Gelockerte CO2-Regeln ersparen vor allem VW Milliarden-Strafe

Insbesondere Volkswagen profitiert von der Lockerung der Emissionsvorgaben durch die EU, zeigen neue Berechnungen von Dataforce und ICCT. Je nach Berechnung hätten die Wolfsburger gemäß den ursprünglichen Regelungen zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro Strafe zahlen müssen – aber auch andere Hersteller wären mit hohen Summen betroffen.

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Bild: Volkswagen

Kurz zum Hintergrund: Die CO2-Ziele der EU sehen je nach Hersteller leicht unterschiedliche Grenzwerte vor, die von den verkauften Fahrzeugtypen abhängen – Mercedes und Smart müssen etwa auf 90 g/km kommen, der VW-Konzern im Durchschnitt auf 92 Gramm. Allerdings hatte die EU schon 2025 auf Vorschlag der Kommission beschlossen, dass die Autobauer ihre Ziele nicht in jedem Jahr, sondern nur im Schnitt der Jahre 2025, 2026 und 2027 eingehalten müssen. Ein Verfehlen der Ziele in 2025 hat also noch keine unmittelbare Konsequenz, sondern kann mit einer besseren Performance in 2026 und 2027 noch ausgeglichen werden.

Dennoch ist der Blick auf die Zahlen aus 2025 als eine Art Zwischenstand interessant. Mit den erreichten CO2-Werten des Jahres 2025 wäre laut Dataforce auf Volkswagen eine hypothetische Strafzahlung von knapp 1,7 Milliarden Euro zugekommen. Der Spiegel hat für den Volkswagen-Konzern auf Basis von Daten der Umweltorganisation ICCT sogar eine hypothetische Strafe von rund 2,2 Milliarden Euro berechnet.

BMW unterbietet CO2-Ziele für 2025

Und Mercedes hätte gemäß den Dataforce-Zahlen mit einer Überschreitung von 12,5 Gramm eine hypothetische Strafe von 712 Millionen Euro an die EU überweisen müssen. Praktisch wäre es aber auch nach den „alten“ Regeln so nicht gekommen, denn der Stuttgarter Autobauer hat einen CO2-Pool mit dem Geely-Konzern gebildet. Und dieser steht dank vieler E-Autos und Plug-in-Hybride bei Volvo und teils reinen Elektromarken wie Polestar und Zeekr mit einem CO2-Ausstoß von 51,7 g/km sehr gut da. Nach dem Absatz gewichtet bringt es der Pool gemeinsam auf 86,5 g/km, also 5,1 Gramm unter dem gemeinsamen Ziel. Zwar geht das ICCT in dem Spiegel-Artikel für Mercedes sogar von 19 Gramm Überschreitung aus, das ändert aber nichts am Ausgang des Szenarios: „Eine Strafe hätte Mercedes daher vermieden, allerdings wären wohl Zahlungen an die Poolpartner fällig gewesen“, heißt es im Spiegel.

Wie sich schon in einer ICCT-Auswertung Anfang des Monats auf Basis der 2025er Zahlen bis einschließlich November abgezeichnet hatte, hat BMW als einziger deutscher Hersteller seine CO2-Ziele für 2025 erreicht – da sind sich ICCT und Dataforce im Ergebnis einig. Konkret nennt Dataforce einen erreichten CO2-Wert von 90,3 g/km bei einem Zielwert von 93,9 g/km. Neben BMW und dem erwähnten Geely-Konzern haben in der Dataforce-Berechnung auch Tesla, Toyota, Leapmotor und BYD ihre Ziele erreicht und Strafzahlungen vermieden. Bei Tesla als reinem E-Auto-Hersteller war das keine Frage, auch Leapmotor (aufgrund einiger Range-Extender-Fahrzeuge mit 1,4 g/km) und BYD (mit einigen PHEV bei 9,2 g/km) haben die Ziele locker erreicht. Toyota hat bei einem Ziel vom 96,3 g/km laut Dataforce 96,1 g/km erreicht – liegt also nur denkbar knapp unter dem Zielwert. Hier gilt es die endgültigen, offiziellen Zahlen abzuwarten.

