1,6 Millionen NEVs: China verbucht im September so viele E-Auto-Verkäufe wie noch nie

China vermeldet bei den Verkäufen von Elektroautos und Plug-in-Hybriden einen neuen Bestwert: 1,6 Millionen New Energy Vehicles (NEVs) wurden im September abgesetzt und damit einige Tausend mehr als im bisherigen Rekordmonat Dezember 2024. Auch beim Zoom auf reine E-Autos und auf den E-Anteil am Gesamtmarkt geht es in China in neue Höhen. Nicht profitieren kann jedoch der Marktführer: BYD.

Leapmotor b min
Bild: Stellantis

Im September hatte in China jedes zweite abgesetzte Fahrzeug einen Stecker: Die NEV-Durchdringung stieg auf 49,7 Prozent. Zwar bewegt sich der E-Anteil in China schon seit dem Frühjahr recht konstant über der 45-Prozent-Marke, so nah an die 50 Prozent wie im September ging es aber noch nie. Grundsätzlich steckt der Vormonat laut Daten des chinesischen Autoherstellerverbands CAAM voller Superlative: Die 1.604.000 E-Autos und Plug-in-Hybride sind auch in absoluten Zahlen ein neuer Rekord. Und innerhalb dieses Segments kommen die Batterie-elektrischen Fahrzeuge (BEV) erstmals über die Eine-Million-Marke (1.058.000 Einheiten).

222.000 NEVs gingen im September in den Export

Die NEV-Verkäufe im September entsprechen dabei einem Anstieg von 24,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und von 15,0 Prozent gegenüber August. Ausfuhren aus China spielen dabei eine immer größere Rolle: Die Anzahl an exportierten NEV-Fahrzeugen hat sich im vergangenen Monat gegenüber September 2024 verdoppelt. Allerdings steigen die Exporte gegenüber diesem Juli und August nicht weiter – sie stagnieren bei rund 222.000 NEVs (was 13,8 Prozent aller NEV-Verkäufe Chinas entspricht, im Umkehrschluss verblieben 86,2 Prozent im Inland).

Die Exporte fließen dabei in die Statistik ein, weil die CAAM-Absatzzahlen die Großhandelsverkäufe der Hersteller beinhalten, also sowohl den Absatz im Inland als auch Exporte. Zu den in der Statistik gezählten New Energy Vehicles (NEV) gehören bekanntlich die Batterie-elektrischen Antriebe (BEV), Plug-in-Hybride (PHEV) und auch Brennstoffzellenfahrzeuge (FCEV) – im Pkw-Sektor spielt die Brennstoffzelle aber in China keine nennenswerte Rolle.

Starker Jahresendspurt erwartet

Vor dem Rekord-September lagen die Monatswerte dieses Jahr allesamt noch unterhalb der drei Monate des vierten Quartals 2024, als China einen überaus starken Jahresendspurt verzeichnete. Die Absatzkurven der vergangenen zwei Jahre mit ihrem charakteristischen späten Schwung nach oben legen aber nahe, dass auch 2025 wieder ein Anstieg im vierten Quartal folgen dürfte. Die September-Statistik kann nun als vielversprechender Vorgeschmack auf das Schlussviertel gewertet werden.

Ein Aber sei aber gestattet: Obwohl nun jedes zweite Auto in der chinesischen Großhandelsstatistik einen Stecker aufweist, hat sich die Dynamik doch merklich abgeschwächt: Die NEV-Durchdringung steigt nicht mehr so schnell wie in den vergangenen zwei Jahren und große Sprünge sind seit fünf, sechs Monaten nicht mehr erfolgt – eher ein kontinuierlich-langsamer Anstieg in Richtung der 50-Prozent-Marke.

