Solaris verjüngt 170 elektrische Bestandsbusse – per Batterie-Austausch

Im Dezember hatte Solaris das Angebot angekündigt, strombetriebene Bestandsbusse nachzurüsten. Dazu gibt das Unternehmen nun ein Update: Das Retrofit-Programm umfasst aktuell rund 170 Fahrzeuge in ganz Europa, darunter lässt allein die Berliner BVG 105 E-Bussen nachrüsten.

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Bild: Solaris

Auf der Mobility Move in Berlin hat Solaris dieser Tage sein vor wenigen Monaten angekündigtes Nachrüst-Programm für die alternde E-Busflotte in Europa vorgestellt und sich dabei zum Stand des Angebots geäußert. Das berichtet das Portal Sustainable Bus. Demnach ist zurzeit die Nachrüstung von insgesamt 170 Urbino-Fahrzeugen vertraglich vereinbart. Im Einzelnen geht es um 105 Einheiten der BVG in Berlin, um 26 Einheiten in Krakau, um 18 Einheiten im rumänischen Cluj-Napoca, um zehn Busse in Hamburg, um acht im polnischen Jaworzno, um zwei in Brüssel und um ein Fahrzeug in Warschau.

Im Fokus des Programms stehen den Angaben des Portals zufolge rund 1.325 Batterie-Busse, die Solaris zwischen 2013 und 2019 ausgeliefert hat. Das entspricht 22 Prozent der derzeitigen BEV-Busse mit Solaris-Marke auf den Straßen. Diese alternden E-Busse sollen mit dem neuen Angebot vor der Ausmusterung bewahrt werden. Unter dem Label „Zero-emission vehicle retrofit“ bietet der polnische Hersteller dafür den Austausch bestimmter Teile an – allen voran natürlich der Batterien.

Bei der Vorstellung des Programms im Dezember gab Solaris an, seinen Kunden mit Elektrobussen früherer Generationen eine „effektive Lösung“ bieten zu wollen, damit diese Fahrzeuge weiter im ÖPNV-Geschäft mithalten können. Dazu macht das Unternehmen den Austausch der degradierten Batterien und weiterer Komponenten zu einer standardisierten Serviceleistung. Besitzer der E-Busse erhielten so die Möglichkeit, „nach Ablauf der Garantie Komponenten durch neue ersetzen zu lassen“, wie der Hersteller mitteilt. Der neue Service gilt dabei nicht nur für Batterie-betriebene Busse, sondern auch für Batterie-Trolleybusse und in Zukunft auch für Solaris‘ Wasserstoffbusse.

Klar ist: Nicht nur Solaris, sondern auch andere Hersteller von E-Bussen treibt die Frage um, wie frühe Kunden mit ihren nicht mehr so performanten E-Bussen unterstützt werden können. Einerseits verringert sich die Kapazität der Batterien altersbedingt über die Zeit, andererseits hat die enorme technische Entwicklung in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass inzwischen in E-Bussen der neuen Generation viel bessere und effizientere Technik-Baukästen zum Einsatz kommen. Daimler Buses hat deshalb bereits seit dem Frühjahr umfassende Batterie-Services für den eCitaro eingeführt und bietet bei alten Fahrzeugen ab 2026 auch den Wechsel auf die neueste Batteriegeneration an.

Zum Vergleich: Der eCitaro wird erst seit 2018 gebaut. Bei Solaris ging die E-Bus-Produktion schon einige Jahre früher los. Umso mehr pressiert das Thema bei den Polen. Machen wir’s konkret: Heute bietet der Solobus Urbino 12 electric einen maximalen Gesamtenergiegehalt von über 600 kWh für Reichweiten über 600 Kilometer. Vor 2025 waren im Urbino 12 electric maximal 520 kWh möglich, vor 2022 waren es noch bis zu 395 kWh. Und davor noch weniger. Der Hersteller spricht denn auch von einer „technologischen Entwicklung, die in beispiellosem Tempo voranschreitet“. Die Antriebswende vollziehe sich in relativ kurzer Zeit, „was während der normalen Nutzungsdauer der Fahrzeuge zu technologischer Veralterung führen kann“. Dem will das Unternehmen entgegenwirken und so die Lebensdauer der Elektrobusse verlängern. Welche Preise Solaris für diesen Service aufruft, bleibt jedoch unerwähnt.