Aber selbst wenn Toyota am Ende knapp über dem Ziel landet, droht keine Strafe. Zum einen aufgrund der Regelung, zum anderen ist der japanische Hersteller auch Teil des „Tesla-Pools“. Und liegt nur 0,3 g/km über dem Zielwert. Allerdings müssen mit den guten Ergebnissen von Tesla, Leapmotor und Toyota auch „CO2-Sünder“ wie der Stellantis-Konzern ausgeglichen werden, der zwar „nur“ 6,6 g/km über dem Ziel von 96,3 g/km liegt, aber aufgrund der hohen Stückzahlen 1,03 Milliarden Dollar Strafe zahlen müsste. Teil des „Tesla-Pools“ ist auch der größte Abweichler: Subaru hat laut Dataforce 2025 in der EU einen CO2-Flottenausstoß von 169,9 g/km erreicht – bei einem Ziel von 91,3 g/km. Die Japaner liegen also 78,7 Gramm darüber und müssten trotz der überschaubaren Absatzzahlen 128 Millionen Euro zahlen.

Aber: Unabhängig von der Berechnungsgrundlage sind die Strafzahlungen nur hypothetisch, denn die Hersteller konnten in ihren Planungen mit einer Überschreitung der 2025er Ziele kalkulieren. Wäre es tatsächlich auf Strafzahlungen hinausgelaufen, hätten die Hersteller noch mit verschiedenen Maßnahmen dagegen arbeiten können – besondere Rabatt- und/oder Leasingaktionen für E-Autos oder ein zurückfahren der Verbrenner-Produktion. Und Autobauer die VW, Renault und Hyundai, die alle über ihren Zielwerten liegen, hätten sich ohne Probleme ebenfalls einem CO2-Pool anschließen können – sind aber offenbar der Meinung, dass sie die Ziele bis 2027 aus eigener Kraft erreichen können. „Die Hersteller hätten wohl jedes andere Mittel ausgeschöpft, bevor sie Strafen akzeptiert hätten“, wird ICCT-Europachef Peter Mock im Spiegel zitiert.

Mock schätzt, dass die Hersteller bei der ursprünglichen Regelung bis zu 500.000 E-Autos mehr zugelassen hätten, um die Strafzahlungen zu vermeiden. Das wäre dann in Form von Eigenzulassungen oder mit Rabatten geschehen, hätte also tendenziell etwas Marge gekostet. So bleibt festzuhalten, dass die angepasste Regelung der EU sehr wohl Auswirkungen auf die Bemühungen der Branche hatte, mehr Elektroautos zu verkaufen.

spiegel.de (ICCT-Zahlen), automobilwoche.de (Dataforce-Berechnungen)