PHEV-Markt verliert an Dynamik

Was noch? Innerhalb der Großhandelsverkäufe der New Energy Vehicles entfiel die Mehrheit klar auf Fahrzeuge mit BEV-Antrieb: 1.058.000 Einheiten bedeuten den bisher besten Wert überhaupt – 36,4 Prozent mehr als im September 2024 und 16,5 Prozent mehr als im August 2025. Die Plug-in-Hybride, zu denen in der CAAM-Statistik auch die Range-Extender-Modelle (EREV) gezählt werden, hatten in China zuletzt stark aufgeholt. Mit 546.000 PHEV sind die Verkäufe hier im Vergleich zum Vorjahr aber nur um 6,7 Prozent gestiegen und gegenüber dem August auch nur um 12,1 Prozent. Die Tendenz, dass Plug-in-Hybride gegenüber dem Vorjahr nur noch moderate Zuwächse verzeichnen, manifestiert sich bereits seit Juni.

Über alle Antriebsarten hinweg belief sich der Absatz im September auf 3,226 Millionen Fahrzeuge, was einem Anstieg von 14,9 Prozent zum Vorjahr und von 12,9 Prozent zum August entspricht. Das vergegenwärtigt: Während BEVs gegenüber dem Gesamtmarkt überproportional zulegen konnten, haben PHEVs an Boden verloren.

Bei den Herstellern liegt BYD weiter unangefochten vorne, verzeichnet aber den ersten Rückgang gegenüber einem Vorjahresmonat seit eineinhalb Jahren. Der Marktführer kam insgesamt auf 396.270 New Energy Vehicles, 5,5 Prozent unter dem Vorjahr, aber 6,1 Prozent mehr als im August. Die für BYD-Verhältnisse schwache Vorstellung hängt vor allem mit den PHEVs im Sortiment zusammen: Während die Elektroautos deutlich zulegten (+24,3% YoY), ging es bei den Plug-in-Hybriden bergab (-25,6% YoY). Was den Export angeht, verzeichnete BYD im August 71.256 NEVs fürs Ausland. Das sind zwar 115 Prozent mehr als vor einem Jahr, aber seit diesem Frühjahr waren die Exporte stets höher ausgefallen, allein im August und Juli waren es je 10.000 Einheiten mehr. Fazit: BYD kann von der dynamischen Marktentwicklung aktuell nicht profitieren.

Dafür schiebt sich Geely in eine immer bessere Position. Die Marke Geely Auto erreichte im September 99.516 BEV-Verkäufe (+55% YoY) und 65.685 PHEV-Verkäufe (+146% YoY). Bei Geely gehen Plug-in-Hybride also durchaus weg. Die ebenfalls zu Geely gehörende Marke Zeekr kam im Vormonat auf eher schwache 18.257 BEVs (-14,4% YoY).

Die SAIC-Gruppe kam mit ihrer Marke SAIC MOTOR Passenger Vehicle im September unterdessen auf 41.000 NEVs (+325% YoY). Betrachtet man die ganze Gruppe inklusive der Joint Ventures mit ausländischen Herstellern wie Volkswagen, verbuchte SAIC im September 189.498 NEVs (+47% YoY)

Tesla verbuchte mit seinen in Shanghai produzierten BEVs das zweitstärkste Ergebnis in einem insgesamt sehr schwachen Jahr. Die 71.525 BEVs im September liegen „nur noch“ ein Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Es ist Teslas siebter Monat im Jahr 2025, in dem der Absatz unter jenem vom Vorjahr liegt. Aber die Tendenz zeigt nach oben: Die 71.525 BEVs bedeuten ein Plus von 25 Prozent gegenüber August. In den Export gingen mit 19.287 Fahrzeugen (+19,6% YoY) allerdings weniger BEVs als im August (26.040 Einheiten).

Als hartnäckiger Tesla-Verfolger entpuppt sich zunehmend Leapmotor. Im September kam der von Stellantis unterstützte Hersteller auf 66.657 NEV-Verkäufe (+97% YoY). Leapmotor verbuchte damit seinen fünften Rekordmonat in Folge. Auch gut im Rennen ist Great Wall mit zuletzt 45.961 NEVs (+52% YoY), damit hat inzwischen jedes dritte GWM-Fahrzeug einen Stecker.

