Deutschland holt bei der Elektro-Innovationsstärke massiv auf
Das Center of Automotive Management (CAM) aus Bergisch Gladbach trackt für seine Studien seit Jahren die Innovationen der weltweit aktiven Autohersteller. Nachdem das CAM erst vor wenigen Tagen die 22. Ausgabe seiner Studienreihe „Automotive Innovations“ zu Neuerungen von Fahrzeugen aller Antriebsarten vorgestellt und dabei BYD vorn gesehen hatte, folgt nun ein weiterer „Electromobility Report“ speziell nur zu Innovationen in der Elektromobilität. Dabei stehen – wie schon bei der letzten Ausgabe im Januar – die Hersteller Geely, VW und BYD auf dem Treppchen.
Für das Ranking wurde die Innovationsstärke der 35 wichtigsten Automobilgruppen weltweit im Bereich vollelektrische Autos untersucht. Im Zeitraum 2020 bis 2025 konnten dabei 874 Serien-Innovationen identifiziert und bewertet werden, davon stammten allein 162 Neuerungen aus dem Jahr 2025. Dabei unterscheidet das CAM auch nach den Kategorien „Reichweite“, „Ladeleistung“ und „Verbrauch“ sowie „E-Auto-Ökosystem“ und bewertet die Innovationen mit Indexpunkten.
Angeführt wird das Ranking von der chinesischen Geely-Gruppe mit Marken wie Lotus, Polestar, Volvo oder Zeekr mit einem Gesamtwert von 209 Indexpunkten (IP). Im Vergleich zum Vorjahr hat sich Geely damit um einen Platz verbessert, lag aber wie oben erwähnt schon im Januar vorn, als das CAM eine Zwischenauswertung der Innovationen von 2020 bis zum ersten Halbjahr 2025 vorgenommen hatte.
Die Silbermedaille geht an die VW Group (200 IP) und Bronze an BYD (171 IP). Die Top 10 werden von der SAIC-Gruppe (u.a. MG Motor), BMW, Tesla, Mercedes-Benz, Hyundai, Renault sowie General Motors komplettiert.

Neben dem bloßen Ranking ist interessant, welche Neuerungen die Automobilforscher für besonders innovativ halten. So punkte Geely nicht allein durch seine große Modellvielfalt, sondern auch durch technische Spitzenwerte einzelner Baureihen: So erreicht der Lotus Emeya eine Rekord-Ladeleistung von 450 kW in seinem Segment, während der Zeekr Mix mit 450 kW und einem Ladevorgang von 10 auf 80 % in nur 10,5 Minuten ebenfalls Bestwerte setzt.
Die zweitplatzierte VW Group präsentiert mit dem Porsche Cayenne Electric ein strukturell integriertes 113-kWh-Batteriesystem, das die Karosseriesteifigkeit erhöht, den Schwerpunkt absenkt und weniger Energie benötigt – zudem stellt die Turbo-Variante mit 850 kW und 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h den stärksten Großserien-SUV im Segment dar.
Und BYD überzeugte das CAM-Team durch ein besonders breites Innovationsportfolio: Der Han L kombiniert 1.000-kW-Dual-Gun-Laden, eine weiterentwickelte Blade-Batterie 2.0 mit Tieftemperaturladen bei –30 °C sowie einen Hochleistungsmotor mit 30.511 U/min – und auch der Tang L sowie der Yangwang U7 setzen mit bis zu 1.000 kW bzw. 500 kW Ladeleistung Maßstäbe in ihren Segmenten.
Zu den großen Aufsteigern zählt BMW, das im Jahresvergleich vom 10. auf den 5. Platz hochgeklettert ist. Das liegt vor allem am ersten Fahrzeug der Neuen Klasse, dem BMW iX3, der eine elektrische Reichweite von bis zu 805 km bietet. Ergänzt wird dies durch eine KI-gestützte, automatisch öffnende Ladeklappe sowie das Angebot Plug & Charge Multi Contract mit bis zu zehn gleichzeitig verwaltbaren Ladeverträgen.
Auffällig aus Sicht von Prof. Dr. Stefan Bratzel und seinen Mitstreitern ist der Absturz von Hersteller Tesla, der als Pionier der E-Mobilität jahrelang das Ranking angeführt hatte und nun nicht nur erstmals aus den Top 3 herausgefallen ist, sondern sogar nur auf dem 6. Platz gelandet ist. Das dürfte daran liegen, dass Tesla schon seit langem kein neues Serienmodell mehr vorgestellt hat.

Dagegen haben die erwähnten Hersteller aus China und Deutschland die Taktung bei E-Autos zuletzt weiter erhöht, was sich in den guten Platzierungen widerspiegelt. Macht man einen Ländervergleich, so sieht man dies in den Zahlen: Der Anteil der chinesischen OEMs an allen vergebenen Innovationspunkten liegt bei 32,4 Prozent gefolgt von Deutschland mit 31,9 Prozent. In den Vorjahren konnten die deutschen OEMs nur gut 20 Prozent der Elektro-Innovationsstärke für sich reklamieren, während China bei über 40 Prozent lag.
Studienleiter Stefan Bratzel sagt: „Deutschland holt bei der Elektro-Innovationsstärke massiv auf: Mit einem Anteil von knapp 32 Prozent an der globalen Elektroinnovationsstärke liegen die deutschen OEMs inzwischen nahezu gleichauf mit chinesischen Herstellern – noch vor wenigen Jahren war der Abstand deutlich größer. BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz weisen aktuell die höchste Innovationsstärke bei Vorserien-Neuerungen auf. Das stimmt mich für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie im BEV-Segment optimistisch.“
Die Innovationsstärke der Hersteller bei Elektroautos spiegelt sich größtenteils auch in den Absatzzahlen der Firmen wider. Im ersten Quartal 2026 hatte Tesla – nach einem schwachen Gesamtjahr 2025 – die Nase bei den weltweiten E-Auto-Zulassungen wieder vorn, gefolgt von BYD, Geely, der VW Group und dem SAIC-Konzern.
Quelle: per Mail





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