In der Praxis werden die Kunden beim Komponenten-Austausch umfänglich betreut: Die Dienstleistung reicht laut Solaris „von einer gründlichen Fallanalyse, Berechnung und vollständigen Dokumentation über die Abholung der Altbatterien bis hin zum Einbau der neuen Batterien“. Im Zuge der Nachrüstung wird zudem sichergestellt, dass auch weitere notwenige E-Komponenten gewechselt, das Thermomanagement aufgerüstet (bzw. installiert) und das Batteriemanagementsystem aktualisiert wird. Außerdem sorgt Solaris dafür, dass die modifizierten Batterien mit der bestehenden Ladeinfrastruktur beim Kunden kompatibel sind.

Und: Bei den neu einbaubaren Batterien haben Kunden die Auswahl zwischen LFP-, NMC- oder LTO-Technologien. Man biete die optimale Batterielösung für die jeweiligen Kundenbedürfnisse, hieß es im Dezember aus der Unternehmenszentrale. Bei der Angebotserstellung werden zudem weitere Faktoren berücksichtigt, die sich allen voran um die angepeilte Batterielebensdauer, Lade- und Nutzungsmethoden, den täglichen Energiebedarf und natürlich die Kosten drehen.

sustainable-bus.com

6 Kommentare

zu „Solaris verjüngt 170 elektrische Bestandsbusse – per Batterie-Austausch“
David W
19.03.2026 um 13:17
Daran könnte sich die Automobilindustrie ein Beispiel nehmen. Anstatt z.B. nach 5 Jahren die Remote Services zu deaktivieren, geschweige denn das man zu vertretbaren Preisen Batterie-Ersatz oder -Upgrades bekommt.
TeeKay
19.03.2026 um 14:51
War auch mein Gedanke. Wie einfach wäre es für Mitsubishi, sich selbst die Frage zu beantworten, " wie frühe Kunden mit ihren nicht mehr so performanten Elektroautos unterstützt werden können."Wenn es Bastler hinkriegen, in den i-Miev eine doppelt so große Batterie einzubauen, wäre das für den Hersteller noch einfacher. Und dann wäre ein 2010 hergestelltes Auto auf einmal fit für die nächsten 15 Jahre. Denn der Rest des Autos ist erstaunlich haltbar.
Lutz Maier
20.03.2026 um 09:11
Das ist das Problem bei einem privaten Käufer. Kaufe ich heute ein e Auto ist die Antriebstechnik in drei Jahren veraltet in 7 bis 10 Jahren muss, nach heutigen Stand, eine neue Batterie her. Zur Zeit übersteigen die Kosten noch den Restwert des Fahrzeugs. Die Industrie wird sich hüten daran etwas zu ändern. Was lange hält, bringt kein Geld.
Nico
20.03.2026 um 10:51
Also mein vor 3 Jahres angeschafftes Auto (Hyundai Ioniq 5) ist mit Nichten heute veraltet, sondern ganz im Gegenteil schlägt noch den Großteil der Neuerscheinungen, was die Akkutechnik anbelangt. So eine pauschale Aussage ist also Quatsch. Und auch die 7-10 Jahre bis die Batterie ausgetauscht werden "muss" ist eine absolut haltlose Begründung. Die Realität bei gebrauchten E-Autos zeigt das Gegenteil. Einzelfälle gibt es immer und selbst hier genügt oft auch ein Tausch einzelner Module statt der gesamten Batterie. Und die Mehrheit der Batterien ist deutlich langlebiger, schau dir Teslas an, die ein paar Jahre auf dem Buckel haben.
Andi
20.03.2026 um 09:49
Der Staat hat leider auch kein Interesse daran, ein neues Auto bringt neue 19% MwSt.
Uwe Beul
22.03.2026 um 07:01
Also meine 20 Jahre alten vectrix Roller sind noch auf einem moderneren Entwicklungsstand wie andere EV. Ja, 200 km weit und 2,5 Stunden Ladezeit ist schon etwas langsam aber da der 2,5 kg schweres Motor mit 35 kw Leistung in der Spitze für 300 kg lebendgewicht nur 7- 8 kWh auf Hundert Kilometer benötigt schon beachtlich. Muss übrigens nicht gekühlt werden der Motor. Wenn mir jemand vor 20 Jahren gesagt hätte das mein Roller das heute anstatt der damaligen 40 km Reichweite schafft hätte ich das so auch nicht geglaubt. Genau wie die alten aus den 90er Jahren stammenden Französischen Kleinwagen.

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