Unter den E-Auto-Startups hat sich Xiaomi EV als starker Player entpuppt. Die E-Auto-Sparte des Smartphone-Herstellers kam im September mit ihren zwei bisher gelaunchten BEV-Baureihen auf 41.948 Verkäufe (+209% YoY). Fast auf das identische Ergebnis blickt Xpeng mit 41.581 BEVs (+95% YoY). Nio verbucht für seine Verhältnisse ebenfalls ein starkes Ergebnis mit 34.749 BEVs (+64% YoY), dabei entfielen 13.728 Einheiten auf die Kernmarke Nio und 15.246 bzw. 5.775 auf die Submarken Onvo und Firefly.

Weiter nicht gut läuft es dagegen für Li Auto mit seit Monaten rückläufigen Zahlen. Im September verzeichnete das Unternehmen 33.951 NEV-Verkäufe (-37% YoY). Auf diese Weise kommt GAC Aion in Schlagdistanz: Die E-Auto-Marke von Hersteller GAC verkaufte 29.113 NEVs.

cnevpost.com (CAAM), cnevpost.com (BYD), cnevpost.com (Tesla), cnevpost.com (Xiaomi), ir.xiaopeng.com, ir.nio.com, cnevpost.com (Leapmotor),
cnevpost.com (Geely), cnevpost.com (GWM), cnevpost.com (Li Auto),
autonews.gasgoo.com (GAC), autonews.gasgoo.com (SAIC)

