoff-Range-Extender, der ebenfalls Acht-Meter-Bus Eltron in BEV-Version sowie der sechs Meter lange vollelektrische Sixtron.

Auch der ungarische Konzern Ikarus setzt auf neue E-Modelle. Der auf der Messe ausgestellte 8,5-Meter-Midibus Ikarus 80e soll dabei der Vorbote für die geplanten vollelektrischen Solo- und Gelenkbusse 120e und 180e sein.

Aus Tschechien bringt schließlich auch die Skoda Group einen zusammen mit SOR Libchavy gebauten 12-Meter-Elektrobus mit. Als Spezialist für Trolley-Busse zeigt Skoda mit dem Modell einen extern ladbaren Solobus jenseits seines O-Bus-Portfolios.

Neben den OEMs ist die Busworld natürlich auch immer ein Pflichttermin und Tummelplatz für die prägenden Zulieferer der Branche. Stellvertretend seien hier drei Akteure mit ihren Innovationen genannt: ZF, Webasto und Kiepe Electric.

Der Friedrichshafener Konzern ZF präsentiert im Spotlight der Messe die nächste Generation seine Elektroportalachse für den öffentlichen Nahverkehr vor. Die neue AxTrax 2 LF wurde speziell für Niederflur-Stadtbusse entwickelt kommt in zwei Varianten mit Dauerleistungen von 260 kW und 360 kW und Spitzendrehmomenten von 22.700 Nm und 37.300 Nm auf den Markt. Beide Varianten passen in den gleichen Bauraum wie das Vorgängermodell AxTrax AVE.

Webasto zeigt Besuchern in Brüssel unter anderem sein wachsendes Sortiment an Hochvoltheizern für Hybrid- und Elektrofahrzeuge. Mit dem Next Generation Coolant Heater hat Webasto inzwischen ein elektrisches Heizsystem auf Plattformbasis im Angebot. Aber auch der bewährte HV-Heizer HVH 100 hat neue Ableger erhalten.

Bei Kiepe Electric ist auf der Busworld schließlich der sogenannte K-Charger zu sehen. Eine Weltpremiere, mit der sich das Unternehmen auf dem Markt für mobiles High-Power-Charging (mHPC) positionieren will. Das Ladesystem nutzt die vorhandene Stromversorgung von Regional- und Fernzügen, Straßen- oder U-Bahnen, um Elektrobusse mit bis zu 800 kW aufzuladen.

otokar.com.trprnewswire.com (Anadolu Isuzu), mellorbus.com

1 Kommentar

zu „Schnellcheck: Das sind die E-Neuheiten auf der Busworld“
erFahrer
12.10.2023 um 23:08
Vielen Dank für diese kompakte Zusammenfassung - ihr seid Spitze, bringt es doch die Dinge sehr gut auf den Punkt. Erstaunlich wie fest diese Branche sich selbst in Ausschreibungen gefangen hat - wo sind denn die bahnbrechenden Innovationen? - Wechselakku für ÖPNV um auch kostengünstig die Umlandgemeinden emissionsfrei an die Städte anzubinden ( Endhaltestelle wird zum kostengünstigen Reichweitenverlängerer . Auch FLIXBUS wäre damit einen Schritt näher. - Wo sind die Bus-Lade-Parks ? Reisebusse folgen Ruten, benötigen verlässliche Rastplätze - Geschäftsmodelle mit Reisenden sollten nicht nur an Flughafen zu finden sein. - und liebe Zulieferer von Klimatisierung - hört bitte auf mit diesen heftigen Geräuschquellen für ein wenig Wärme. Merkt ihr den nicht, dass ihr das Fahrerlebnis eBus damit arg zunichte macht? Ja , ja es ist schwer aus dem gebährenden Schoß der wärmenden fossilen Konzerne zu schlüpfen, doch nehmt den heutige Weckruf von Fatih Birol ernst , sonst seid ihr die Ersten die es 2030 nicht mehr gibt. https://www.derstandard.de/story/3000000190600/iea-chef-birol-masterplan-zur-rettung-von-europas-industrie-noetig

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