27.02.2021 - 18:47

Nikola zieht Bilanz / Nur 100 statt 600 E-Lkw für Kunden

Nikola Motor hat seine Geschäftszahlen für das vierte Quartal 2020 vorgelegt und zieht Bilanz für ganz 2020. Unter dem Strich verbuchte das US-Startup im vergangenen Jahr einen Verlust von 383 Millionen Dollar. Außerdem plant Nikola, dieses Jahr nur noch 100 statt 600 Fahrzeuge in die Kundenerprobung zu schicken. 

Nikola hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Galt das Unternehmen lange als ernst zunehmender Akteur in der E-Mobilitätsbranche, mehrten sich in den vergangenen Monaten die Zweifel. Kurz nach dem erfolgreichen Börsengang im vergangenen Jahr setzte eine Shortseller-Attacke dem Unternehmen stark zu. Nikola-Gründer und -CEO Trevor Milton musste in diesem Zuge das Unternehmen verlassen. Auch ein Großauftrag zum Bau von Müllfahrzeugen platzte und eine geplante Kooperation mit General Motors inklusive finanzieller Beteiligung für die Produktion des E-Pickups Badger scheiterte und wurde später in eine reine Lieferanten-Beziehung für bestimmte Komponenten umgewandelt.

In der Bilanz hinterlässt all das Spuren. 2020 erwirtschaftete Nikola – wie in den Jahren zuvor – keinen nennenswerten Umsatz. Der operative Verlust schoss gegenüber 2019 jedoch in die Höhe: Von 88 Millionen auf besagte 383 Millionen Dollar, davon entfielen allein 147 Millionen Dollar Miese auf das vierte Quartal. Zuvorderst, weil das Unternehmen hohe Investitionen stemmen muss. In einer noch fertig zu stellenden Produktionsstätte in Coolidge im US-Bundesstaat Arizona soll im dritten Quartal 2021 die Testfertigung starten, im Joint-Venture-Fertigungswerk auf dem Iveco-Campus in Ulm soll diese bereits im Juni 2021 losgehen. An Barmittel beziehungsweise Barmitteln mit Verfügungsbeschränkung stehen Nikola – Stand 31. Dezember 2020 – noch 845,3 Millionen US-Dollar zur Verfügung.

In einer Telefonkonferenz nach Bekanntgabe der Zahlen machte Nikola nach Angaben von Bloomberg und anderen Medien publik, dass in diesem Jahr nur 100 statt wie ursprünglich geplant 600 Batterie-elektrische Lkw des Typs Tre an Kunden ausgeliefert werden sollen. Als Grund nannte Mark Russell, der neue CEO von Nikola, die globale Pandemie und Probleme in der Lieferkette. „Wir sehen einen Nachholbedarf in der Lieferkette, der zu globalen Engpässen bei kritischen Teilen wie Bildschirmen und Batterien führt“, wird Russell bei Bloomberg zitiert. „In Anbetracht all dieser Unwägbarkeiten glauben wir, dass es umsichtig wäre, die Erwartungen für Nikola Tre BEV-Lieferungen zu revidieren.“

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INSYS

Im Geschäftsbericht gibt Nikola an, die Montage der ersten fünf Batterie-elektrischen Nikola Tre-Prototypen abgeschlossen zu haben. Vier der  Fahrzeuge seien zu Tests an verschiedene Standorte in Nordamerika gebracht worden, ein Fahrzeug sei in Europa verblieben. Parallel haben Nikola und Iveco nach eigenen Angaben mit der Montage der zweiten Charge von Prototyp-Lkw im Werk in Ulm begonnen.

Nach dem Start der nordamerikanischen Produktion des Batterie-elektrischen Tre plant Nikola die Einführung von zwei FCEV-Lkw. Einzelheiten zu diesen Plänen hatte das Unternehmen erst dieser Tage bekannt gegeben. Konkret will Nikola in Nordamerika eine FCEV-Variante des Nikola Tre Cabover für Reichweiten bis zu 500 Meilen und den Nikola Two FCEV Sleeper für Reichweiten bis zu 900 Meilen launchen. Was den Zeitplan angeht, soll der Tre FCEV Mitte 2023 in Serienproduktion gehen, der Two FCEV wohl im dritten Quartal 2024.

Doch noch einmal zurück in die nähere Zukunft. Im Geschäftsbericht hält Nikola für das laufende Jahr folgende Ziele fest. Verbunden mit dem oben genannten Start der Testfertigung in Deutschland und den USA sollen im vierten Quartal 2021 erste Tre BEVs an Kunden ausgeliefert werden – und zwar wie oben ausgeführt 100 statt 600 Exemplare. Außerdem strebt Nikola für das aktuelle Jahr erste Aktivitäten zum Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur und die Bekanntgabe von H2-Kooperationspartnern und Strombeschaffungs-Vereinbarungen an. Das Startup plant die Entwicklung von bis zu 700 Wasserstoff-Tankstellen in den USA und hatte ursprünglich versprochen, schon 2020 einen Partner für den Infrastruktur-Aufbau vorzustellen.

„Im vierten Quartal 2020 hat Nikola die notwendigen Veränderungen vorgenommen, um das Unternehmen neu zu fokussieren und auszurichten“, wird Mark Russell im Geschäftsbericht zitiert. „Wir haben unsere Vereinbarung mit GM neu strukturiert, unser Batterie-elektrisches Müllwagenprogramm gestrichen, unser Powersports-Programm eingestellt und die Ressourcen des Unternehmens mit einem Laserfokus auf unsere Kerngeschäfte neu ausgerichtet: Batterie-elektrische und Wasserstoff-betriebene schwere Nutzfahrzeuge und Wasserstoffbetankungsinfrastruktur.“
nikolamotor.com, bloomberg.com

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