13 Kommentare

zu „1,6 Millionen NEVs: China verbucht im September so viele E-Auto-Verkäufe wie noch nie“
Battie
14.10.2025 um 19:55
China zeigt dem Rest der Welt (bezogen auf die absoluten Zahlen) wo es lang geht. Wie machen die das? Da kann doch nicht alles von oben aufgedrückt oder herbei subventioniert worden sein? Oder jetzt echt doch? Wie sieht es dort mit der Infrastruktur aus, auch alles besser als bei uns, oder ist es der Preis für den Strom, der zieht, aber am Ende mit viel schmutziger Kohle erzeugt?
SHausSTA
15.10.2025 um 07:44
Eine Kombination von Zwang und Subventionen. Die Zulassungen für Verbrenner sind in vielen Großstädten mittlerweile zahlenmäßig stark begrenzt und kosten teilweise horrende Summen. Zudem werden BEVs subventioniert und die Ladeinfrastruktur mit öffentlichen Mitteln massiv ausgebaut. Ziel ist, die Luftverschmutzung in den Ballungsräumen zu reduzieren. Trotzdem kommt ein großer Anteil des Stroms noch aus Kohlekraftwerken. Aber Erneuerbare und Kernkraft werden weiter stark ausgebaut.
Applikateur
15.10.2025 um 07:42
Hier ein Deutscher der nahe Shenzhen lebt: Umgerechnet 4 Cent je kWh am AC Lader und 12 Cent je kWh am Schnell-Lader. Es sind immer Ladesaeulen in der Naehe. Ueberall. Und ich brauche keine 5 Lade-Karten und Apps, sondern nur 1 App die ich eh im Alltag benutze. Den Strom erzeugen hier bei uns 6 AKW. Andere Landesteile haben viel Hydro Power (7 der 10 groessten aktiven Wasserkraftwerke sind in China). Der Himmel ist fast immer klar, nicht mehr so wie vor 10 Jahren. Das haben jetzt die Vietnamesen und Inder.
Dixi K
15.10.2025 um 05:45
Erzeugungsquellen China (2025):Kohle: ca. 56 % Erneuerbare: ca. 40 % (davon Wasserkraft 13–16 %, Wind 9–11 %, Solar 13 %) Sonstiges (Gas, Kernkraft): ca. 4 %Preis: Durchschnittlich 0,08 USD/kWh (ca. 0,55 RMB/kWh) für Haushalte und Industrie; sinkend durch Erneuerbare.
Jörg
14.10.2025 um 20:15
die Chinesen warten nicht auf unsere Verbrenner, auch nicht auf unsere BEV.....
Dixi K
15.10.2025 um 05:48
Vergleich Ladesäulen-Preise (2025, public fast charging):China: Durchschnittlich 1,15 RMB/kWh (ca. 0,15 €/kWh).Europa: 0,35–0,60 €/kWh (EU-Durchschnitt). Chinesische Kunden zahlen ca. 3–4-mal weniger. Günstiges laden sollte bei uns subventioniert werden und nicht die Autos!!!
Leon
15.10.2025 um 09:12
Chinesische Kunden verdinen auch deutlich weniger. Nominale Preisvergleiche ohne berücksichtigung der Kaufkraft sind wertlos.
Dixi K
15.10.2025 um 05:42
Tesla verbuchte mit seinen in Shanghai produzierten BEVs das zweitstärkste Ergebnis in einem insgesamt sehr schwachen Jahr.Woran das wohl liegen könnte? Vielleicht weil sie ein neues Model Y eingeführt haben und die Produktion umgestellt haben. Neinnnn, bestimmt nicht...
Fabian
15.10.2025 um 07:31
Und jetzt?
Peter
15.10.2025 um 08:37
Ich glaube zunehmend, dass die Diskussion um das angebliche "Verbrennerverbot" nur dem Aufbau einer Art Dolchstoßlegende dient. Damit man in ein paar Jahren sagen kann, dass die EU Schuld am Niedergang der deutschen Automobilindustrie sei. Diese Zahlen aus dem größten und mittlerweile wichtigsten Automarkt der Welt zeigen, dass sämtliche Diskussionen in DE und Europa der letzten Wochen vollkommen irrelevant sind. Wir bräuchten schon seit 10 Jahren einen klaren politischen Weg (so wie China) und begleitende Maßnahmen, die die Elektrifizierung unterstützen (Hallo, Strompreis?!). Vermutlich ist das Scheitern längst eingesehen und es läuft schon die Sündenbocksuche, um vom eigenen Versagen abzulenken.
Lanzu
15.10.2025 um 09:32
NEV-Anteil bei Joint-Venture: 6,6%. Chinesischen Firmen: 68,3%Die Frage ist aber, ob frühere Elektrifizierung die deutschen Hersteller in China gerettet hätte. Chinesische Hersteller wollen und sollen den Markt dort übernehmen.Was hätte deutsche Forme dagegen machen können?Aktuell versucht man es mit Kooperation mit chinesischen Firmen (Stellantis mit Leaomotor, VW mit XPeng). Renault hat den Twingo dem verlautbaren nach in China entwickelt. Mal schauen, ob diese Strategien aufgehen.
Peter
15.10.2025 um 11:39
Durchaus valide Frage! In China wäre es definitiv so oder so schwer gewesen, denn die chinesische Politik ist knallhart darin einen heimischen Industriezweig aufzubauen und dafür zunächst einen geschützten Markt einzurichten. Allerdings ist die deutsche Automobilindustrie ja schon riesig gewesen, bevor der chinesische Markt überhaupt relevant war. Will sagen: Wenn die europäische Politik und die Hersteller es zumindest außerhalb von China geschafft hätten als technologische Vorreiter zu gelten, hätte man vielleicht auch mittelfristig auf dem chinesischen Markt mehr Chancen gehabt. Aktuell sind ja nur die USA (außer Tesla) noch mehr im Hintertreffen. Und es ist ja klar, dass auch die chinesischen Hersteller sehr stark auf Export bzw. internationale Expansion setzen.Bei Nextmove konnte man zuletzt erfahren, dass in Albanien schon ein großer Teil der Taxiflotte elektrifiziert ist: Mit chinesischen Fahrzeugen. Die Europäer verlieren also nicht nur auf dem chinesischen Markt.Bei großen Transformationen können nur diejenigen wirtschaftlich überleben, die den technologischen Fortschritt mitgehen. Je größer ein Unternehmen, umso schwieriger ist dies allerdings, da hohe lock-in Effekte bestehen. Daher muss dieser Wandel politisch begleitet und gesteuert werden. Warum solche Basics in Wirtschaftsgeographie genau bei denjenigen Partei, die "Wirtschaftskompetenz" für sich reklamieren nicht vorhanden sind, ist mir ein Rätsel.
Hans
15.10.2025 um 10:29
Wenn man den Leuten sagt das jeder Verbrenner ihre Luft Sauerstoff verbrennt würde das verständnis für e Autos steigen

Schreiben Sie einen Kommentar zu SHausSTA Antwort abbrechen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert