Studie: Deutsche Autobauer müssen bei Elektro-Innovationen weiter aufholen

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Die deutschen Automobilhersteller haben laut dem aktuellen „Electromobility Report“ des CAM, in dem 212 Serien-Innovationen der Elektromobilität von 30 Automobilherstellern in den letzten fünf Jahren bewertet wurden, immer noch Nachholbedarf.

Unter den BEV-Herstellern ist laut der Studie des Center of Automotive Management Tesla im Untersuchungszeitraum 2014 bis 2018 weiterhin mit weitem Abstand bei der Innovationsstärke führend, gefolgt von den chinesischen Herstellern BYD und BAIC. Der Volkswagen-Konzern schließt im Bereich der E-Mobilität aber schrittweise zu den Top 3 auf und kann die Hersteller Hyundai und Renault überholen.

Der Grund für die Stärke von Tesla sind seine Modelle mit hoher Reichweite – da die Untersuchung Innovationen seit 2014 einschließt, fallen mit dem Model S, Model X und Model 3 alle Tesla-Modelle in die Wertung. Ein großer Vorteil gegenüber dem VW-Konzern, der mit dem Audi e-tron in dieser Zeit nur ein „innovatives“ Produkt gezeigt hat – das Update des eGolfs hat offenbar nicht viele Punkte ergeben. Insgesamt springt Volkswagen von Rang 11 auf 4 – der in dieser Woche vorgestellte Porsche Taycan ist in der Studie allerdings noch nicht berücksichtigt.

Damit erreicht VW in der CAM-Auswertung zum ersten Mal den Status als „High Performer“ – neben Tesla fallen auch BYD, BAIC (beide wegen ihrer Modelle auf dem heimischen Markt) sowie Hyundai, Renault und Nissan. Hyundai profitiert unter anderem von der Einführung des Kona im Jahr 2018 als relativ preisgünstigem E-Auto mit einer hohen Reichweite von ca. 450 km nach WLTP – in der Auswertung 2017 waren die Koreaner noch in etwa auf dem Niveau von Mercedes, jetzt liegt Hyundai auf Rang 5. Renault findet sich auch aufgrund des Zoe, der das meistverkaufte E-Auto Europas ist, im Kreis der High Performer wieder. Allerdings hat Renault 2018 keine Innovationspunkte hinzugewonnen – das wird sich 2019 mit dem Zoe-Facelift und später mit den angekündigten weiteren Modellen ändern.

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Daimler und BMW liegen weiterhin nur auf den Rängen 14 und 15 – und damit noch hinter chinesischen Herstellern wie Dongfeng und Great Wall oder Tata aus Indien. Da der EQC im Gegensatz zum Audi e-tron nicht mehr Ende 2018 auf den Markt gekommen ist, wurde er in der Auswertung nicht berücksichtigt – in der BEV-Kategorie konnte Daimler deshalb 2018 keine Innovationspunkte sammeln. Bei BMW gab es lediglich das Update des i3 auf die 42,2-kWh-Batterie. Ein großer Schub bei dem einstigen deutschen E-Vorreiter ist auch erst in den kommenden Jahren zu erwarten – 2019 gab es bislang nur neue PHEV-Modelle.

Unter den Low Performern befinden sich große Konzerne wie die japanischen OEM Toyota, Mazda, Mitsubishi, Honda, Subaru und Suzuki aber auch Ford und Fiat-Chrysler. Bei diesen Herstellern sind bislang nur wenige oder gar keine reinen E-Fahrzeuge in der Produktpalette zu finden.

Für 2019 erwartet das CAM eine „enorme Dynamik“. Durch die Updates der Motoren beim Model S und Model X sowie den Superchargern V3 dürfte Tesla weiterhin der innovativste Hersteller im Bereich der rein elektrischen Mobilität bleiben. Mit dem Taycan, Skoda Citigo e IV und Seat Mii electric dürfte VW in die Top 3 aufschließen, ehe dann 2020 der ID.3 für die Auswertung zählt. Auch bei PSA, Daimler (Mercedes EQA) und BMW erwarten sich die Marktforscher viel Bewegung.

„Gerade bei BMW ist auffällig, dass nach dem Pioniermodell i3 die Elektrifizierung der Modellpalette vorwiegend durch den Fokus auf Plug-In-Hybride vorangetrieben wurde“, schreibt das CAM in der Mitteilung. Das zeigt sich auch bei dem Blick auf die PHEV-Rangliste: Hier führen die Münchner mit den 2018 eingeführten 330e und 530e mit Wireless Charging. Es folgen der VW-Konzern und Daimler. Die Stuttgarter haben vor allem mit den Diesel-PHEV in C- und E-Klasse Innovationspunkte gesammelt.

Dennoch warnt das CAM Hersteller und Politik, die Bedeutung der Plug-in-Hybride überzubewerten. „Bei Plug-in Hybriden besteht eine hohe Diskrepanz zwischen den Prüfstandswerten und der CO2-Bilanz auf der Straße“, sagt CAM-Leiter Stefan Bratzel. „Plug-in Hybride sind nur bei einem entsprechenden Nutzerprofil mit wenig Langstreckenanteilen und einem konsequenten Ladeverhalten umwelt- und klimafreundlich. Aufgrund des derzeit real kaum existierenden Klimavorteils lässt sich die bestehende hohe steuerliche Begünstigung nicht rechtfertigen.“
Quelle: Info per E-Mail

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