16 Kommentare

zu „Gelockerte CO2-Regeln ersparen vor allem VW Milliarden-Strafe“
Toni
26.01.2026 um 13:54
Das ist alles wirklich so ein schlechter Witz! Ich persönlich sehe das ganze Thema E-Auto zwar deutlich lockerer als die meisten hier (vermute ich), doch was hier aktuell abgeht, ist nichts weiter als reine Satire. Wehe, WEEEHE ich zahle meine Steuer 2 Stunden zu spät oder 50 Cent zu wenig, dann gnade mir Gott! Aber hier mal Milliarden erlassen, weil wegen Gründen, das ist natürlich alles kein Problem. Konnte sich ja auch niemand über Jahre hinweg darauf vorbereiten und staatl. unterstützt wurde man ja auch nicht! *hust*
ioniqKnechter
26.01.2026 um 18:28
Ehy Moin erst ma...Es ist ein wahres Meisterstück der unternehmerischen Verdrängung, dass die deutsche Automobilindustrie nun von CO2-Flottengrenzwerten „überrascht“ wird, die bereits 2019 mit der EU-Verordnung 2019/631 in Stein gemeißelt wurden – ein perfektes Déjà-vu zum WLTP-Desaster von 2018, bei dem man die Umstellung ebenfalls so lange ignorierte, bis die Werkshöfe wegen fehlender Zulassungen überquollen. Während VW den e-Up trotz exzellenter Verkaufszahlen und monatelanger Wartelisten Ende 2023 endgültig beerdigte, anstatt ein bezahlbares Fundament für die Wende zu festigen, verbrennt die hauseigene Software-Tochter Cariad Milliarden, sodass man nun für 5 Milliarden Dollar die technische Rettung beim US-Konkurrenten Rivian einkaufen muss. Dass die EU jetzt Mitleid zeigt und die drohenden Milliardenstrafen – die allein für VW für das Jahr 2025 auf etwa 1,5 Milliarden Euro geschätzt wurden – durch neue Berechnungs-Flexibilitäten und Fristverlängerungen abmildert, wirkt wie ein Beatmungsgerät für einen Patienten, der sich standhaft weigert, gesund zu werden. Während China uns beim Ausbau von Erneuerbaren Energien, Photovoltaik und E-Mobilität längst mit Lichtgeschwindigkeit rechts überholt hat, demonstriert die deutsche Industrie eine fast schon bewundernswerte Todesverachtung: Wir befinden uns auf einer Titanic, die den Eisberg nicht nur gerammt, sondern bereits vollständig inhaliert hat, und während das Wasser schon bis zur Halskrause steht, spielt das Orchester in der Vorstandsetage noch eine besonders schwungvolle Polka, während man sich gegenseitig versichert, dass das Sinken eigentlich nur eine sehr langsame Form des Tauchens ist.
DerJens
26.01.2026 um 22:20
Ein Hoch auf die Lobby. Schon igendwie lächerlich der ganze Verein.
Alex Salsa
27.01.2026 um 07:45
Die Entscheidung des EU-Parlaments zur Lockerung der CO₂-Regeln ist keine „vernünftige Anpassung“ – sie ist ein fataler politischer Rückschritt.Die CO₂-Regulierung ist ein enorm wichtiges (eventuell sogar das einzige)Werkzeug, um emissionsarme Technologie zu pushen und gleichzeitig Mensch und Umwelt zu schützen.Die Entscheidung, dieses Werkzeug zu entschärfen, läuft dem klaren wissenschaftlichen, gesundheitlichen und ökologischen Bedarf zuwider.Wenn wir ernsthaft Klima und Lebensqualität schützen wollen, muss Regulierung ernst gemeint, sanktionierbar und zukunftsgerichtet sein – nicht verwässert durch kurzfristige Interessen und Lobbydruck.
SHausSTA
27.01.2026 um 07:57
Es ist doch völlig abwegig, zu glauben, dass der Klimawandel aufgehalten wird, wenn die Autohersteller hohe Strafen zahlen. Fakt ist: 80% der Autointeressenten wollen kein E-Auto haben!
Andreas Scholz
01.02.2026 um 10:07
Diese Aussage ist allein schon deswegen kein Fakt, weil der Marktanteil der E-Autos bei Neuzulassungen im Dezember 2025 bei >22% stand. Allein bei den Neufahrzeugen. Dazu kommen noch die Gebrauchten, die gekauft wurden. Und das sind ja nur die, die ihr Interesse tatsächlich in einen Kauf umgesetzt haben. Es ist also ganz einfach nachvollziehbar, dass diese „80% haben kein Interesse“-Aussage Unsinn ist. Das Interesse ist deutlich höher, dazu gibt es eine Menge Umfragen, aber die meisten warten noch auf fallende Preise.Wer Fakten und die Realität akzeptiert, sieht das auch ein. Wer allerdings einfach grundlegend gegen E-Autos ist, der wird die 80% einfach immer weiter behaupten, obwohl die Zahlen eine ganz andere Sprache sprechen.
ioniqKnechter
29.01.2026 um 22:16
Tja deine Meinung ohne Fakten! Die oft zitieren „80 % wollen kein E-Auto“ beziehen sich auf den aktuellen Kaufzeitpunkt, nicht auf grundsätzliche Ablehnung. Gründe sind Preis, Ladeinfrastruktur und Unsicherheit – nicht die Technik selbst. CO₂-Strafen sollen auch nicht „das Klima retten“, sondern Investitionen lenken. Nachfrage folgt Rahmenbedingungen. Das war bei jeder technischen Umstellung so. Zb Vor 15 Jahren wollte „auch kaum jemand“ ein Smartphone mit Touchscreen. Keiner wollte ein Flachbildschirm TV , Katalysatoren, Sicherheitsgurte, Rauchverbot, bleifreies Benzin. "Die Leute wollen das nicht“ war schon immer das Argument gegen Fortschritt.
Richard
27.01.2026 um 08:14
War das nicht auch die Firma die den Dieselskandal gestartet hat? Die Firma die sich über Tesla lustig gemacht hat. Die Firma die sparen will und im gleicher Höhe die Dividenden ausgeschüttet hat. Die Firma, denen Habeck 2019 gesagt hat: Baut kleine E-Autos, sonst habt Ihr Probleme?
Branchenkenner
31.01.2026 um 00:09
Leider polemischer Kommentar ohne Substanz. Volkswagen setzt wie kein zweiter Auto-Großkonzern auf E-Mobilität, höchstens BYD kommt da ran und die bauen 50% weniger Autos als der Volkswagen-Konzern. Volkswagen bringt dieses Jahr bezahlbare E-Kleinwagen die wirklich gute technische Daten aufweisen, das können die meisten nicht, auch nicht die wenigen die ein E-Kleinwagen im Angebot haben. Von Tesla mal ganz zu schweigen. Volkswagen baut mehrere Batterie-Fabriken auf, hat Investitionen in erneuerbare Energien, in autonomes Fahren und elektrischen Nahverkehr. Tesla hat nur 2 Autos für damals 50.000€ nun ca. 40.000€ im Angebot, alles andere ist nicht Massenmarkt tauglich und wird nun teilweise wieder eingestellt. Und ob ein 50.000€ SUV für die Masse ist sei mal dahingestellt. Die Absatzzahlen sind rückläufig, die Produkte sind nicht auf dem neusten Stand sondern laufen der Konkurrenz hinterher. Tesla erwirtschaftet nur durch Subventionen und CO2-Zertifikate Geld, ansonsten wären sie noch immer im roten Bereich, und das nach über 15 Jahren am Markt....
BLefeld
27.01.2026 um 22:06
Genau so ist es. Kann ich direkt unterschreiben
Chris
27.01.2026 um 08:45
Ich finde es wesentlich sinnvoller wenn VW jetzt bei BEV noch deutlicher zulegt als wenn sie Strafen zahlen, wovon das Klima nichts hat. Insofern eine gute Regelung.
Frank
27.01.2026 um 14:20
Aber nur für VW. Andere Hersteller, die mit großen Aufwand das CO2-Ziel erreicht haben sind jetzt die "DOOFEN", da sie sich auf Vereinbartes verlassen haben. Das nenn ich eklatante "Wettbewerbsverzerrung". VW macht dort weiter, wo sie mit dem Dieselskandal aufgehört haben. Tricksen, Täuschen und Einflussnahme nach der Devise: Beim Lügen nicht erwischt zu werden, ist das Gleiche wie die Wahrheit zu sagen. Welcher Kanzler unter dem Konzern die Regierung simuliert, ist bei VW nicht von belang.
Beta
27.01.2026 um 12:33
Richtig, genau das ist der Punkt
erFahrer
27.01.2026 um 08:51
Ja, da wird mit Massenentlassung und Werkschließung (Zwickau) nicht nur gedroht (Dresden) schon läuft wie geschmiert. Das Rezept wirkt bei jeder Regierung seit langer zeit. - So hält man sich selbst weiter gefangen in einer 2 Antriebsfertigung mit rückläufigen Stückzahlen. Wie soll dabei Marge herauskommen? Würde sich die globale Fahrzeugebranche auf eine Kampagne einigen, dass Benzin und Diesel böse sind, könnte man sich aus diesem Alptraum schneller befreien. - Gelebte Realität ist jedoch dass es noch nichtmal für Solarenergie auf den eigenen Werkshallen reicht, was wie ein Indikator von Zukunftsfähigkeit erscheint. Da sind etliche Zuliefere längst deutlich weiter.
Energie
27.01.2026 um 09:40
Für mich ist es völlig unverständlich wie sich die EU auf so ein Trauerspiel einlassen kann. Es ist doch ganz klar an China zu sehen, was für eine gelungene Energiewende zu tun ist. Man muss ja nicht das Rad neu erfinden, sondern müsste einfach nur die meisten China-Maßnahmen kopieren und schon würde auch in der EU eine schnelle Energiewende möglich sein
Frank
27.01.2026 um 14:03
Dem VW Konzern ist es egal, wer unter ihm Kanzler ist.

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